RECHTER TERROR

Reaktionen auf rassistisches Attentat in Hanau

Neun Menschen hat der Attentäter in Hanau aus offenbar rassistischen Motiven getötet. In den sozialen Medien wird vor rechtem Terror gewarnt. Nur eine Partei sieht das anders.
Nach dem anscheinend rassistisch motiviertem Attentat in Hanau ist die Bestürzung in ganz Deutschland groß.
Nach dem anscheinend rassistisch motiviertem Attentat in Hanau ist die Bestürzung in ganz Deutschland groß. Andreas Arnold
Hanau ·

Nach dem offenbar rassistisch motiviertem Attentat in Hanau, bei dem der 43-Jährige Tobias R. in der Nacht zu Donnerstag neun Menschen erschossen hat, ist das Entsetzen groß. Menschen legen am Tatort Blumen und Kerzen ab. Zahlreiche Beleidsbekundungen werden minütlich in den sozialen Medien gepostet. Aber auch die Forderung, dass endlich etwas gegen die Gefahr von Rechtsradikalen getan werden müsste, ist stark präsent.

Auf dem Instagram-Kanal von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) wurde ein Statement veröffentlicht, in dem es unter anderem hieß: „Ich stehe an der Seite aller Menschen, die durch rassistischen Hass bedroht werden. Sie sind nicht allein.”

Rechtsradikale Kette der vergangenen Monate

Juliane Nagel (Die Linke), Mitglied des sächsischen Landtags, ordnete die Tat als Teil einer rechtsradikalen Kette der vergangenen Monate ein. Sie schreibt auf Twitter: "Acht Monate nach dem rechten Mord an Walter Lübcke, vier Monate nach den rechten Morden von Halle, eine Woche nach dem Stoppen einer rechtsterroristischen Gruppe, nun elf Tote in Hanau. Solidarität und praktischer Antifaschismus sind die Gebote der Stunde."

Das Mitglied des Bundestages Michael Roth (SPD) brachte die Tat mit der AfD in Verbindung und bezeichnete sie in einem Tweet als politischen Arm des Rechtsterrorismus'. "Das Milieu von Taten wie in Hanau wird ideologisch genährt von Faschisten wie Höcke. Demokratieverachtung, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus & Islamfeindlichkeit fallen auf fruchtbaren Boden", so Roth auf Twitter.

Jörg Meuthen, Bundessprecher der AfD, wehrt hingegen vehement die Verbindung zwischen dem Attentat und rechter Gesinnung ab. Er spricht von einer „politischen Instrumentalisierung”. Und weiter: " Das ist weder rechter noch linker Terror, das ist die wahnhafte Tat eines Irren." Stattdessen sollten "alle Menschen unseres Landes gemeinsam mit den Angehörigen um die Opfer trauern".

Sein Parteikollege Georg Pazderski, Vorsitzender der AfD in Berlin, geht weiter: Er schiebt die Verantwortung für das Attentat in Hanau auf die Politik Angela Merkels, und schreibt auf Twitter: „Ist das wirklich noch das 2017 von der Merkel-CDU beschworene 'Deutschland in dem wir gut und gerne leben'?”

Merkel: "Trauriger Tag für unser Land"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen und Opfern der Gewalttat von Hanau ihre tiefe Anteilnahme ausgedrückt. Dies sei ein „überaus trauriger Tag für unser Land. Der tiefe Schmerz über den gewaltsamen Tod so vieler Mitbürger, den die Menschen heute in Hanau empfinden, empfinde ich und die Menschen in ganz Deutschland“, sagte Merkel bei einem Pressestatement gegen Mittag in Berlin.

Sie hoffe, dass die große Anteilnahme in der Bevölkerung den Angehörigen ein wenig Kraft geben könne. Und sie hoffe auch, dass die Betroffenen nicht nur die körperlichen, sondern auch die seelischen Folgen überwinden könnten. Merkel sagte, seit dem frühen Morgen habe sie sich über den Stand der Ermittlungen unterrichten lassen. Und sie werde auch beim EU-Gipfel in Brüssel weiter fortlaufend informiert.

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