Besucher des NPD-Pressefestes im August 2012 in Viereck.
Besucher des NPD-Pressefestes im August 2012 in Viereck. nk
Demonstranten protestierten schon im August 2012 zwischen Pasewalk und dem benachbarten Viereck.
Demonstranten protestierten schon im August 2012 zwischen Pasewalk und dem benachbarten Viereck mit einer Menschenkette gegen das Pressefest der rechtsextremen Zeitung „Deutsche Stimme“. Stefan Sauer
Gemeinden verwirrt

Rechte Konzerte in Viereck und Finowfurt?

Nicht ganz ein Jahr ist das Pressefest der NPD bei Viereck her, da sorgt eine neue Konzertanmeldung mit hunderten Gäste für Aufregung.
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Finowfurt

Gut 1200 Einwohner zählt die Gemeinde Viereck nordöstlich von Pasewalk, am 27. Juli könnten zumindest für einige Stunden bis zu 500 Menschen dazu kommen. Es handelt sich dabei allerdings um ungebetene Gäste: Rechtsextreme aus ganz Deutschland dürften anreisen, wenn auf dem des ehemaligen Schweinestalls ein Rechtsrockkonzert mit vier Nazi-Bands stattfindet. Angemeldet hat die Veranstaltung Robert Wolinski, Kreisvorsitzender der NPD Uckermark/Barnim. Der Veltener trat bereits in der Vergangenheit mindestens einmal als Anmelder einer NPD-Demonstration in Erscheinung und engagierte sich zudem als Ordner bei Veranstaltungen des rechten Spektrums, auch in MV.

Das Kuriose an Wolinskis Anmeldung für den 27. Juli: Exakt für den gleichen Tag und unter Nennung der gleichen Bands hat er auch im brandenburgischen Finowfurt eine Veranstaltung angemeldet. Auch dort rechnet er laut Anmeldung mit mehreren hundert Besuchern.

Bestätigt wurde das durch Peggy Sylow. Sie ist Ordnungsamtsleiterin der Gemeinde Schorfheide, zu der Finowfurt gehört: „Es stimmt, Herr Wolinski hat die Veranstaltung am 2. Juli bei uns angemeldet.“ Stattfinden soll sie auf dem Grundstück von Klaus Mann, dem Brandenburger Landesvorsitzenden der Partei „Die Rechte“. Ähnlich wie der Vierecker Schweinestall diente das Privatgrundstück Rechtsextremen bereits mehrfach als Domizil ihres braunen Treibens.

Gründe für Doppelanmeldung unbekannt

Über die Gründe der Doppelanmeldung indes kann Peggy Sydow nur spekulieren: „Das ist für uns eine vollkommen neue Situation. Vielleicht will er uns nur verwirren, den Behörden doppelte Arbeit machen“, vermutet Sydow. Sicher ist nur: „Verboten ist es nicht.“

Nicht verboten, dafür aber dem extrem rechten Spektrum zuzuordnen sind die für beide Veranstaltungsorte angekündigten Bands. Sie propagieren unverhohlen die Überwindung des bestehenden demokratischen Systems in der Bundesrepublik Deutschland und beziehen sich positiv auf das Dritte Reich. So singt die auch über ein Internet-Mobilisierungsvideo angekündigte Band „Frontalkraft“ aus Cottbus in ihrem Song „Wir bekennen uns“: „Wir bekennen uns zu unserem Land, zu unserem Blut und unserer Art, auch zu dem, was vor 45 war.“

Ob diese Zeilen auch am 27. Juli in Viereck oder Finowfurt zu hören sein werden, hängt von den Ordnungsbehörden ab. Beim Landkreis Vorpommern-Greifswald befindet man sich „in der Findungsphase“, wie es Kreissprecher Achim Froitzheim ausdrückte. Auch Peggy Sydow versicherte, sämtliche Auflagemöglichkeiten vom „Landesemissionsschutzrecht über Bauordnung und Hygiene“ ausnutzen zu wollen.

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