Demonstration in Köthen

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Rechtsextreme wollen Linke und Migranten "zerfetzen"

2500 Menschen sind am Sonntag durch Köthen gezogen, weil ein 22-Jähriger nach einem Streit mit zwei Afghanen an einem Herzversagen gestorben war.
2500 Menschen sind am Sonntag durch Köthen gezogen, weil ein 22-Jähriger nach einem Streit mit zwei Afghanen an einem Herzversagen gestorben war.
Sebastian Willnow

Nach einer körperlichen Auseinandersetzung mit zwei afghanischen Männern starb ein 22-Jähriger in Köthen an einem Herzversagen. Grund genug für einen „Trauermarsch”. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Angebliche Trauer, jede Menge Thor Steinar-Shirts und ein Aufruf zum „Zerfetzen” von Linken und Migranten: Am Sonntagabend kam es in Köthen zu einer Demonstration von etwa 2500 Menschen. Hintergrund war der Tod eines 22-Jährigen in der vorherigen Nacht. Dem Tod vorausgegangen war ein Streit des Opfers mit zwei afghanischen Männern. Diese wurden mittlerweile festgenommen. Ein Richter erließ am Sonntagabend Haftbefehl gegen die Afghanen wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge.

Der Tod des 22-Jährigen resultiert nach aktuellen Erkenntnissen nicht aus den Verletzungen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau sei der Verstorbene einem Herzversagen erlegen, das nicht im direkten Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen stehe. Der Mann habe an einer kardiologischen Vorerkrankung gelitten. Auf rechten Internetseiten kam es nach der Tat zu der Behauptung, dass die 18 und 20 Jahre alten afghanischen Männer den 22-jährigen Deutschen mehrfach gegen den Kopf getreten haben sollen. Laut Polizei ist diese Aussage falsch.

„Trauernde” rufen Nazi-Parolen

Am Abend beteiligten sich dann rund 2500 Menschen an einer Kundgebung wegen des Todesfalls. Rechte Gruppierungen wie die Neonazi-Partei „Die Rechte” hatten in sozialen Netzwerken zu einem „Trauermarsch” aufgerufen. Die Anwesenden trugen Kleidung der rechten Marke Thor Steinar, Ku-Klux-Klan-Shirts oder Fankleidung von Neonazibands wie Terrorsphära. Manche Kleidungsstücke waren mit einer "88” verziert. "88” steht in rechten Kreisen für „Heil Hitler”. Immer wieder riefen die Teilnehmer rechtsradikale Parolen wie „Nationalsozialismus jetzt” oder den Wahlspruch der freien Kameradschaften „Frei, sozial und national”.

 

 

Thügida-Gründer ruft zu Gewalt auf

In Redebeiträgen von etwa fünf bis zehn Minuten äußerten sich verschiedene Teilnehmer der Versammlung am Mikrofon. Unter ihnen war auch David Köckert, ehemaliges NPD-Mitglied und Mitbegründer des thüringischen Pegida-Ablegers Thügida. Mit Reichsadler und schwarzer Sonne tätowiert stellte er sich vor die Versammelten und erklärte:

„Das einzige, was diese Scheiß-Piep-Kunden verstehen, ist, wenn man sie zu Hause stellt, wenn man vor ihren Türen auf sie wartet. Wenn sie genau das wiederbekommen, was sie uns zumuten. Und zwar Auge um Auge, Zahn um Zahn. [...]

Und wenn diese Goldstücke aus Übersee von diesen charakterlosen Marionetten eingeladen wurden, dann sollen doch diese charakterlosen Marionetten diese Goldstücke auch aufnehmen. Ich glaube nicht, dass eine von diesen Mistmaden – und so will ich sie nennen – nicht eine von diesen Mistmaden hat die Courage einen von diesen Goldstücken aufzunehmen, weil sie feige sind. [...]

Wir sind mittlerweile eine Minderheit. Aber eine Minderheit, die eine Faust hat und sich wehren wird. [...]

Liebe Freunde: In nichtmal 24 Stunden haben sich hier zigtausende Menschen und zwar, um diesem Menschen das letzte Geleit zu geben. Warum haben wir nicht den Mut und die Kraft, uns nach Berlin zu bewegen und sie zum Teufel zu jagen? [...]

Wenn wir noch einmal die Macht bekommen, dann werden diese Flitzpiepen sich im dunklen Kellerverließ wiederfinden... [Gejohle und Geklatsche / Satzende unverständlich].

Widerstand! Widerstand! Widerstand!

Ich kann nur jedem empfehlen: Wenn ihr morgen auf Arbeit geht, wenn ihr morgen in die Schule geht, wenn ihr [unverständlich] bei Verwandten seid, Eltern, dann tragt diesen Punkt mit, dann erzählt ihnen, was eigentlich hier in Ostdeutschland oder hier in diesen ganzen Gemeinden eigentlich los ist. Und zwar ist es Krieg und das kann man wirklich so sagen. Ein Rassenkrieg gegen das deutsche Volk, was hier passiert und dagegen müssen wir uns wehren. [Gejohle und Geklatsche.] Wollt Ihr weiterhin die Schafe bleiben, die blöken, oder wollt Ihr zu Wölfen werden und sie zerfetzen? Danke schön!”

Viele Anzeigen gegen Redner

Der Journalist Marcus Engert, der die Rede Köckerts festhielt, wurde am Rande der Versammlung von Demonstranten angegriffen, indem er angeschrien, geschubst und sein T-Shirt zerissen wurde. Die Polizei ermittelt mittlerweile gegen mehrere Redner auf der Versammlung wegen Volksverhetzung, unter anderem auch gegen David Köckert.

 

 

Kommentare (1)

Warum, ist er so dumm und geht dahin, jetzt ist das Geschrei groß, oder war er ein strammer Linker, sowas hat man in der DDR Armee Rotarsch genannt