Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, Inspekteur der Deutschen Marine, hat sich mit der Ukraine angelegt und musste abdanken.
Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, Inspekteur der Deutschen Marine, hat sich mit der Ukraine angelegt und musste abdanken. Bernd Wüstneck
Ukraine-Konflikt

Rostocker Admiral dankt nach Krim-Aussage ab

Weil ein ranghoher deutscher Militär sich dafür ausgesprochen hatte, Russlands Präsidenten Putin mit Respekt zu begegnen, muss er gehen. „Auf eigene Bitte”, wie es heißt.
Rostock

Dieses politische Minenfeld ist Kay-Achim Schönbach in kürzester Zeit zum Verhängnis geworden: Der in Rostock stationierte Vizeadmiral hat seinen Posten als Inspekteur der Marine geräumt, nachdem er nur einen Tag zuvor von der Ferne aus durch eine Aussage zur Krim in die verbalen Scharmützel im Ukraine-Konflikt geraten war.

„Meine in Indien gemachten unbedachten Äußerungen zu Sicherheits- und Militärpolitik lasten zunehmend auf meinem Amt”, nannte er als Grund für seinen Rückzug. „Um weiteren Schaden von der Deutschen Marine, der Bundeswehr, vor allem aber der Bundesrepublik Deutschland zu nehmen, halte ich diesen Schritt für geboten”, so Schönbach.

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Was war geschehen? Schönbach hatte am Freitag bei einem Auftritt bei einer indischen Denkfabrik für militärische Studien und Analysen in Indien mit Blick auf Putin erklärt: „Was er wirklich will, ist Respekt auf Augenhöhe. Und – mein Gott – jemandem Respekt entgegenzubringen, kostet fast nichts, kostet nichts. Also würde man mich fragen: Es ist leicht, ihm den Respekt zu geben, den er fordert – und den er vermutlich auch verdient.”

Admiral: Größte Bedrohung im Moment ist China

Er sehe die größere Bedrohung in China, sagte er. „Selbst wir, Indien, Deutschland, brauchen Russland, weil wir Russland gegen China brauchen”, so Schönbach. Zur umstrittenen Halbinsel Krim sagte er: „Die Halbinsel Krim ist weg, sie wird nicht zurückkommen.” Das Verteidigungsministerium in Berlin distanzierte sich von Schönbachs Äußerungen.

Zu Schönbachs Abdanken „auf eigene Bitte” hat nicht zuletzt die ukrainische Regierung beigetragen, die postwendend die deutsche Botschafterin Anka Feldhusen ins Außenministerium in Kiew vorlud. Einen solchen Schritt unternehmen Regierungen, wenn sie die Politik eines anderen Landes missbilligen und darauf aufmerksam machen wollen. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, sparte auch nach dem Rückzug Schönbachs nicht mit Kritik. Der Eklat hinterlasse einen Scherbenhaufen und „stelle die internationale Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit Deutschlands – nicht nur aus ukrainischer Sicht – massiv in Frage”, sagte er der Tageszeitung „Welt”.

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Seit der russischen Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim 2014 kämpfen im Osten der Ukraine von Moskau unterstützte Rebellen gegen die prowestliche Regierung in Kiew. In einem international meist nicht anerkannten Referendum hatte sich danach die Bevölkerung der Krim mehrheitlich für eine Zugehörigkeit zu Russland ausgesprochen. Derzeit verlangt Russland von Westen umfangreiche Sicherheitsgarantien und nennt als Grund dafür die Ausdehnung der Nato nach Osten nach dem Ende des Kalten Krieges. Mehr auf Seite 5

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Kommentare (1)

Wer die Wahrheit als hoher Beamter offen ausspricht, der muss gehen. Man darf sie nur denken.