„Fridays for Future”
Schüler schwänzen in MV und Brandenburg fürs Weltklima

Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg demonstriert vor dem Reichstag in Stockholm für mehr Klimaschutz mit einem Plakat „skolstrejk for klimatet” (Schulstreik für das Klima).
Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg demonstriert vor dem Reichstag in Stockholm für mehr Klimaschutz mit einem Plakat „skolstrejk for klimatet” (Schulstreik für das Klima).
Steffen Trumpf

Weltweit folgen Schüler dem Beispiel einer Schwedin und gehen freitags auf Demos für den Klimaschutz. Jetzt ist die Bewegung auch im Nordosten angekommen.

Heute wollen Schüler auch in Anklam demonstrieren, Templin macht ebenfalls schon mit beim „Friday for future“, wie sich die Protestbewegung weltweit nennt. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mittlerweile sieben Regionalgruppen der Klimastreik-Bewegung, unter anderem in Anklam, Greifswald, Stralsund, Rostock und Schwerin. Die Schüler und Studenten sind meist über Messenger wie Whatsapp, Telegram oder Facebook-Gruppenchats organisiert. In ganz Deutschland gibt es mehr als 220 Regionalgruppen.

Aber was es ebenfalls noch in Deutschland gibt: die Schulpflicht! „Und diese muss eingehalten werden“, betont Henning Lipsky, Sprecher des Bildungsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, in einem Gespräch mit dem Nordkurier. Immer? Und da relativiert Lipsky: Die Lehrer könnten entscheiden, ob das Demonstrieren als unentschuldigtes Fehlen gelte oder nicht.

Aber, so der Sprecher, man könne daraus auch Unterricht machen und der Lehrer gar mit zur Demo gehen. „Lernen am anderen Ort“ könnte den Sozialkundeunterricht bereichern. Allerdings müsse man da schauen, ob man das über Monate so deklarieren könne. Freitags einfach so Mathe, Deutsch und Co. gegen den Klimakampf zu tauschen, das gehe nicht. Analog äußerte sich der Sprecher des Bildungsministeriums von Brandenburg, Ralph Kotsch. Er betonte zudem, dass die Schulen in seinem Land verantwortungsvoll mit dem Thema umgingen.

Schulleiter findet es toll, wenn Schüler streiken

Dietmar Kittler, Leiter des Albert Einstein Gymnasiums in Neubrandenburg, vertritt da eine eigene Position. „Genau solches Beharren widerspricht doch dem Demokratiegedanken. Ich finde es gut und richtig, dass junge Leute sich für den Klimaschutz engagieren und hätte keine Problem damit, wenn meine Schüler das freitags machen würden. Wenn sie beginnen, für sich selbst zu denken und sich für so etwas Globales einsetzen, dann wäre ich der Letzte, der das verbietet.“ Bislang gab es aber solche Demos in Neubrandenburg nicht. Und es seien auch keine Schüler dafür in eine andere Stadt gefahren.

Mittendrin im Klima-Protest von Greta Thunberg waren bereits junge Leute vom Potsdamer Humboldt-Gymnasium. Wie Schulleiterin Carola Grandt auf Nachfrage sagte, gab es Freitags-Demos in Potsdam und Berlin, bei denen Schüler sich für den Klimakampf stark machten. Eine dritte Aktion sei geplant. „Wir haben eine sehr engagierte Schülerschaft und zum Thema Nachhaltigkeit beispielsweise das Aktiv-Team. Aus dieser Truppe kam die Initiative, sich für Gretas und damit auch ihre eigen Sache zu einzusetzen. Das unterstütze ich sehr“, so die Schulchefin. Schuleschwänzen sei das ganz und gar nicht. Stets freitags zu fehlen, ginge auf Dauer natürlich dennoch nicht. Doch die Schüler könnten das Klima-Thema eigenständig in den Unterricht einbringen. „Ganz wichtig ist für uns aber auch, dass die Eltern das Ganze erlauben“, so Carola Grandt.

Auch in Templin waren vor kurzem rund 60 Jugendliche, Gymnasiasten und Schüler der Aktiven Naturschule Templin mit Transparenten unterwegs. „Wir demonstrieren für unsere Zukunft“, so Gymnasiastin Ella Schmidt. „Wir machen das während der Schulzeit, weil dadurch die ganze Woche endlich mal über das Thema Klimawandel diskutiert worden ist. Diese Diskussionen werden wir nicht untergehen lassen“, kündigte Ella Schmidt weitere Initiativen an.

Kommentare (1)

...das mittlerweile erreicht wurde, macht es keinen Unterschied ob die Schüler in der Schule oder auf der Straße sind. Glaubwürdiger wäre die Jugend für mich allerdings, würde sie solche Aktionen aus eigenem Antrieb und in der Freizeit durchführen - sprich nach der Schule. Aber das wäre von der Generation Smartphone dann wohl zuviel verlangt.