KREDITE, MIETEN, MOBILFUNK-VERTRÄGE

Schufa will Einblick in Kontoauszüge

Greift die Schufa bei Krediten und anderen wichtigen Verträgen zu stark ins Leben der Menschen ein? Ja, sagt die Linke. Sie will die Auskunftei mit einem Antrag im Bundestag ausbremsen.
Die Schufa will mit einem neuen Projekt auch Einblicke in Kontoauszüge nehmen dürfen. Die Bundestagsfraktion der Lin
Die Schufa will mit einem neuen Projekt auch Einblicke in Kontoauszüge nehmen dürfen. Die Bundestagsfraktion der Linken hingegen will Auskunfteien ausbremsen. Jens Kalaene
Berlin ·

Die Schufa und andere Auskunfteien greifen nach Ansicht der Linksfraktion im Bundestag viel zu stark in das Leben der Menschen in Deutschland ein. Mit einem Antrag im Bundestag (Titel: „Schufa und anderen privaten Auskunfteien einen Riegel vorschieben“) will die Partei das ändern. Die Schufa hingegen will offenbar mit einem neuen Projekt an weitere sensible Daten gelangen: Sie will Medienberichten zufolge Kontoauszüge durchleuchten dürfen.

Mehr lesen: Stromanbieter lehnen Wechselkunden ab

„Die Praxis, dass bei Vertragsabschlüssen Bonitätsauskünfte bei Auskunfteien wie der Schufa eingeholt werden, hat sich mittlerweile auf fast alle Lebensbereiche ausgeweitet. Doch bei Mobilfunkverträgen, Energieverträgen und bei Mietverträgen gibt es keine Rechtfertigung für diese zusätzliche Absicherung durch die Unternehmen”, erklärte die Linken-Abgeordnete Żaklin Nastic. Anders als bei Krediten würden Kunden bei solchen Verträgen in Vorleistung gehen, indem sie am Monatsanfang zahlen. Im Fall von Mietverträgen werde eine Kaution hinterlegt, um Zahlungsausfälle zu kompensieren.

Mehr Transparenz für Auskunfteien gefordert

„Ohne einen positiven Bonitätscore lehnen Unternehmen Verträge ab und verhindern dadurch, dass Menschen eine Wohnung, Stromversorgung oder Kommunikationsmöglichkeiten via Telefon oder Internet erhalten oder in einen kostengünstigeren Vertrag wechseln können”, heißt es in dem Antrag der Linksfraktion. „Ein schlechter Score bedeutet regelmäßig, dass der Vertrag nicht zustande kommt und Verbraucher*innen dann keinen Mobilfunkvertrag bekommen, nicht zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln können oder dass sie keine Wohnung mieten können und schlimmstenfalls auf der Straße landen. Ihnen wird dadurch das Existenzminimum beschnitten”, sagte Nastic.

Mehr lesen: Kritik an Schufa-Eintrag nach Ende des Insolvenzverfahrens

Der Antrag wurde am Donnerstag im Bundestag debattiert. Die Linke fordert die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, um das Einholen von Bonitätsauskünften und das Verlangen von Selbstauskünften bei der Anbahnung von Verträgen mit Privatpersonen zu verbieten. Ebenfalls soll die Erstellung des Scores transparenter gestaltet werden. Gespeicherte Daten sollten nach Aufforderung spätestens nach einem Jahr gelöscht werden, fordert die Linke. Letztlich sollten Verstöße von Auskunfteien gegen solche Vorgaben mit Bußgeldern durch die Aufsichtsbehörden belegt werden. Der Antrag wurde an den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz im Bundestag überwiesen. Bei den anderen Bundestagsparteien stieß der Antrag in der Debatte auf wenig Unterstützung.

Schufa arbeitet offenbar an „Super Score”

Deutschlands größte Auskunftei mit Daten von mehr als 67 Millionen Menschen, die Schufa, will mit „Check Now” den Verbrauchen eine zweite Chance geben, denen wegen eines schlechten Scores Verträge oder Kredite verweigert werden. So jedenfalls preist die Schufa das Vorhaben auf ihrer Internet-Seite an. Die Bedingung dafür: Verbraucher müssten der Auskunftei dann erlauben, Einblick in die Kontoauszüge zu nehmen. Die Daten würden nicht gespeichert und Verbraucher müssten explizit den Auftrag zum Durchleuchten der Kontoauszüge erteilen. Dafür hat die Schufa das Unternehmen finAPI GmBH gekauft.

Lesen Sie auch: Zehntausende wollen Schufa-Bewertung entschlüsseln

Medienberichten zufolge ist aber deutlich mehr geplant. Die Schufa möchte demnach diese Daten offenbar systematisch auswerten und weiterverarbeiten, wie Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ergaben. Dadurch könnte ein „Super Score” entstehen. Mit dem Telekommunikationsanbieter Telefónica sei die Einsicht in Kontoauszüge in einem Test bereits durchgeführt worden. Ex-Bundesdatenschutzbeauftrager Peter Schaar warnte davor, dass Verbrauchern die Tragweite dieser sensiblen Eingriffe nicht klar genug vermittelt würden. Sie würden sich „wirklich nackig machen”, sagte er.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Berlin

zur Homepage

Kommentare (2)

die Bundesregierung, bzw. der Bundestag würde ein solches Bestreben verbieten, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Der Lobby und der FDP sei Dank. Wir als Verbraucher zählen nicht, nur als Datenlieferant sind wir gut.

war die Schufa schon immer.