Kommentar

Schuld an der Katastrophe war nicht der Klimawandel – sondern Starkregen!

Wer angesichts der Hochwasser-Katastrophe wieder reflexhaft mehr Klimaschutz fordert, macht es sich zu leicht und verhöhnt die Opfer, meint unser Kommentator.
Die Schuld an der Hochwasser-Katastrophe (hier ein Foto aus Erftstadt bei Köln von Samstagmorgen) lässt sich nicht e
Die Schuld an der Hochwasser-Katastrophe (hier ein Foto aus Erftstadt bei Köln von Samstagmorgen) lässt sich nicht einfach auf den Klimawandel abwälzen. SEBASTIEN BOZON / AFP
Neubrandenburg

Es ist ein bisschen, als gehe es vor allem darum, einen Schuldigen zu finden: So wie man vor ein paar hundert Jahren vielleicht im Zorn Gottes die Schuld für solche Katastrophen gesucht und vermeintlich gefunden hätte, muss jetzt der Klimawandel als Schuldiger für die Flut im Westen herhalten. Im Dreiklang von Klima-Aktivisten, öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen und zahlreichen Politikern bis hin zum Bundespräsidenten heißt es nun, durch die Hochwasser-Katastrophe sei nun ja wohl endgültig der Beweis erbracht, dass man viel entschlossener als bisher für den Klimaschutz eintreten müsse.

Der Klimawandel ist schuld an diesem Hochwasser? Naja...

Doch so einfach ist es nicht. Erstens ist der unmittelbare Zusammenhang zwischen diesem Unwetter und dem Klimawandel evidenzbasiert schlicht nicht beweisbar. Zweitens lassen sich Katastrophen wie diese ganz offensichtlich auch nicht mit Klimaschutz verhindern, sondern mit besserer Vorsorge. Und drittens ist – entgegen der landläufigen Darstellung weiter Teile der öffentlichen Meinung – weder so ganz klar, was die genauen Ursachen für den Klimawandel sind, noch wie er sich wirksam aufhalten lässt.

Fest steht: Das Land war nicht gut genug vorbereitet

Klar ist allerdings, dass Deutschland nach wie vor nicht optimal auf Ereignisse wie dieses vorbereitet ist – seien sie nun durch den Klimawandel verursacht oder nicht. In vielen Orten ist lange bekannt, dass Drainagen, Abflüsse und Schutzdeiche nicht für Extremwetterereignisse gerüstet sind – auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern. 

In den vergangenen Tagen kamen dann zu den katastrophalen Folgen des Starkregens auch noch Ausrüstungsmängel bei Freiwilligen Feuerwehren, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk hinzu. Zudem sahen die Wetterdienste die katastrophalen Ausmaße des Unwetters entweder nicht richtig voraus oder ihre Warnungen verhallten ungehört. Der öffentlich-rechtliche WDR sendete in der Unwetternacht jedenfalls stur sein geplantes Programm weiter, während zehntausende Gebührenzahler in akuter Gefahr waren.

Unwürdig, dass mancherorts noch zwei Tage später der Überblick fehlte

Und auch, dass die Mobilfunknetze an manchen Orten immer noch nicht wieder funktionieren, wirft Fragen auf. All das führte jedenfalls dazu, dass es gestern, am zweiten Tag nach der Katastrophe, immer noch Orte gab, in denen die Retter keinen Überblick darüber hatten, in wie vielen Häusern noch Menschen ausharrten und auf ihre Rettung warteten. Das ist unwürdig für ein Land wie Deutschland.

Anders als am Wetter lässt sich an diesen Problemen mit Hinblick auf künftige Katastrophen auch noch etwas ändern. Selbst wenn das vor allem für die verantwortlichen Politiker weniger bequem ist, als wohlfeile Lamentos über den Klimawandel anzustimmen.

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