Die deutsch-polnische Grenzstadt Schwedt lebt von der PCK-Raffinerie und dem russischen Öl. Die Bundesregierung will auf
Die deutsch-polnische Grenzstadt Schwedt lebt von der PCK-Raffinerie und dem russischen Öl. Die Bundesregierung will auf das russische Öl aus der Druschba-Pipeline vom kommenden Jahr an verzichten. Patrick Pleul
Öl-Pipeline zwischen PCK-Raffinerie Schwedt und Rostocker Hafen.
Öl-Pipeline zwischen PCK-Raffinerie Schwedt und Rostocker Hafen. NK-Grafik
Energie-Versorgung

Schwedts Schicksal hängt an einer Öl-Pipeline aus Rostock

Die PCK-Raffinerie Schwedt kämpft ums Überleben. Eine Öl-Leitung zur Raffinerie von der Küste an die deutsch-polnische Grenze ist wichtig – wie ist ihr Zustand?
Schwedt

Es waren zwei Aussagen, die im Anschluss an das Krisentreffen zur Zukunft der PCK-Raffinerie in Schwedt nachhallten – und Aufklärung erfordern. Zunächst hatte Michael Kellner, grüner Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und aus der Uckermark stammend, gesagt: „Mit Hochdruck arbeiten wir an der Ertüchtigung der Pipeline von Rostock nach Schwedt.“

Und Ines Jesse, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern, hatte zur gleichen Pipeline gesagt: „Das Rohöl könnte über den Hafen Rostock kommen, und zwar zu 100 Prozent. Jedoch nur, wenn die Pipeline nach Schwedt einsatzbereit ist.“

Politische Willensbekundungen zur Leitung von Rostock nach Schwedt – aber offenbar auch Zweifel, was die Leistungsfähigkeit der künftig so immens wichtigen Pipeline angeht.

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Enorm wichtig für die Kraftstoffversorgung

Zur Erinnerung: Die Bundesregierung hat sich wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine verpflichtet, auf das Öl aus der Druschba-Pipeline vom kommenden Jahr an zu verzichten. Für die Raffinerie PCK, die mehrheitlich zum russischen Staatskonzern Rosneft gehört, müssen also andere Lieferanten gefunden werden, um dort Öl verarbeiten und beispielsweise die Tankstellen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns mit Kraftstoffen versorgen zu können.

Doch wie funktionsfähig ist die Pipeline von der Ostseeküste an die deutsch-polnische Grenze wirklich? Eine Sprecherin der PCK-Raffinerie in Schwedt gab am Dienstag leichte Entwarnung und betonte auf Nordkurier-Nachfrage, dass die Leitung einsatzbereit sei und auch schon in der Vergangenheit zum Einsatz gekommen sei, wenn die Druschba mal ausgefallen sei.

„Es geht bei der angesprochenen Ertüchtigung vor allem um die Kapazitätsausweitung. Und da wollen wir in den nächsten Monaten deutliche Verbesserungen schaffen, damit zum 1. Januar 2023 eine Kapazität von 60 Prozent der bisherigen Ölmenge erreicht wird“, sagte die Sprecherin. Anschließend wolle man „im laufenden Betrieb“ über weitere Monate die Kapazitäten sukzessive hochfahren.

Öl-Pipeline zwischen PCK-Raffinerie Schwedt und Rostocker Hafen.

„So schnell wie möglich”

Das Tempo des Ausbaus werde aber auch von der Verfügbarkeit von Firmen, Fachkräften und Materialien abhängen. Ziel sei, die Kapazität „so schnell wie möglich zu steigern“. Genau dies hatte auch Michael Kellner angemahnt. „Das ist das, wo ich die höchste Ungeduld habe, wo wir am schnellsten vorankommen müssen“, machte der Staatssekretär von Minister Robert Habeck Druck.

Um die Zukunft der PCK-Raffinerie in Schwedt zu gewährleisten, wurde eigens eine sogenannte Taskforce eingesetzt. Ziel dieser Bund-Länder-Gruppe ist es, den Standort, die Versorgungssicherheit und die Arbeitsplätze zu erhalten. Es gehe aber auch um neue Beschäftigungsfelder etwa im Bereich der erneuerbaren Energien, betonte Kellner.

Parallel würden laut Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) Gespräche mit potenziellen neuen Investoren für die Raffinerie fortgesetzt. Das Energieunternehmen Alcmene oder der Biokraftstoff-Unternehmer Claus Sauter, Vorstandschef des Unternehmens Verbio, haben nach Medienberichten Interesse an der Raffinerie angemeldet. Auch das uckermärkische Unternehmen Enertrag, das Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen erzeugt, soll dazugehören.

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