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Schweizer fordern 18 Euro Mindestlohn

Das höchste Gehalt in einem Unternehmen soll nicht mehr als das Zwölffache des niedrigsten betragen. Das fordern die Jung-sozialisten in der Schweiz. Die Wirtschaftsverbände laufen Sturm dagegen, aber im Volk gibt es auch Zustimmung.
Das höchste Gehalt in einem Unternehmen soll nicht mehr als das Zwölffache des niedrigsten betragen. Das fordern die Jung-sozialisten in der Schweiz. Die Wirtschaftsverbände laufen Sturm dagegen, aber im Volk gibt es auch Zustimmung.
Thomas Burmeister

Während Deutschland darüber streitet, ob acht Euro eine angemessene Stundenvergütung sei, geht es in der Schweiz um ganz andere Dimensionen: 18 Euro verlangen die Gewerkschaften. Und zudem für Manager eine Einkommensbremse von 1:12.

 Armes Deutschland. Das denkt so mancher Schweizer angesichts der quälenden Mindestlohn-Debatten im großen Nachbarland. Acht Euro und fünfzig Cents pro Stunde? Für so wenig Geld würde zwischen Matterhorn und Bodensee kaum jemand einen Finger krumm machen. Ein menschenwürdiger Stundenlohn – so die Ansage der Schweizer Gewerkschaften – beginnt bei 22 Franken. Das sind 18 Euro. Und die Entscheidung darüber wird nicht etwa von Politikern gefällt, sondern bei einem Referendum vom Volk.

Managern die Rote Karte gezeigt

Erst im Frühjahr hatten die Schweizer weltweit für Schlagzeilen gesorgt, als sie per Volksabstimmung allzu gierigen Managern die Rote Karte zeigten: Mit deutlicher Mehrheit votierten sie für die „Abzocker-Initiative“, durch die Mitbestimmungsrechte von Kleinaktionären bei den Einkommen der Bosse gestärkt und allzu üble Gehaltsexzesse in den Chefetagen gar unter Strafe gestellt wurden.

Bis dahin galt die Schweiz als Champion marktliberalen Wirtschaftens. Inzwischen aber verbreitet in ihren Konzernzentralen das Gespenst eines Umbaus der Wirtschafts- und Arbeitswelt in Richtung staatlicher Reglementierung Angst und Schrecken. Nach dem „Abzocker“-Referendum stehen zum Thema „Gerechtigkeit in einer modernen Gesellschaft“ noch drei weitere Volksabstimmungen an.

Das höchste Gehalt soll vom niedrigsten abhängen

Für die wohl spektakulärste sind die Eidgenossen zum 24. November an die Urnen gerufen worden. Bevor sie im nächsten Jahr über einen Mindestlohn von umgerechnet 18 Euro sowie eine Erbschaftssteuer für Millionäre befinden, geht es jetzt erstmal um Ja oder Nein zur „Initiative 1:12“: Künftig soll das höchste Gehalt in einem Unternehmen nicht mehr als das Zwölffache des niedrigsten betragen dürfen. Das Monatseinkommen eines Spitzenmanagers – etwa beim Pharmariesen Roche oder bei dem weltgrößten Lebensmittelkonzern Nestlé – dürfte dann also maximal dem Jahreseinkommen eines einfachen Angestellten entsprechen.

„Wahnsinn, der Untergang der Schweiz“

Der Abstimmungskampf über diese Initiative der Schweizer Jungsozialisten ist nun voll entbrannt: „Wahnsinn, der Untergang der Schweiz“, warnt das Unternehmerlager. „Lohndiktat vom Staat? Nein“, steht auf Postern an sämtlichen Bahnhöfen. Auf anderen heißt es „Arbeitsplätze vernichten? 1:12 Nein“. Und damit wirklich jeder erkennt, welche Gefahr droht, prangen über dem „Nein“ Hammer und Sichel, als die Symbole kommunistischer Gesellschaften.

Die Befürworter von 1:12 – vor allem die Sozialdemokraten und Teile der Gewerkschaften – versuchen es mit Humor zu nehmen: Neben einem einzelnen Hamburger-Sandwich türmt sich auf einem ihrer Poster ein eindrucksvoller Stapel von zwölf ähnlich großen Bratklops-Brötchen auf. Dazu der Slogan: „12 x mehr ist genug. Gerechte Löhne schaffen.“ Erfolglos ist die Kampagne keineswegs. Noch vor einem Jahr war der Vorschlag im bürgerlichen Lager mit mitleidigem Lächeln bedacht worden. Die Jusos halt, die Träumer. Doch inzwischen halten sich bei Umfrage Befürworter und Gegner fast die Waage, denn immer noch sind viele Schweizern wütend über Millionen-Exzesse in Banken und Konzernen.