KOMMENTAR

Sind 1000 Milliarden Euro schon Klimahysterie?

An einem Tag verkündet die EU-Kommission, 1000 Milliarden Euro fürs Klima auszugeben – und „Klimahysterie” wird zum Unwort des Jahres erklärt. Nordkurier-Chefredakteur Jürgen Mladek traut sich, beide Ereignisse in Verbindung zu setzen.
Die Welt ganz dicht am Abgrund – in dieser Pose gefallen sich Klima-Aktivisten, hier eine Demo von „Fridays for Fu
Die Welt ganz dicht am Abgrund – in dieser Pose gefallen sich Klima-Aktivisten, hier eine Demo von „Fridays for Future” in Rostock. Doch wie hysterisch ist das? Bernd Wüstneck (NK-Archiv)
Neubrandenburg.

„Ist generell in der Klimadebatte zu viel Hysterie?” Das fragte vor drei Monaten der „Spiegel” den Klimaforscher Professor Hans von Storch. Er zählt zu den weltweit führenden Klimaexperten, forscht am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, leitete das Helmholtz-Zentrum für Küstenforschung in Geesthacht. Für seine Verdienste in der Klimaforschung erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Hilft es uns, den Untergang heraufzubeschwören?

Und was also antwortete dieser Mann, der zutiefst davon überzeugt ist, dass es derzeit unwiderlegbare Erkenntnisse für einen gewichtigen menschlichen Anteil am derzeitigen Klimawandel gibt? „In der Tat.”

Heute würde der Spiegel die Frage vielleicht nicht mehr stellen, denn „Klimahysterie” ist ja nach Meinung von Leuten, die keine Ahnung vom Klima haben, dafür aber umso mehr von dem, was sie für Sprachmoral halten, ein Unwort geworden, das geächtet gehört. Aber damit verschwindet die Klimahysterie (ja, das steht hier jetzt wirklich!) nicht mal einfach so. Denn die Panik der jungen Menschen ist ja real. Allerdings unberechtigt, wie Professor von Storch weiter ausführte. „So schnell wird die Menschheit schon nicht untergehen.”

Klimawandel Ja, Weltuntergang Nein

Zusammengefasst: Klimawandel ja, Weltuntergang nein. Viele Prozesse seien noch nicht verstanden, die Veränderungen liefen langsam ab, andere drängende Menschheitsprobleme dürften nicht durch die Klimadebattte überlagert werden.

Auch Professor Markus Rex, Atmosphärenforscher am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, zweifelt nicht daran, dass der menschliche CO2-Ausstoß Klima-Konsequenzen hat. Er leitet die Arktis-Mission des deutschen Forschungsschiffs Polarstern. Die Arktis, so sagt er, sei das Epizentrum für den Klimawandel. Gleichzeitig aber räumte er in einem Interview ein: „Wir haben riesige Unsicherheiten in der Klimaprognose für die Arktis.” Und: „Wir brauchen jetzt robuste wissenschaftliche Grundlagen, um die gesellschaftlichen Entscheidungen zu fällen und gut zu fällen, informiert zu fällen, auf einer Faktenbasis basiert zu fällen, die ja jetzt wirklich dringend anstehen.” Derzeit müssten die Klimamodellierer noch zu oft „raten”.

Die Wissenschaft weiß immer noch verdammt wenig

Mit anderen Worten: Die robusten wissenschaftlichen Daten gibt es noch nicht. Die soll die Expedition der „Polarstern”, die gerade erst angelaufen ist, ja gerade liefern. Aber das kann noch dauern. Was dagegen schnell geht: Mal eben ankündigen, eine Billion EU-Euro (die vorher dem Steuerzahler gehört haben) fürs Klima auszugeben. Und „Klimahysterie” zum Unwort zu erklären.

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Kommentare (1)

Die Berichte des IPCC sind wohl bekannt und auch die Empfehlungen zum Handeln. Sowohl global als auf Ebene der EU gibt es Abschätzungen zu den Folgekosten des Klimawandels. Mit ein paar Klicks im Netz sind diese leicht zu finden. Ebenso Informationen über die Ausgaben für Energieimporte (2014 importieren die EU-Staaten fossile Energie im Wert von netto über 300 Milliarden Euro.).
Die EU (an sich)-Haushaltmittel betrugen im Jahr 2017 EUR 157,9 Mrd. Bitte also alles schön in Relation setzen.