AUTORITARISMUS-STUDIE

Sind wir Deutschen wirklich so ausländerfeindlich?

Eine kürzlich veröffentlichte Studie wirft ein düsteres Bild auf Deutschland. Schaut man genauer in die Studie, zeigt sich aber, dass die Wissenschaftler es nicht so genau nahmen.
Marcel Laggai Marcel Laggai
Jeder dritte Ostdeutsche ist latent ausländerfeindlich. Das jedenfalls sagt eine Studie der Leipziger Universität. 
Jeder dritte Ostdeutsche ist latent ausländerfeindlich. Das jedenfalls sagt eine Studie der Leipziger Universität. Carsten Koall
Leipzig.

„Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“ „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man Ausländer wieder in ihr Heimatland zurückschicken.“ „Die Bundesrepublik ist durch die Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.“ Wer diesen drei Thesen zustimmt, ist laut „Leipziger Autoritarismus-Studie“ der Leipziger Universität „geschlossen manifest ausländerfeindlich eingestellt“. Die Studie sorgt aktuell für ordentlich Aufruhr und Gesprächsstoff. Denn jeder vierte Deutsche stimmt diesen drei Thesen tatsächlich zu und gilt entsprechend als ausländerfeindlich. Im Osten sieht die Situation sogar noch schlimmer aus: Dort gilt laut Studie gar jeder Dritte als ausländerfeindlich.

Ist die Situation in der Bundesrepublik tatsächlich so besorgniserregend? Die Antwort: Nicht die Studie ist das Problem, sondern vielmehr einzelne Interpretations-Faktoren, die schlussendlich das präsentierte Gesamtbild bestimmen. Die Studie hat diese Faktoren nicht grundlegend eingeordnet, weshalb diese besorgniserregenden Zahlen zustande kommen.

So erklärt sich auch die alarmierende Pressemitteilung der Forscher zur Vorstellung der Studie, die darin beklagen, dass sich die Ausländerfeindlichkeit immer stärker verbreite. Nur: Das tut sie nicht. Die Zahlen sind über die Jahre stetig gesunken, liegen auch heute noch deutlich unter den Werten von 2002, dem Jahr, in dem die Studie erstmals durchgeführt wurde. Einen Anstieg gab es nun lediglich im Vergleich zur letzten Erhebung vor der Flüchtlingskrise, also der Untersuchung aus dem Jahr 2014.

Fragen der Studie teilweise ungenau

Weiterhin sorgen einige der insgesamt 18 Fragen für Klärungsbedarf. So sind diese teilweise schwammig formuliert. Zum Beispiel sieht mehr als die Hälfte der Deutschen Probleme darin, „wenn Sinti und Roma sich in meiner Gegend aufhalten“. Konkrete Erfahrungen damit können indes nur die wenigsten Befragten haben. Wohl aber gewisse Sorgen, wenn man Medienberichte der jüngsten Zeit kennt, in denen in einigen Großstädten ganze Stadtviertel durch den starken Zuzug solcher Gruppen verwahrlosen und die verantwortlichen Bürgermeister öffentlich bekennen, große Probleme zu haben.

Wer also in der Studie auch nur mit teils-teils darauf antwortete, Probleme bei diesem Thema zu sehen, landete in der Auswertung schon bei den latent ausländerfeindlichen Deutschen. Ähnlich verhält es sich mit der Frage zur „gefährlichen Überfremdung Deutschlands durch Ausländer“. Bewohner ländlicher Regionen dürften das eigentlich nur kategorisch verneinen, da sie kaum mit Ausländern konfrontiert sind. Berichte über schwerwiegende Probleme an Brennpunktschulen in den Städten lesen aber auch sie. Und dürfen es natürlich auch für gefährlich halten, dass die Bildungspolitik durch die Herausforderungen der Flüchtlingskrise jetzt immer öfter an ihre Grenzen stößt.

Punkte der Studie schüren Ressentiments

Ähnlich verhält es sich bei der unterstellten Ausnutzung des Sozialstaats durch Ausländer. Zahlreiche Berichte über Mehrfachregistrierungen bei Flüchtlingen, die dann unberechtigt Leistungen beziehen oder kriminelle arabische Großclans in Berlin, deren Anführer Luxusautos fahren und gleichzeitig Hartz IV beziehen, lassen es fast schon naiv erscheinen, hier mit „stimme auf keinen Fall zu“ zu antworten. Und schon wächst das Lager der latenten Ausländerfeinde weiter an.

Andere Punkte der Studie schüren wiederum gewisse Ressentiments. So wollten die Initiatoren aus Leipzig wissen, ob „Juden etwas Eigentümliches an sich haben“, „der Einfluss der Juden heutzutage noch immer groß ist“ oder „sie mit üblen Tricks arbeiten“.

Knapp 10 Prozent der Befragten haben – laut Auswertung – noch immer diese kruden Vorurteile. Es ist allerdings gut möglich, dass einige Studien-Teilnehmer auch durch die ausufernde und in Teilen extrem Israel-kritische Berichterstattung zum Nahost-Konflikt zu einer teilweisen Bejahung dieser Thesen gebracht wurden, sie also gar nicht den jüdischen Menschen im Blick hatten, sondern die mediale Präsentation des Staates Israel.

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Kommentare (1)

Schönes Bild, zum Artikel.