ENERGIEWENDE

So heftig werden Preise für Benzin, Gas und Strom noch steigen

Ob Strom, Benzin oder Gas: Verbraucher müssen immer tiefer in die Tasche greifen. Ein Ende der Preissteigerungen ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.
Nebelbänke umhüllen Ölpumpen in einem Tal in Texas. Was passiert mit den Energiepreisen in Deutschland, wenn di
Nebelbänke umhüllen Ölpumpen in einem Tal in Texas. Was passiert mit den Energiepreisen in Deutschland, wenn die Nachfrage nach Öl nachlässt? Jerod Foster
Berlin ·

Die Energiepreise haben zuletzt so stark angezogen wie lange nicht mehr. Eine dreiköpfige Durchschnittsfamilie zahlte im vergangenen Monat für Tanken, Heizung und Strom 19 Prozent mehr als im August 2020. Laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox ist das auf das Jahr hochgerechnet ein Anstieg um 652 Euro, insgesamt werden im Durchschnittshaushalt jährlich 4.063 Euro allein für die grundlegende Energieversorgung fällig. „Die Kosten für Heizung, Strom und Sprit liegen aktuell auf dem höchsten Stand seit 2012”, sagt der Verivox-Energieexperte Thorsten Storck.

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Wie kommt es zu diesem drastischen Anstieg? Allein durch sogenannte „Basiseffekte” ist dies nicht zu erklären. Durch den Wegfall der Mehrwertsteuersenkung, die viele Produkte in Deutschland zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2020 vergünstigte, entsteht nun automatisch ein Preisanstieg. Aber: Die Steuersätze wurden von 19 auf 16 Prozent und von 7 auf 5 Prozent gesenkt, der durch die Mehrwertsteuer ausgelöste Basiseffekt dürfte also zwischen 2 und 3 Prozent liegen.

CO2-Preis wird immer weiter steigen

Vielmehr gibt es zwei ausschlaggebende Gründe für den starken Anstieg der Energiekosten: Erstens das Inkraftreten der CO2-Steuer im Januar 2021 und zweitens die Entwicklung des Ölpreises. Gepaart entsteht für den Geldbeutel der Bürger ein explosives Gemisch: Laut Verivox verteuerte sich das Heizen mit Öl im vergangenen Jahr um rund 53 Prozent, bei Gas waren es 15 Prozent. Mit rund 26 Prozent wurde auch das Tanken deutlich teurer. „Die Preisrallye bei den fossilen Brennstoffen heizt die Inflation an und treibt die laufenden Lebenshaltungskosten der Haushalte nach oben”, so Thorsten Storck. „Angesichts der hohen internationalen Rohstoffpreise und dem steigenden CO2-Preis wird dieser Trend mittelfristig weiter anhalten.”

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Was genau heißt „mittelfristig”? Ein Jahr, zwei Jahre? „Mittelfristig” könnte in diesem Fall sogar noch länger bedeuten: ein Jahrzehnt. Denn die Bepreisung pro Tonne CO2 ist in Deutschland gesetzlich festgelegt und steigt in den kommenden Jahren kontinuierlich an, von 25 Euro im Jahr 2021 auf 55 Euro im Jahr 2025. Ab 2026 soll sich der CO2-Preis zunächst zwischen 55 und 65 Euro einpendeln. Der erste Faktor verspricht also keine Entspannung.

„Grüne Wende” setzt Ölfirmen unter Druck

Was ist mit dem zweiten Faktor: Wird der Ölpreis langfristig nicht wieder fallen? Durch die deutsche CO2-Steuer, Klimaschutzinitiativen in anderen Ländern und globale Projekte wie die Agenda 2030 der Vereinten Nationen, die sich unter anderem auf eine ökologisch nachhaltigere Wirtschaft verständigt haben, sollte der Ölverbrauch langfristig doch zurückgedrängt werden. Immer weniger Unternehmen werden auf Öl als Energielieferanten setzen, was zu einer sinkenden Nachfrage und damit zu einem sinkenden Ölpreis führt. Oder etwa nicht?

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Prinzipiell ist das richtig. Doch die Wahrheit ist, dass dieser Prozess noch Jahrzehnte dauern wird. Die „grüne Wende” ist für Erdölunternehmen eine enorme Herausforderung. Firmen wie Shell, BP oder Total haben bereits mit dem Umbau begonnen. BP rechnet allerdings erst für das Jahr 2050 damit, klimaneutral zu sein. Bis dahin sollen neue Geschäftsfelder erschlossen und die Förderung von Erdöl und Erdgas kontinuierlich gesenkt werden – alleine in den nächsten zehn Jahren um mehr als 40 Prozent, nämlich von knapp 2,6 auf 1,5 Millionen Barrel.

Kostet Benzin bald mehr als 2 Euro pro Liter?

Doch was bedeutet das? Es bedeutet, dass auch das Angebot an Öl zurückgeht. Und da die Energieunternehmen in ihrer Umbruchphase unter starkem wirtschaftlichen Druck stehen, werden sie begrüßen, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Damit trifft eine mittelfristig stabile bis steigende Nachfrage nach Öl, die alleine durch die stark wachsenden Wirtschaften der Schwellenländer gegeben ist, auf ein sinkendes Angebot. Marktexperten sehen deshalb neben den vielen politischen Variablen, die den Ölpreis kurzfristig beeinflussen, einen Trend für die kommenden rund zehn Jahre: nämlich einen steigenden Ölpreis – und damit auch steigende Energiekosten und womöglich höhere Inflationsraten.

Viele Verbraucher begegnen dieser Aussicht mit Schrecken, weil sie an ihrer Lage nur wenig ändern können: Pendler können nicht auf das Auto verzichten, Mieter sich selbst keine neue Heizung einbauen und Familien nicht einfach weniger Strom verbrauchen. Schon jetzt rechnen Experten damit, dass die Spritpreise im kommenden Jahr um weitere 40 Cent ansteigen. Damit würde ein Liter Benzin mehr als zwei Euro kosten.

CSU und Linke für Entlastung der Bürger

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kündigte an, bei Spritpreisen von zwei Euro oder mehr einzugreifen. Wenn der Spritpreis über zwei Euro springe, müsse die Politik die Kraft haben, einzuschreiten, sagte er „Bild Live”. Das ginge über Steuersenkungen oder eine Erhöhung der Pendlerpauschale, die zuletzt auch CSU-Chef Markus Söder ins Spiel brachte.

Linken-Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch plädiert ebenfalls für eine Entlastung der Bürger: „Das große Problem bei den Spritpreisen ist, dass der Staat als Preistreiber Nummer 1 agiert. Zwei Drittel des Preises bestehen aus Steuern und Abgaben”, so Bartsch. „Wir erleben aktuell, wie Mobilität vom Grundbedarf zum Luxusgut verteuert wird.” Für den Energie-Experten Thorsten Storck gibt es hier nur einen Ausweg: „Eine Entlastung kann es nur geben, wenn der hohe Anteil an Steuern, Abgaben und Umlagen am Strompreis nach der Bundestagswahl schnell reduziert wird”.

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Kommentare (6)

die Parteien, die für das Klimapaket im letzten Jahr gestimmt haben und eifrig noch höhere Abgaben gefordert haben wollen nun eine Entlastung der Bürger? Populismus hoch 3! Am 26.9 ist Wahl, und jeder dem das oben nicht Passt hat eine Wahl! Wer seine Wahl nach den Empfehlungen der Medien ausrichtet, soll sich nicht beschweren wenn er bald nix mehr in der Geldbörse hat, ob er damit auch das Klima rettet, wird sich in 10000 Jahren feststellen lassen!

Wir bekommen doch bald alle das billige, weil umweltfreundlichere russische Erdgas.

Niemand hätte ahnen können, dass Royal Dutch und Co. doppelt abkassieren kann, dank CO2-Steuer.

Gazprom als Quellbetreiber muss den Quatsch auf diesem Weg zum Glück nicht zahlen und eine Gewinnspanne kann schonmal ein bisschen CO2-Steuer sein, wenn man einen guten Buchhalter hat.

Wieder abgezockt und noch drum gebettelt, weil man ein Souverän ist. Der Stier sieht rot, kurz darauf ist er tot.

Bei vielen Umfragen wurde bekannt gegeben, dass Bürger mehr für Energie zahlen wollen. Also, auf geht's. Atomenergie ist preiswert, aber bäh, zumindest im völlig verrückt gewordenen Deutschland.

Ob dabei auch gefragt wurde, dass die Preissteigerungen Umkontierungen von CO2-Ausgleichszahlungen zu Steuerererleichterungen beinhalten?
Sicher nicht. Das wäre praktisch ein RTL-Klimamarathon im Dauerformat. Spende sich wer kann. Die Margen müssen erstattet werden was das Zeug hält. Rettet die Wale!

die sogenannten Umweltaktivisten haben doch Lautstark nach der Energiewende geschrien und aus Angst vor Wählerverlust übertreffen sich die Parteien bei der Umsetzung und lassen sich wahrscheinlich nur durch Abwahl stoppen. Jetzt liegt die Entscheidung für oder gegen Abzocke unter dem Deckmantel Klimaschutz bei jedem selbst.

heißt es dann nur noch, der Wähler hat uns den Auftrag dazu erteilt.