Die meisten Zeitungen sind sich einig, dass Russland als großer Gewinner aus der diplomatischen Krise hervorgeht.
Die meisten Zeitungen sind sich einig, dass Russland als großer Gewinner aus der diplomatischen Krise hervorgeht. Bernd Wüstneck
Presseschau

So reagieren Deutschland und Russland auf Admiral Schönbachs Rücktritt

Der Rostocker Admiral sprach sich öffentlich dafür aus, Putin mit Respekt zu begegnen und muss dafür nun seinen Hut nehmen. Die Reaktionen der Presse sind gemischt.
Rostock

Die russische Presse hält den Rücktritt von Vize-Admiral Kay-Achim Schönbach für einen diplomatischen Skandal, die deutschen Zeitungen betrachten Schönbachs Aussagen mit gemischten Gefühlen.

Vize-Admiral: Die Krim ist für immer verloren

Was war passiert? Der in Rostock stationierte Admiral musste seinen Hut nehmen, auf „eigene Bitte hin”, wie es heißt, nachdem er einen Tag zuvor öffentlich bekannt gab, dass die von Russland annektierte Halbinsel Krim für alle Zeiten verloren sei. Daraufhin hat die ukrainische Regierung, die Anspruch auf die Krim erhebt, die deutsche Botschafterin einbestellt und ihren Ärger über solche Aussagen Luft gemacht.

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Die internationale Presse blickt auf diesen Vorfall zwiegespalten. Die deutsche Zeitung „Frankfurter Rundschau” begrüßt den Abgang des Admirals: „Er hat auch ernst zu nehmenden Bemühungen, trotz allem noch zu einer Politik des Ausgleichs mit Russland zu finden, einen üblen Bärendienst erwiesen.”

Der Autor des Textes befürchtet, dass durch die Aussagen des Admirals die Fronten zwischen den Streitparteien nur noch verhärteter werden. „Das Schlimme an einem Vorfall wie diesem ist, dass er es der wachsenden Hardliner-Front so leicht macht, den Wunsch nach Entspannung als unrealistische Fantasie zu diffamieren.”

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Die russische Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ titelte am Montag mit der Überschrift „Diplomatischer Skandal zwischen Berlin und Kiew”. Die Zeitung geht der Frage nach, was die Äußerungen des zurückgetretenen Vize-Admirals Kay-Achim Schönbach für die Verhandlungen im Ukraine-Konflikt bedeuten könnten: „Diese Situation kann die Atmosphäre der Verhandlungen im Normandie-Format beeinträchtigen.” Bis alle Parteien in der Ukraine-Krise eine Einigung erwarten dürfe werde es wohl noch ein langer Weg sein, schließt die Zeitung in ihrem Artikel.

Russland als großer Gewinner in der diplomatischen Krise

Für die „Nordwest-Zeitung” aus Oldenburg ist klar, dass Russland als großer Gewinner aus der Affäre um Vize-Admiral Schönbach hervorgeht. Sie kritisiert vor allem, dass Schönbachs Äußerungen öffentlich gemacht wurden und nicht intern im Verteidigungsministerium angesprochen wurden. So konnte es überhaupt erst zu der Krise kommen. „Lachender Dritter ist (wieder mal) Russland. Die Regierung in Moskau hat nun weitere Belege für die Schwäche des Gegners – und neuen Stoff für ihr Propaganda-Narrativ des russlandfeindlichen Westens, mit dem Russland seine aggressive Politik derzeit rechtfertigt”, steht es in der Nordwest-Zeitung.

Auch der „Südkurier” aus Konstanz sieht den großen Schaden, welchen die Äußerungen von Schönbach verursacht haben. Sie würden sich aber gut in ein Bild des zögernden Deutschlands fügen, das sich nicht für Waffenlieferung in die Ukraine starkmacht und noch immer an Nord Stream 2 festhält. Da würden die pro-russischen Aussagen eines hochrangigen Militärs nur Öl ins Feuer der diplomatischen Beziehungen zu der Ukraine gießen. " Die Botschaft: Deutschland – der unsichere Kantonist, wenn es um eine klare Haltung geht. Jetzt der rhetorische Amoklauf eines Admirals. Der Flurschaden könnte größer nicht sein.”

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