Rede über NS-Zeit
So stehen AfD-Politiker zu Gaulands "Vogelschiss"

Alexander Gauland sorgte mit seiner Rede auf dem Bundeskongress der Jungen Alternative (JA) für Deutschland für Kritik.
Alexander Gauland sorgte mit seiner Rede auf dem Bundeskongress der Jungen Alternative (JA) für Deutschland für Kritik.
Alexander Prautzsch

Für den Co-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland waren Hitler und die Nazis ein historischer Vogelschiss, wie er sagte. Eine umstrittene Äußerung, auch innerhalb der AfD.

Der AfD-Co-Vorsitzende Alexander Gauland hat den Nationalsozialismus in Deutschland als historischen „Vogelschiss“ bezeichnet und damit für heftige Debatten gesorgt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte eine Relativierung der Verbrechen der Nationalsozialisten in Deutschland scharf, ging aber nicht direkt auf Gauland ein. Das Internationale Auschwitz Komitee nannte dessen Aussage „widerlich“.

Der Neubrandenburger AfD-Abgeordnete Enrico Komning zeigte sich hingegen solidarisch: „Ich stehe zu Gauland“, schrieb er auf Facebook: „Denn er hat zwei Aussagen in Bezug auf Hitlerdeutschland gemacht – eine inhaltliche und eine zeitliche.“ Inhaltlich habe er sich zur Verantwortung der Deutschen aus dieser „unsäglichen Zeit bekannt.“ Im zeitlichen Verhältnis sei diese Zeit aber „tatsächlich verschwindend gering.“

Gauland verteidigt seine Äußerung

Die anderen Parteien reagierten entsetzt. Beispielsweise CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer schrieb auf Twitter: „50 Mio. Kriegsopfer, Holocaust und totaler Krieg für AfD und Gauland nur ein „Vogelschiss“! So sieht die Partei hinter bürgerlicher Maske aus.“

Gauland sah sich anschließend zu einer Stellungnahme genötigt. Darin verteidigte er sich und erklärte: „Ich habe den Nationalsozialismus als Fliegenschiss bezeichnet. Das ist eine der verachtungsvollsten Charakterisierungen, die die deutsche Sprache kennt. Das kann niemals eine Verhöhnung der Opfer dieses verbrecherischen Systems sein.“

Am Montag legte er noch einmal nach: „Es war nicht meine Absicht, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu batellisieren.“ Mit dem  Begriff „Vogelschiss“ habe er seine tiefste Verachtung für den Nationalsozialismus zum Ausdruck gebracht. „Vogelschiss ist und bleibt für mich der letzte Dreck, ein animalischer Auswurf, mit dem ich den Nationalsozialismus verglichen habe.“

Er müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass viele in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen hätten, so Gauland weiter. „Nichts lag mir ferner als einen solchen Eindruck entstehen zu lassen, was sich aus dem übrigen Teil der Rede auch zweifelsfrei ergibt“, betonte er. „Die entstandene Wirkung bedaure ich. Niemals war es meine Absicht, die Opfer dieses verbrecherischen Systems zu bagatellisieren oder gar zu verhöhnen.“

Alternative Mitte kritisiert Wortwahl

Gauland, der auch Fraktionschef im Bundestag ist, sagte am Sonnabend beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) im thüringischen Seebach: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Der Satz fiel nach einem Bekenntnis Gaulands zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten. „Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre“, sagte Gauland unmittelbar vorher, betonte aber: „Wir haben eine ruhmreiche Geschichte – und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre.“

Innerhalb der AfD wurde die Äußerung Gaulands hinterfragt. So sagte unter anderem der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen gegenüber „Zeit online”, die Bezeichunng Vogelschiss „ist in der Tat ausgesprochen unglücklich und die Wortwahl unangemessen”. Allerdings sei im Kontext von Gaulands Rede auch klar zu entnehmen, dass er die Greueltaten der Nazis in keiner Weise verharmlost oder relativiert habe, so Meuthen. Auch von der parteiinternen Interessengemeinschaft Alternative Mitte (AM) wurde die Wortwahl kritisiert. „Der größte Massenmörder Deutschlands, Hitler, ist beileibe kein Vogelschiss”, schrieb der AfD-Bundestagsabgeordnete Uwe Witt.