Vermieter und Mieter von Wohnungen in MV sollen künftig anteilig und unterschiedlich den Preis für den CO₂-Aussto&
Vermieter und Mieter von Wohnungen in MV sollen künftig anteilig und unterschiedlich den Preis für den CO₂-Ausstoß beim Heizen bezahlen. Bernd Wüstneck
Heizkosten

So viel sollen Mieter künftig für ihren CO₂-Ausstoß zahlen

Zu den steigenden Energiepreisen werden Mieter bei den Heizkosten künftig extra belastet. Das sollen Vermieter teilweise ausgleichen. Doch wie funktioniert das genau?
dpa
Berlin

Mieter sollen die Klimaabgabe bei den Heizkosten in den meisten Fällen künftig nicht mehr alleine zahlen. Stattdessen sollen ihre Vermieter einen Teil des sogenannten CO₂-Preises übernehmen – und zwar abhängig davon, wie klimafreundlich ihr Haus ist.

Mehr zum Thema: Vermieter sollen Teil von Klimaabgabe übernehmen

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Bauministerin Klara Geywitz (SPD) und Justizminister Marco Buschmann (FDP) einigten sich auf ein Stufenmodell. Einzig Mieter in sehr gut gedämmten Häusern sollen den Aufschlag demnach noch vollständig selbst tragen. Die Regelung soll ab 2023 gelten – und damit ein halbes Jahr später, als sich SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag vorgenommen hatten. Als nächstes gehen die Pläne ins Kabinett und dann in den Bundestag.

CO₂-Preis macht das Heizen teurer

Seit vergangenem Jahr macht der sogenannte CO₂-Preis Heizen und Tanken teurer. Die Abgabe soll helfen, den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß zu senken. In diesem Jahr liegt sie bei 30 Euro pro Tonne CO₂. Bei einem Liter Heizöl macht das nach Berechnungen der Emissionshandelsstelle 8 Cent pro Liter aus, bei Erdgas 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Bis 2025 soll der CO₂-Preis schrittweise noch deutlich weiter steigen.

Lesen Sie auch: Mieterbund sieht Vermieter bei Porto für Heizkosten-Briefe in der Pflicht

Wer die Hauptkosten des CO₂-Preises künftig trägt, ist umstritten. Wenn man alle betroffenen Gebäude betrachte, dann würden im Stufenmodell die CO2-Kosten zu 49 Prozent von den Mietern und zu 51 Prozent von den Vermietern getragen, heißt es aus dem Bauministerium. Andreas Kuhlmann, Chef der Deutschen Energie-Agentur, sagte der „Süddeutschen Zeitung”, das Modell sei eine „faire Lastenteilung zwischen Mietern und Vermietern“. Andere Fachleute schätzen dagegen, dass die Lasten ungleicher verteilt sind. Selbst in schlecht sanierten Gebäuden müsse der Mieter immer noch die Hälfte des Preises schultern, sagt Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Bisher konnten Vermieter die Zusatzkosten komplett auf ihre Mieter abwälzen – obwohl diese nur wenig Einfluss darauf haben, wenn sie wegen schlechter Dämmung oder einer alten Heizung hohe Energiekosten haben. Die Ampel-Koalition hat sich deshalb vorgenommen, dass die Vermieter beteiligt werden sollen. „Millionen Mieter werden damit gezielt entlastet“, sagte Geywitz.

Vermieter sollen mitzahlen

Das Modell basiert nun auf den CO₂-Emissionen des vermieteten Gebäudes. Das heißt, je schlechter das Haus gedämmt ist und je älter zum Beispiel die Heizung oder die Fenster sind, umso stärker werden die Mieter entlastet und die Vermieter zur Kasse gebeten.

Konkret sind zehn Stufen vorgesehen: Bei Wohnungen mit einer besonders schlechten Energiebilanz (mit einem jährlichen Ausstoß von mehr als 52 Kilogramm CO₂ pro Quadratmeter) übernehmen die Vermieter 90 Prozent und die Mieter 10 Prozent der CO2-Kosten. In den weiteren Stufen nimmt der Anteil der Vermieter ab. Ausnahmen soll es für denkmalgeschützte Gebäude oder in Milieuschutz-Gebieten geben, wo Vermieter nicht so einfach sanieren können.

In sehr effizienten Gebäuden mit dem Energiestandard EH55 müssen die Mieter die Zusatzkosten schließlich ganz allein stemmen. EH55 bedeutet, dass das Gebäude nur 55 Prozent der Energie verbraucht, die ein Standardhaus benötigt. Solche Neubauten wurden in den vergangenen Jahren staatlich gefördert und daher häufiger geplant.

Was die Aufteilung finanziell bedeutet

Der Mieterbund geht davon aus, dass ein Musterhaushalt in einer unsanierten Wohnung durch die CO₂-Abgabe Mehrkosten von jährlich bis zu 130 Euro bei Gas und 190 Euro bei Heizöl hat. Bis 2025 steigen sie demnach sogar auf 238 Euro bei Gas und 350 Euro bei Heizöl.

Nach früheren Berechnungen des Vergleichsportals Verivox könnten Mieter in einer 100-Quadratmeter-Wohnung bei Umsetzung des Stufenmodells um bis zu 122 Euro im Jahr entlastet werden – je nach Energiebilanz des Hauses. Für die meisten Mieter lägen die Entlastungen zwischen 12 und 72 Euro im Jahr.

Für Geschäfte, Bürogebäude und andere Häuser, in denen nicht gewohnt wird, soll das Stufenmodell nicht gelten. Hier sollen die Kosten hälftig aufgeteilt werden – es sei denn, Mieter und Vermieter vereinbaren es in ihrem Vertrag anders. Man setze hier stark auf die Vertragsfreiheit, betonte Buschmann. „Die Gewerbemietparteien werden im Zusammenspiel mit Verhandlungen über gegebenenfalls erforderliche Mietanpassungen daher die für sie richtigen Lösungen finden.“

zur Homepage