CORONAVIRUS

Sorge wegen Delta-Variante wächst – Intensivmediziner optimistisch

In einigen Ländern steigen die Corona-Zahlen wieder an – vor allem wohl wegen der Delta-Variante. Kommt Corona mit Wucht zurück? Politiker und Experten warnen. Doch es gibt auch verhaltenen Optimismus.
dpa
Der Impffortschritt wird wohl eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um die Frage geht, wie gefährlich eine mögli
Der Impffortschritt wird wohl eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um die Frage geht, wie gefährlich eine möglicherweise drohende vierte Corona-Welle wird (Symbolbild). Federico Gambarini
Berlin ·

Gerade fühlt sich das Leben in Deutschland schon fast wieder normal an, da stört das Corona-Gespenst Delta die sommerliche Euphorie. Die ansteckendere Variante gewinnt auch hierzulande an Bedeutung, eine mögliche vierte Welle wird dadurch wahrscheinlicher. Ob sie tatsächlich kommt und wie schlimm sie wird, ist allerdings kaum vorherzusagen.

„Ich bin mittlerweile so weit, dass ich sage, wir sind hier jetzt im Rennen in Deutschland mit der Delta-Variante”, sagte der Berliner Virologe Christian Drosten am Freitagabend auf dem Online-Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin. „Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen.”

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte, die zuerst in Indien bekannt gewordene Variante werde in drei bis vier Wochen in Deutschland dominierend sein. Und Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte „t-online”: „Die Delta-Variante ist eine ernstzunehmende Gefahr für die deutsche Wirtschaft.”

Corona-Lage entspannt sich

Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) für die erste Juniwoche hat sich der Anteil der Delta-Variante (B.1.617.2) in Deutschland innerhalb von nur einer Woche auf sechs Prozent fast verdoppelt. Das RKI geht davon aus, dass Infektionen mit der Delta-Variante zu schwereren Krankheitsverläufen führen könnten.

Gleichzeitig entspannt sich die Corona-Lage weiter. Die Zahl der Coronapatienten auf Intensivstation fiel am Wochenende erstmals seit Oktober unter 1000, das RKI gab die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag mit 8,8 an (Vortag: 9,3; Vorwoche: 17,3; Vormonat: 68,0). Mittlerweile reißt keine Stadt und kein Landkreis mehr die Inzidenzmarke von 50. Die Sorge ist, dass die Zahlen wieder steigen könnten, wenn die ansteckendere Delta-Variante dominierend wird.

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Rückkehr zu Kontaktbeschränkungen

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schloss wegen der Sorgen um die Delta-Variante eine Rückkehr zu Kontaktbeschränkungen nicht aus.

„Ich rechne damit, dass die Delta-Variante in einem Monat auch in Deutschland die vorherrschende Variante ist”, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). Dann stelle sich die Frage: „Wie wirkt welches Vakzin auf sie?” Man könne auch nicht ausschließen, das Menschen infiziert aus dem Sommerurlaub zurückkehren. Von den Antworten auf diese Fragen hänge ab, „ob wir eine vierte Welle bekommen und wieder zu Kontaktbeschränkungen zurückkehren. Ausschließen können wir das nicht”.

Spahn: Lockern ohne Übermut

Nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht es in der derzeitigen Pandemie-Phase auch mit Blick auf die Delta-Variante darum, die richtige Balance zu finden. „Wir können jetzt lockern”, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin”. Die Stimmung dürfe aber nicht zu Übermut führen. „Also: Zuversicht für den Sommer, aber eben auch Vorsicht vor allem dann auch Richtung Herbst und Winter.”

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Mit Blick auf Kinder und Jugendliche sagte Spahn: „Unser Ziel sollte sein, so viel Normalität wie möglich nach den Ferien auch für die Schulen, aber eben auch so viel Sicherheit wie möglich.” Eine Möglichkeit dabei seien Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren. „Wir können bis Ende August, jedem über 12-Jährigen, der geimpft werden will, mindestens die erste Impfung angeboten haben.” Für alle Nicht-Geimpften brauche es auch weiterhin mindestens regelmäßiges Testen.

Weniger Patienten auf Intensivstationen bei vierter Welle?

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Christian Karagiannidis, rechnet in einer möglichen vierten Corona-Welle mit weniger Patienten auf den Intensivstationen. „Wir werden, wenn es im Herbst zu einem Wiederanstieg der Infektionszahlen kommt, sehr genau auf die Neuaufnahmen auf den Intensivstationen schauen müssen. Wenn die vulnerablen Gruppen bis dahin sehr gut geimpft sind, könnte es auch bei höheren Inzidenzen viel weniger schwere Verläufe geben”, sagte er der „Rheinischen Post” (Montag).

Bisher seien die Intensiv-Neuaufnahmen weitestgehend parallel zu den Inzidenzen verlaufen. Wenn die vulnerablen Gruppen sehr gut geimpft seien, könne es im Sommer erstmals zu einem abweichenden Verhalten kommen. Die Inzidenzen würden dann stärker steigen als die Intensiv-Aufnahmen, weil die potenziellen Patienten durch Impfung besser geschützt seien.

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Aus Fehlern lernen

Oppositionspolitiker forderten von der Bundesregierung einen konkreten Fahrplan, wie der Delta-Variante begegnet werden soll. „Das Politikversagen, das wir im letzten Jahr durch fehlende Luftfilter in Schulen, volle Busse und Bahnen und viel zu wenig Schutz am Arbeitsplatz erleben mussten, darf sich nicht wiederholen”, sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Amira Mohamed Ali, der „Welt”. „Die Bundesregierung muss endlich aus ihren Fehlern lernen und die Strukturen schaffen, um einen guten Herbst und Winter zu ermöglichen.”

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte der Zeitung: „Die Bundesregierung darf den Sommer nicht verschlafen und muss Deutschland jetzt für den Herbst vorbereiten.” Man befinde sich in einem Wettlauf zwischen Impftempo und neuen Mutationen. „Es ist daher wichtig, vorerst an Masken in Innenräumen und Schnelltests festhalten.”

Risiken im Reiseverkehr

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Michael Theurer verwies auf Risiken im Reiseverkehr. „Letztes Jahr hat das Reiserückkehrmanagement komplett versagt.” Davon sei eine Infektionswelle ausgelöst worden. Von einem erneuten Lockdown hält die FDP nichts. „Die Politik muss raus aus der Lockdown-Logik”, so Theurer. Die AfD warnte vor einem weiteren Eingriff in Freiheitsrechte. „Die Bürger haben ein Recht darauf, ihre bürgerlichen Freiheiten wieder in Anspruch zu nehmen und Zug um Zug zur Normalität zurückzukehren”, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sebastian Münzenmaier der „Welt”.

Auch der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes forderte eine gute Vorbereitung auf eine mögliche vierte Corona-Welle. „Keiner weiß, ob und in welchem Umfang es eine vierte Welle geben wird. Aber wenn sie kommt, sollten wir darauf gut vorbereitet sein: Es ist sehr wichtig, dass die Gesundheitsämter jetzt zügig zusätzliches Fachpersonal erhalten”, sagte die Vorsitzende Ute Teichert der „Rheinischen Post” (Montag).

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Auslaufen der Verordnung zum Homeoffice

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte unterdessen das Auslaufen der Homeoffice-Pflicht. „Die Homeoffice-Regelungen hätten verlängert werden müssen”, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). „Noch sind wir nicht durch mit der Pandemie, und es ist erwiesen, dass das Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen deutlich höher ist.”

Erleichtert zeigte sich dagegen die Bundesvereinigung der Arbeitgeber. „Die deutsche Wirtschaft begrüßt das Auslaufen der Verordnung zum Homeoffice, da dieser bürokratische Aktionismus ein überflüssiges Einmischen der Politik war”, sagte Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter den Funke-Zeitungen.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung aus mehreren Meldungen der dpa.

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Kommentare (2)

Man kann es nicht mehr hören, die letzte Welle ist gerade vorbei, da werden die Menschen schon wieder auf die nächste Welle vorbereitet, für die Politiker soll es augenscheinlich immer so weitergehen. Der Skandal und Betrug um die Intensivbetten ist noch nicht aufgearbeitet, da geht es schon wieder in die selbe Richtung. Der letzte Lockdown basierte auf die falschen Zahlen aus den Kliniken und Tests mit sehr hoher Fehlerquote, aber egal, es regiert sich so doch viel besser und wer pleite geht, der hat eben Pech gehabt, was kümmert das der Politik, ihr Einkommen ist sicher.

mit Ansage.
Allerdings hatte ich die Verkündigung der nächsten Welle erst für die Zeit gleich nach den Wahlen erwartet.
Nun waren Lauterbach, Wieler und Co. doch schneller.
Und dann folgt sicher irgendwann noch Epsilon usw.
Neue Vorschriften, wieder neue alte Verbote, Sperren, Repressalien und vor allem der komplette wirtschaftliche und finanzielle Ruin des Landes.
Wir fliegen zum Mars und zum Mond (was wollen wir da eigentlich?),wir tauchen in die Ozeane und kriechen der Erde in Bauch. Wir verspargeln und vermüllen das Meer.
Wir sind die Größten, haben auf alles eine Antwort (leider meistens die falsche) und kriegen doch kaum etwas ordentlich gebacken.
Und trotzdem sind unsere Leuchten in Berlin und anderswo immer die Größten - jedenfalls mit dem Mundwerk.
Lernt endlich, dass das Leben immer und zu allen Zeiten Risiken in sich barg - vom ersten Tag an - und dass es trotzdem immer weiter ging, weitergehen musste!
Und schickt um Gottes und dieser Welt willen bei der nächsten Wahl endlich die ganzen laschen Merkelianer, Wielers, Drostens, Lauterbachs und Baerenböcke in die Wüste.
Man kanns nimmer hören...