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Hass-Attacke im Fernsehen

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SPD-Mann nennt AfDler "rechtsradikale Arschlöcher"

Johannes Kahrs (1953) sitzt seit 19 Jahren im Bundestag und ist einer der drei Sprecher des konservativen "Seeheimer Kreises" in der SPD.
Johannes Kahrs (1953) sitzt seit 19 Jahren im Bundestag und ist einer der drei Sprecher des konservativen „Seeheimer Kreises” in der SPD.
Rainer Jensen (Archiv)

Eigentlich ging es um die Frage, was die SPD in diesem Wahlkampf falsch gemacht hat – doch dann holte der SPD-Politiker doch lieber zu einem verbalen Frontalangriff aus.

Die AfD ist offenbar mit ihren Zielen durchgedrungen – nicht nur bei jenen Bürgern, der die rechtspopulistische Partei am Sonntag mit 12,6 Prozent ins Parlament wählten. Sondern auch bei der SPD oder zumindest bei Johannes Kahrs, durchaus kein kleines Licht in der Partei.

Der Sozialdemokrat scheint Alice Weidel in ihrer Forderung folgen zu wollen, die „politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte” zu werfen: In einem TV-Interview bezeichnete er die neue AfD-Fraktion als „einen Haufen rechtsradikaler Arschlöcher.” Als der Moderator ihn daraufhin sichtlich konsterniert auf seine Wortwahl hinwies und sich davon distanzierte, nahm Kahrs demonstrativ keinen Abstand von seinen Worten.

Die Szene ist bei Youtube zu sehen:

Die Ausfälle von Kahrs reihen sich ein in eine Debatte, die in den vergangenen Tagen in vielen Medien und Fernsehsendungen geführt wurde: Nämlich wie der angemessene Umgang mit der 94 Abgeordnete starken AfD-Fraktion im Bundestag ist. Der AfD wird bekanntlich vorgeworfen, sie verkürze politische Sachverhalte auf unzulängliche Weise, treibe die sprachliche Verrohung voran und dulde Rechtsextreme in ihren Reihen. Über die Tatsache, dass man der Partei jedoch besser nicht mit denselben Verhaltensweisen gegenübertritt, die man ihr allenthalben vorwirft, hätte man allerdings Einigkeit vermutet.

In der SPD wurde öffentlich allerdings so gut wie keine Kritik an Kahrs' Tweet laut. Manche Kommunalpolitiker äußerten sich sogar anerkennend, etwa der nordrhein-westfälische SPD-Mann Dietmar Danz. Kahrs habe klare Kante gezeigt: „Richtig so!”

Kahrs hatte AfDler schon mal als „Arschlöcher” bezeichnet

Im Falle von Johannes Kahrs ist es allerdings nicht das erste Mal, dass er in einer Auseinandersetzung mit der AfD eine unrühmliche Rolle einnimmt. AfD-Fraktionsvize und -Spitzenkandidat Alexander Gauland hatte, als er vor einigen Wochen in die Kritik geriet, weil er die SPD-Integrationsministerin Aydan Özoguz „nach Anatolien entsorgen” wollte, auf Kahrs verwiesen. Dieser hatte bereits 2013 erklärt, es wollten doch schließlich alle „die Merkel entsorgen und besser regieren.”

In derselben Affäre hatte Kahrs übrigens über Gauland getwittert: „dieser gauland ist ein mieser, dreckiger hetzer. solche arschlöcher braucht niemand.”

Auch SPDler aus MV hetzen gegen AfD

Auch in Mecklenburg-Vorpommern tun sich die Sozialdemokraten schwer mit dem Einzug der Rechtspopulisten in den Bundestag. Ein Greifswalder Juso-Mitglied hatte vor Kurzem sogar zu Gewalt gegen die neuen AfD-Abgeordneten aufgerufen, auch wenn er dies im Nachhinein als Satire verstanden wissen wollte. Die Schweriner Landtagspräsidentin Silvia Bretschneider (SPD), die in Neubrandenburg lebt, hatte am Wahlabend ebenfalls ihre Anwiderung über das Wahlergebnis kundgetan. „Furchtbar” und "Ätzend” twitterte sie, als am Sonntagabend die Ergebnisse der AfD bekannt wurden.

Am Folgetag verkündete sie, eine Reihe vermeintlich rechtsextremer Follower blockiert zu haben: „Warum soll man sich die Meinungen von Nazi-Fans antun”?

Kommentar von Gabriel Kords: Genau so geht es nicht!

Es ist verständlich, dass Politiker von CDU, SPD, Grünen, Linken und FDP keine rechte Lust haben, sich mit den „Neuen” von der AfD auseinanderzusetzen – Veränderungen sind schließlich häufig lästig. Einzig: Sie müssen es trotzdem tun. Denn der Souverän hat die AfD nicht ohne Grund ins Parlament gewählt.

Obwohl Umfragen zeigen, dass auch viele AfD-Wähler sich schwer damit tun, dass diese Partei sich nicht klar genug von Rechtsaußen abgrenzt, waren 12,6 Prozent aller Wähler der Meinung, die AfD repräsentiere ihre Interessen am besten. Wer sich mit diesen Repräsentanten nicht auseinandersetzen will, stößt einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung vor den Kopf. Das schließt die entstandenen Gräben in der Gesellschaft nicht, es vertieft sie.

Noch schlimmer, als der AfD mit Ignoranz zu begegnen, ist allerdings, ihre Fehler zu kopieren: Weite Teile der AfD-Politiker pflegen eine von Verächtlichkeit und Herablassung geprägte sprachliche Unkultur. Von dieser müssen sich alle wehr- und wahrhaften Demokraten als erstes abgrenzen! Und deswegen sollte Johannes Kahrs um Entschuldigung für seine Wortwahl bitten.