Wahl zur Parteivorsitzenden

SPD torpediert Bewerbung von Außenseiterin

Nächsten Monat wollen die Sozialdemokraten eine neue Parteichefin wählen. Neben Andrea Nahles hat sich auch die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange um den Posten beworben. Beim Parteivorstand scheint das nicht gut anzukommen.
Carsten Korfmacher Carsten Korfmacher
Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD)
Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) Christian Charisius
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SMS
Neubrandenburg.

Der Bundesvorstand der SPD will der neben Andrea Nahles einzigen Kandidatin um den Posten der Parteichefin erst einen Tag vor der Wahl die Möglichkeit geben, sich persönlich vorzustellen. Dies geht aus einem offenen Brief an den Parteivorstand hervor, den die Mitbewerberin Simone Lange, Oberbürgermeisterin der Stadt Flensburg, am Donnerstag veröffentlichte. In dem Brief heißt es: „Nach Einreichen meiner Bewerbungsunterlagen habe ich den Bundesvorstand um eine persönliche Vorstellung gebeten, um meine Beweggründe darzulegen und meine Ziele vorzustellen. Diese Möglichkeit gibt mir der Bundesvorstand leider erst am 21. April in Wiesbaden.”

Der Sonderparteitag, auf dem der nächste SPD-Bundesvorsitzende gewählt werden soll, findet am 22. April in Wiesbaden statt. Rund 600 Delegierte einschließlich des 45-köpfigen Parteivorstandes sind zur Wahl aufgerufen. Mit einer persönlichen Vorstellung nur einen Tag vorher dürfte es der Kandidatin schlicht unmöglich sein, den Vorstand rechtzeitig von sich zu überzeugen. „Das ist ein unfairer Wettkampf”, sagte deshalb auch Nikolas Jähring von der Flensburger SPD dem Nordkurier am Donnerstag.

Jähring arbeitet als Pressesprecher für Simone Lange und begleitet sie derzeit auf ihren Wahlkampf-Touren quer durch die Republik. Es wäre angebracht gewesen, so Jähring, wenn der Parteivorstand Lange von selbst aus eingeladen hätte. Dies sei nicht geschehen. Auch habe sich Andrea Nahles nie persönlich mit Simone Lange in Verbindung gesetzt oder zu der Wahl um den Parteivorstand geäußert. „Außer einer kurzen SMS kam da nie was”, sagte Jähring.

Lange kann sich mit Verhalten des Bundesvorstandes nicht identifizieren

Die 41-jährige Simone Lange wuchs im thüringischen Rudolstadt südlich von Jena auf und arbeitete rund 13 Jahre als Sachbearbeiterin bei der Kriminalpolizei in Flensburg. 2003 trat sie in die SPD ein und bekleidete seitdem eine Reihe von kommunalpolitischen Ämtern. 2012 zog sie in den Landtag von Schleswig-Holstein ein.

SPD-Bundesvorsitzende wolle sie werden, weil sie sich „mit dem Verhalten des Bundesvorstandes zuletzt nicht mehr identifizieren” habe können, sagte Lange. Die zweifache Mutter hatte zuletzt immer wieder die in ihren Augen basisfernen, parteiinternen Entscheidungsprozesse kritisiert und die Selbstverständlichkeit bemängelt, mit der die Parteispitze Andrea Nahles an Parteistatuten vorbei als Nachfolgerin von Martin Schulz installieren wollte.

Die Bundes-SPD sieht keine Gefahr, dass die Parteibasis die Entscheidung des Vorstandes als weiteren Beweis für die größer werdende Kluft zwischen Basis und Parteiführung aufnehmen könnte. „Da nicht auszuschließen ist, dass sich noch weitere Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz melden und alle die gleiche Chance haben sollen, sich im Parteivorstand vorzustellen, ist dies für den Vorabend des Parteitages geplant”, sagte eine Sprecherin dem Nordkurier am Donnerstag.

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