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Sperrstunde in der Hauptstadt – Berlin verschärft Corona-Regeln

Um die Corona-Lage in der Hauptstadt in den Griff zu bekommen, hat der dortige Senat zu drastischen Mitteln gegriffen.
In Berlin steigen die Corona-Zahlen deutlich an – die Behörden sehen die Schuld dafür bei privaten Feiern und
In Berlin steigen die Corona-Zahlen deutlich an – die Behörden sehen die Schuld dafür bei privaten Feiern und wollen denen einen Riegel vorschieben. Annette Riedl
Berlin ·

Wegen des starken Anstiegs der Corona-Infektionen gelten in Berlin bald eine nächtliche Sperrstunde und strengere Kontaktverbote für drinnen und draußen: Die meisten Geschäfte sowie alle Restaurants und Bars müssen von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr schließen. Das beschloss der Senat am Dienstag. Ausnahmen sind demnach etwa für Apotheken oder Tankstellen geplant, letztere dürfen in der Nacht aber keinen Alkohol mehr verkaufen. In MV dürfen Gaststätten seit rund drei Monaten wieder bis 2 Uhr in der Nacht öffnen. Hier hatte es vergangene Woche auch einen Ansteig der Infektionszahlen gegeben. Die Zahl der positiven Corona-Tests am Dienstag deutet aber daraufhin, dass es sich dabei nur um einen kurzzeitigen Ausreißer gehandelt hat.

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Kontaktverbote wieder verschärft

Im Freien dürfen sich von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr nur noch fünf Personen oder Menschen aus zwei Haushalten versammeln, wie der Senat weiter beschloss. An privaten Feiern in geschlossenen Räumen dürfen nur noch maximal 10 statt bisher 25 Personen teilnehmen. Die Maßnahmen zielen vor allem auf private Feiern und illegale Partys, die die Berliner Behörden als Treiber des Infektionsgeschehens sehen. Sie sollen ab Samstag gelten – und sind zunächst bis 31. Oktober befristet.

Kommen bald wieder Reiseverbote?

Nach dem Anstieg der Infektionszahlen – insbesondere in Berlin-Mitte – war in den vergangenen Tagen auch über Einreiseverbote in andere Bundesländer spekuliert worden. Die Landesregierung in MV hatte derartige Vorschläge am Montag noch zurückgewiesen. Bereits seit vergangenem Samstag gelten in Berlin neue Beschränkungen, die der Senat in der Vorwoche beschlossen hatte: Private Feiern im Freien mit mehr als 50 Teilnehmern sind seitdem verboten. In geschlossenen Räumen gilt eine Obergrenze von 25 Teilnehmern. Neu ist auch eine Maskenpflicht in Bürogebäuden.

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Trotz dieser Beschlüsse war Berlin wegen des raschen Anstiegs der Infektionszahlen weiter unter Druck geraten. Mehrfach forderten Vertreter der Bundesregierung öffentlich, die Stadt möge mehr zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und zur Durchsetzung der Regeln tun, zuletzt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Corona-Ampel für einige Bereiche der Stadt auf rot

Unterdessen zeigt das Berliner Ampelsystem zur Bewertung der Corona-Lage dem Senat zum ersten Mal Handlungsbedarf an. Die Zahl der Neuinfektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl in den vergangenen sieben Tagen und die Reproduktionszahl liegen inzwischen über den als kritisch definierten Grenzwerten. Das geht aus dem Online-Lagebericht der Gesundheitsverwaltung vom Dienstag hervor. Damit steht die Ampel nun auf Doppel-Rot. Für diesen Fall hatte der Senat vereinbart, dass die Umsetzung von Maßnahmen erforderlich wird.

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Die Corona-Ampel berücksichtigt drei Indikatoren: die Reproduktionszahl (kurz R-Wert), die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen und die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten. Für jedes Kriterium wurden Grenzwerte definiert. Werden diese mindestens drei Mal in Folge überschritten, wechselt die entsprechende Ampelfarbe auf Gelb oder Rot.

Auf Rot gesprungen ist die Ampel nun auch bei der Reproduktionszahl – mit einem Wert von 1,26. Das bedeutet, dass ein Infizierter mehr als einen anderen Menschen ansteckt. Um die Pandemie zu bremsen, müsste der Wert kleiner als 1 sein. Bei den Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen wird inzwischen ein Wert von 44,2 erreicht – und liegt damit nur noch knapp unter der als kritisch eingestuften Schwelle von 50. In den Innenstadtbezirken sind die Werte deutlich höher als am Stadtrand, insbesondere Neukölln sticht mit 87,3 heraus. Das Ampelsystem war im Mai in der Hauptstadt eingeführt worden.

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Kommentare (2)

Weil irgendwo wer verkümmerte Virusteilchen ohne Infektionsgefahr mit sich trägt, dreht die moderne und hoffentlich aufgeklärte Gesellschaft durch. Vorneweg Virologen und Epidemiologen, die es besser wissen, aber nicht intervenieren bzw. Bundesverdienstkreuz abholen. Derweil Politiker bereits von einer neuen, transformatorischen Welt mit Verbotsorgien träumen.

Mal wieder der Beweis wenn Dürre im Denkzentrum herrscht, kommt nix sinnvolles zusammen.
Die steigenden Zahlen in Berlin sind vor allem der Quatschdenker-Aufmärsche zu verdanken.
Da marschierten Virenschleudern, die man eigentlich zum Schutz der Allgemeinheit isolieren müsste.