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"Staats-Redakteurin" beleidigt Österreichs Bundeskanzler

Der Stein des Anstoßes: eine Bemerkung über den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, abgesendet über das offizielle Twitterkonto der "Tagesthemen".
Der Stein des Anstoßes: eine Bemerkung über den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, abgesendet über das offizielle Twitterkonto der „Tagesthemen”.
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Nazi-Vergleiche sind nicht die feine englische Art. Das hielt die in Oxford geborene Chefin des WDR nicht davon ab, Österreichs Kanzler Sebastian Kurz zu beschimpfen.

Die Chefredakteurin des Westdeutschen Rundfunks, Sonia Mikich, hat durch eine Bemerkung über den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. In einem am Sonntag geschriebenen Tweet, den sie über das offizielle Profil der „Tagesthemen” veröffentlichte, bezeichnete sie den Staatschef als „Pimpf”. „Warum sieht der da vorne wie ein Pimpf aus”, fragte die Journalistin, bezogen auf eine Fotomontage, die den Bundeskanzler neben einer maskierten Person zeigt, die demonstrativ ein Schnellfeuergewehr in die Kamera hält.

Bei dem maskierten Mann soll es sich um den den Vizekanzler des Alpenlandes, Heinz-Christian Strache, Vorsitzender der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), handeln, Regierungspartner der ÖVP von Kurz. Diese Information geht auf eine Recherche der Süddeutschen Zeitung zurück, die im Oktober veröffentlicht wurde und die neonazistische Vergangenheit des heutigen Vizebundeskanzlers Österreichs aufdeckt. In diesem Kontext veröffentlichte die Zeitung auch das Foto, das den maskierten Strache bei einer Wehrsportübung in Kärnten zeigen soll. Im Anschluss an die Veröffentlichung kursierten im Internet immer wieder Montagen dieses Fotos, unter anderem auch das, das Strache gemeinsam mit dem neuen Kanzler Sebastian Kurz zeigt. Und das Mikich zu jener abfälligen Bemerkung hinreißen ließ.

„Pimpf” – keine alltägliche Bezeichnung

Als „Pimpfe” wurden in der Vergangenheit umgangssprachlich Mitglieder der Hitlerjugend bezeichnet. Genau genommen war „Pimpf” ein Dienstgrad für die 10- bis 14-jährigen Mitglieder des Deutschen Jungvolkes, das zur Hitlerjugend gehörte. Zwar hat der Begriff es in die moderne Alltagssprache geschafft und meint dort häufig einen kleinen Jungen, der aufgrund seiner fehlenden Reife noch keine Erfahrungen vorzuweisen hat.

Und so braute sich ein Sturm der Entrüstung zusammen, der zu wütenden Kommentaren auf der Twitter-Seite der Tagesthemen führte und später auch in der österreichischen Presse, vom rechten Wochenblick bis hin zum linksliberalen Standard, Anklang fand.

Österreichische Presse schießt zurück

Der Wochenblick, eine rechte österreichische Boulevardzeitung, titelte wenig später: „Deutsche Staats-Redakteurin nennt unseren Kanzler 'Pimpf'". Viele andere Kommentatoren schossen sich ebenfalls auf die Tatsache ein, dass die Chefredakteurin eines von „Zwangsgebühren” finanzierten Senders das öffentliche Konto einer Nachrichtensendung nutzte, um ein europäisches Staatsoberhaupt öffentlich zu beleidigen. „Staatsfunk”, „rote Sonia”, „Kartellpartien”, „Staatsmedien” und „Propagandaorgan des linken Populismus” waren noch die nettesten Bezeichnungen, die sich auf der Twitter-Seite der Tagesthemen finden ließen.

Noch am selben Abend folgte eine – blutleer anmutende – Entschuldigung Sonia Mikichs. „Ironie funktioniert gar nicht. Darum tut es mir leid, wenn jemand jetzt beleidigt ist”, schrieb Mikich einige Stunden nach der Ursprungsbemerkung. Und fügt hinzu: „Kein Nazivergleich gemeint. Gleichzeitig verzeihe ich auch alle Beleidigungen gegen eigene Person, Journalismus, Merkel, Tagesthemen, die ich gelesen habe.” Wirklich eindämmen konnte Mikich den Sturm der Empörung damit nicht.