MIT WEIßER WESTE

Strasburgs braune Brüder

Hinter der bürgerlichen Fassade der Gemeinschaft „Schöneres Strasburg“ lauern Bezüge zum Rechtsextremismus.
Die NPD und ihre "Bekenner“ marschierten mit im Löcknitzer Festumzug zur 800-Jahrfeier und versuchten, ihn zu politisieren.
Die NPD und ihre "Bekenner“ marschierten mit im Löcknitzer Festumzug zur 800-Jahrfeier und versuchten, ihn zu politisieren. Rainer Marten/Archiv
Strasburg.

Geahnt hatte sie es ja schon länger, aber in dieser Deutlichkeit, das überrascht Andrea Schilling dann doch. Nazi-Verschwörungstheorien als „hochinteressante Abendlektüre“, Sklavenwitze über afrikanische Kinder oder Kritik an einer angeblichen Hetzjagd auf NSU-Terroristin Beate Zschäpe, auf seinem facebook-­Profil lässt Andre Heise wirklich nichts aus.

Warum die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Strasburg das interessiert? Neben Frank Schröder ist eben jener Andre Heise der führende Kopf hinter der 2009 gegründeten Interessengemeinschaft „Schöneres Strasburg“ (IG). Jegliche Verbindungen zu rechtsextremistischen Gedankengut lehnte die Gruppe „von Bürgern zwischen 20 und 55 Jahren“ seit jeher aber vehement ab.

„Weiß hat frei – schwarz muss arbeiten“

Wer sich aber die Mühe macht und die Spuren Heises im Internet verfolgt, bekommt einen gänzlich anderen Eindruck. Für jedermann sichtbar postet dieser da Bilder von brennenden amerikanische Flaggen oder Sprüche wie „weiss hat frei – schwarz muss arbeiten“. Ganz normale Botschaften? Wohl eher nicht.

Und auch ein Blick in die ebenfalls öffentliche Facebook-Freundesliste des 39-jährigen Strasburgers offenbart interessante Details. Nicht nur regionale NPD-Kader wie Enrico Hamisch oder Norman Runge sind dort anzutreffen. Auch bundesweit bekannte und zum weiteren Kreis der NSU-Unterstützer zählende Rechtsextremisten wie André Kapke scheint Heise zumindest dort freundschaftlich verbunden zu sein. Zur Erinnerung: Kapke verbrachte viele Jahre in unmittelbarer Nähe zu dem aktuell im NSU-Prozess auf der Anklagebank sitzenden Ralf Wohlleben, organisierte mit ihm zusammen eines der europaweit größten Neonazi-Treffen, das Fest der Völker.

Verfassungsschutz gibt ersten Anstoß

Doch zurück zu Andre Heise und seinen Strasburger Kumpanen. Diese waren, wiederum ganz öffentlich, bereits in den vergangenen Jahren wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Begonnen hatte dies mit der Erwähnung der IG im Verfassungsschutzbericht des Landes MV 2010. Dort war der Gruppe beziehungsweise einzelnen Mitgliedern „Verbindungen zu einer rechtsextremistischen Gruppierung im Raum Uecker-Randow“ bescheinigt worden. Zudem wies der Verfassungsschutz auf die Ähnlichkeit zwischen dem „Strasburger Beobachter“, einer in unregelmäßigen Abständen erscheinenden Postille der IG, sowie der NPD-gefärbten Botenreihe hin. Während die IG dies von sich wies, verstärkte eine Solidaritätserklärung des rechtsextremen Nachrichtenportals „MUPInfo“ den Eindruck der IG als rechter Tarnorganisation.

Getarnt und doch erkennbar wiederum zogen Frank Schröder und Andre Heise beim Festumzug zum 800-jährigen Jubiläum der Gemeinde Löcknitz durch den von Zuschauern gesäumten Ort. Ob zufällig oder nicht, beide paradierten breit lächelnd in Wehrmachtsuniformen. Nur wenige Meter hinter ihnen marschierten jene Rechtsextreme, die durch ihren spontanen Aufzug für jede Menge Furore sorgten. Aufregung, die auch Andrea Schilling nur zu gut kennt. Ähnlich wie in Löcknitz verhinderte ein fehlendes Problembewusstsein eine kritische Auseinandersetzung mit den Rechtsauslegern.

Deren Darstellung als „ganz normale Bürger“ hatte sich bis ins Rathaus durchgesetzt. „Es hat lange gedauert, ehe wir in der Stadtvertretung einen einheitlichen Umgang mit der Gruppe gefunden haben“, erklärt Schilling. Mittlerweile aber herrsche Konsens, dass mit Heise und Co keine gemeinsame Sache gemacht werde. „Rechtsextreme sind für uns keine Partner“, so Schilling. Auf diese Einsicht hofft sie auch bei der Bevölkerung. Zur Not hilft ein Blick in das Internet.

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