Der Zentralverband des Tankstellengewerbes kann der Idee des Finanzministers, an Tankstellen Rabatt zu gewähren, nichts a
Der Zentralverband des Tankstellengewerbes kann der Idee des Finanzministers, an Tankstellen Rabatt zu gewähren, nichts abgewinnen. Franziska Kraufmann
Spritpreise

Tankstellenverband hält gar nichts von einem Rabatt

Das wäre eine bürokratische und nicht zu finanzierende Lösung, heißt es vom Zentralverband des Tankstellengewerbes. Stattdessen favorisiert der Verband einen anderen Weg.
Neubrandenburg

Einen Tankrabatt von 20 Cent pro Liter direkt an den Tankstellen zu gewähren, ist aus Sicht des Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) der völlig falsche Weg, um für Entlastung bei den Kraftstoffpreisen zu sorgen. „Das wäre sprichwörtlich von hinten durch die Brust ins Auge geschossen”, reagiert ZTG-Geschäftsführer Jürgen Ziegner auf Überlegungen von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP). Grundsätzlich begrüßt der Verband jede Bemühung, die Kraftstoffpreise zu senken, doch ein an der Tankstelle gewährter Tankrabatt sei keine praktikable Lösung.

Vorfinanzierung sei nicht zu stemmen

„Das wäre eine hochbürokratische Maßnahme, umso mehr, wenn damit gemeint sein sollte, dass jede Tankstelle dafür auch noch die jeweiligen Tankquittungen beim Finanzamt einreichen muss”, so Ziegner weiter. Dies sei in Zeiten der Digitalisierung kaum vorstellbar.

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Viel wichtiger sei aber, dass vor allem freie Tankstellenbetreiber und mittelständische Mineralölhändler mit eigenem Tankstellennetz die damit verbundene Vorfinanzierung nicht leisten könnten. 20 Cent pro Liter seien ein Mehrfaches ihrer Kraftstoffmarge. Eine Tankstelle mit 300.000 Liter Kraftstoffabsatz pro Monat müsste binnen vier Wochen 60.000 Euro vorfinanzieren, das sei völlig unmöglich. Ohnehin würden die Betreiber derzeit darunter leiden, dass die enorm gestiegenen Einkaufspreise die Kreditlinien der Unternehmen belasteten.

Befristete Senkung der Energiesteuern gefordert

Der ZTG fordert stattdessen, Deutschland solle die Energiesteuer für Benzin und Diesel so schnell wie möglich für ein halbes Jahr auf die EU-rechtlich zulässigen Mindestsätze (36 Cent bei Benzin und 33 Cent bei Diesel) senken und die CO2-Steuer für diesen Zeitraum aussetzen. Inklusive des dann geringeren Mehrwertsteuer-Anteils würde das nach Berechnungen des Verbandes eine Entlastung an der Zapfsäule von 44 Cent bei Benzin und 28 Cent bei Diesel bedeuten.

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Es sei davon auszugehen, dass der Staat nicht im gleichen Ausmaß Einnahmen verliere. Denn die steuerliche Entlastung und damit der deutlich Rückgang der Kraftstoffpreise würde dann auch zu einem Rückgang des Tanktourismus in die Nachbarländer führen. Die Steuereinnahmen der dann im Land bleibenden bisherigen Tanktouristen „würden die Energiesteuersenkung zu einem beträchtlichen Anteil kompensieren”, heißt es vom ZTG.

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