TRUMP-ANHÄNGER

Tumulte im Kapitol in Washington

Hunderte Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump sind in das Kapitol in Washington eingedrungen. Die Lage ist unübersichtlich.
Trump-Anhänger drangen ins Kapitol ein.
Trump-Anhänger drangen ins Kapitol ein. SAUL LOEB
Die Bilder aus dem Gebäude dokumentieren tumultartige Zustände, angeblich fielen auch Schüsse.
Die Bilder aus dem Gebäude dokumentieren tumultartige Zustände, angeblich fielen auch Schüsse. SAUL LOEB
Hunderte Anhänger stürmten das Gebäude.
Hunderte Anhänger stürmten das Gebäude. John Minchillo
Die Lage war chaotisch, die Sicherheitskräfte konnten die Lage nicht unter Kontrolle halten.
Die Lage war chaotisch, die Sicherheitskräfte konnten die Lage nicht unter Kontrolle halten. John Minchillo
Washington ·

Nach dem Ansturm Hunderter Unterstützer von US-Präsident Donald Trump auf das Kapitol in Washington sind Menschen in das Parlamentsgebäude eingedrungen. Die beiden Kammern des Kongresses unterbrachen ihre Sitzungen angesichts der Lage abrupt. Laut AP wurde der Parlamentssitz abgeriegelt.

Wegen der Proteste ordnete die Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, eine Ausgangssperre an. Im Inneren des Kapitols hatten sich beide Parlamentskammern zur Bestätigung der Ergebnisse der Präsidentenwahl vom November versammelt. Die Protestierenden bahnten sich den Weg bis auf die Stufen vor das Gebäude in Washington.

Der Fernsehsender CNN zeigte Bilder von Demonstranten, die in das Gebäude eingedrungen waren. Vor dem Kapitol kam es zu Rangeleien zwischen Trump-Anhängern und Sicherheitsleuten. Fernsehbilder zeigten eine große Menge von dicht gedrängt stehenden Menschen auf den Stufen direkt vor dem Eingang des Kapitols. Zuvor war auf Bildern mehrerer US-Medien zu sehen gewesen, wie Hunderte Unterstützer des amtierenden Präsidenten nach einer Rede Trumps auf den Parlamentssitz zumarschierten. Einige lieferten sich Handgreiflichkeiten mit Einsatzkräften und versuchten, näher ans Gebäude zu kommen.

Trump hatte in seiner Rede über angeblichen Betrug bei der US-Präsidentenwahl seine Anhänger dazu aufgerufen, zum Kapitol zu ziehen, das den Senat und das Abgeordnetenhaus beherbergt. Bei seiner Rede forderte er Zehntausende anwesende Unterstützer dazu auf, sich den „Diebstahl“ der Wahl nicht gefallen zu lassen.

Der „Washington Post“ zufolge waren Angehörige von rechten Gruppen unter den Demonstranten, unter anderem Anhänger des QAnon-Verschwörungsmythos, die die Menge weiter aufstachelten. Mindestens zwei zum Parlamentskomplex gehörende Gebäude in der Nähe waren demnach evakuiert worden. Kurze Zeit später folgten Nachrichten von weiteren Attacken auf Parlamentsgebäude in anderen US-Bundesstaaten – etwa in Kansas und auch in Georgia, wo derzeit die Stimmen einer Nachwahl ausgezählt werden.

Videos aus Washington zeigten, wie eine Frau im Mob angeschossen und später auf einer Trage fortgetragen wurde. Stunden später berichtete CNN, dass die Frau gestorben ist. Auf einem anderen Video war zu sehen, wie ein Protestler im Gebäude ein Selfie mit einem Polizisten machte. Ein Nachrichtensender zitierte die Polizei mit der Angabe, es sei „mindestens ein improvisierter Sprengkörper auf dem Gelände des Kapitols gefunden worden.“ MSBNC zeigte, wie Eindringlinge ungehindert durch die liegen gebliebenen Taschen der Abgeordneten stöberten.

Trump, der diesen beispiellosen Zwischenfall erst heraufbeschworen hatte, bat kurz darauf auf Twitter darum, die Kapitol-Polizei zu unterstützen. „Sie sind wirklich auf der Seite unseres Landes. Bleibt friedlich!“, schrieb er. Kurz darauf sagte er in einer Videobotschaft zwar, dass die Anhänger „nach Hause gehen“ sollen, wiederholte dabei allerdings auch die Lüge, dass „die Wahl gestohlen“ worden sei. "Wir lieben euch, ihr seid sehr besonders", adressierte er seine Anhänger. Etwa zwei Stunden löschte Facebook das Video. Es könnte "eher zum Risiko der andauernden Gewalt beitragen als es verringern", schrieb ein Sprecher.

Das US-Repräsentantenhaus und der Senat waren am Mittwoch in Washington zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl offiziell zu bestätigen. Dies ist üblicherweise eine Formalie im Nach-Wahl-Prozedere der Vereinigten Staaten. Diverse Republikaner aus beiden Kongresskammern hatten jedoch angekündigt, Einspruch gegen die Resultate aus mehreren US-Bundesstaaten einzulegen – angetrieben durch Trumps unbelegte Betrugsbehauptungen.

Aussicht auf Erfolg hat die politische Störaktion nicht. Beide Kongresskammern müssten einem Einspruch zustimmen, was angesichts der Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus als ausgeschlossen gilt.

Der Republikaner Trump hatte die Präsidentschaftswahl Anfang November mit deutlichem Abstand gegen seinen demokratischen Herausforderer Biden verloren. Trump weigert sich aber, seine Niederlage einzugestehen. Er behauptet, er sei durch massiven Betrug um den Sieg gebracht worden. Weder Trump noch seine Anwälte legten stichhaltige Beweise dafür vor. Dutzende Klagen des Trump-Lagers wurden bislang von Gerichten abgeschmettert, auch vom Obersten US-Gericht.

Der Artikel ist am 7.01.2021 um 0:23 Uhr aktualisiert worden.

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Kommentare (1)

Tja, wenn Corona den Breiten- und Amateursport verbietet, muss eben Treppenlauf dran glauben. Im mehrstöckigen Mietshaus geht es nicht, weil zu virengefährlich.