NACH SUV-UNGLÜCK

Umwelthilfe will dicke Autos aus den Städten verbannen

Nach einem furchtbaren Unfall mit vier toten Fußgängern in Berlin fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein Städte-Verbot für SUV-Fahrzeuge. Der grüne Bezirksbürgermeister schloss sich der Forderung an, dabei gibt die Unfall-ursache noch Rätsel auf.
dpa
Der zerstörte SUV, der in Berlin einen tödlichen Unfall verursacht hatte, wird auf einen Abschleppwagen gehoben.
Der zerstörte SUV, der in Berlin einen tödlichen Unfall verursacht hatte, wird auf einen Abschleppwagen gehoben. Paul Zinken
Berlin.

Berlin. Die Ermittlungen zu den Ursachen für einen tragischen Verkehrsunfall in Berlin hatten noch nicht richtig begonnen, da gab es schon die ersten Forderungen nach Konsequenzen. Besonders schnell reagierte die Deutsche Umwelthilfe, die im Internet ein Verbot von SUVs in Städten forderte: „SUVs haben in unseren Städten nichts zu suchen! Vier Tote, darunter ein Kleinkind, sind die Bilanz eines schrecklichen Raser-Unfalls mit einem Porsche-SUV in Berlin. Und wenn es nach den Autokonzernen geht, soll mehr als jeder zweite Neuwagen ein SUV werden. Wir kämpfen dagegen an!“

Bei dem Unfall war ein Porsche Macan im Zentrum der Hauptstadt von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger tödlich verletzt, darunter einen dreijährigen Jungen. Die Polizei machte bis gestern Nachmittag noch keine näheren Angaben, wie es zu dem Unfall kommen konnte. In Betracht gezogen wird unter anderem ein medizinischer Notfall beim Fahrer, Berliner Medien spekulieren über einen Herzinfarkt am Steuer.

SUV (Sport Utility Vehicle) sind bei Autokäufern in Deutschland zunehmend beliebt, obwohl sie von Kritikern als besonders umweltschädlich bezeichnet werden. Im August fiel mehr als jeder fünfte Neuwagen in diese Kategorie. Autohersteller rechnen damit, dass künftig jeder zweite Neuwagen in dieses Segment fallen könnte.

Auch andere Verbände reagierten nur wenige Stunden nach dem Unfall mit Forderungen nach einer geänderten Verkehrspolitik. Der Lobbyverein „Fuss e.V.“ forderte generell Tempo 30 in Städten. Unterstützt wurde die Umwelthilfe-Forderung nach einem SUV-Verbot vom grünen Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Drassel. Er schrieb: „Solche panzerähnlichen Fahrzeuge gehören nicht in die Stadt. SUVs haben in unseren Städten nichts zu suchen.“ Tags darauf demonstrierten am Unfallort Berliner gegen „motorisierte Mordwerkzeuge“.

„Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart“, sagte hingegen der Unfallforscher der Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann. Mehr Einfluss als das Gewicht habe die Geschwindigkeit und die Art des Zusammenstoßes.

Der 42 Jahre alte SUV-Fahrer erlitt Kopfverletzungen und liegt im Krankenhaus. Auf eine vorsätzliche Tat deutet nach Einschätzung der Polizei nichts hin. Im Auto saßen auch ein sechs Jahre altes Mädchen und eine67 Jahre alte Frau. Sie erlitten Schocks.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach von einem schrecklichen Unfall. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und Freunden“, sagte er.

Lesen Sie den Kommentar von unserem Autoren Jürgen Mladek: Generalverdacht für die eigene „gute Sache“

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Kommentare (3)

...SUV verbieten. Da müsste die DHU eigentlich auch Traktoren und LKW verbieten. Mit diesem Vorschlag hat sie die Obergrenze für dumme Vorschläge/Forderungen überschritten.

... agiert hier aus meiner Sicht pietätlos, indem ein schrecklicher Unfall und dessen Opfer instrumentalisiert werden. Die Folgen wären mit einem anderen Fahrzeugtyp wohl kaum anders gewesen.

Radfahrer, Mopedfahrer, Autofahrer, Busfahrer, Fußgänger...