STREIT UM RITTER SPORT

Und plötzlich ist die Nuss-Schokolade einwandfrei

Die Note fünf im Zeugnis hat niemand gern. Schülern geht es da nicht anders als Herstellern von Cremes oder Fahrradhelmen, die immer wieder vor dem Urteil der Stiftung Warentest zittern. Ritter Sport kämpfte jetzt erfolgreich.
dpa
Bunt verpackte Schokoladenstückchen der Marke Ritter Sport, locken viele Käufer. Der Prozess über einen Aromastoff in einer Sorte schreckte viele Kunden. Jetzt triumphiert zunächst die Herstellerfirma.
Bunt verpackte Schokoladenstückchen der Marke Ritter Sport, locken viele Käufer. Der Prozess über einen Aromastoff in einer Sorte schreckte viele Kunden. Jetzt triumphiert zunächst die Herstellerfirma. Patrick Seeger
München.

Der Streit zwischen dem Schokoladenhersteller Ritter Sport und der Stiftung Warentest wird von vielen Firmen aufmerksam verfolgt. Auf den ersten Blick geht es zwar nur um einen winzigen Tropfen Vanillearoma in einer Nuss-Schokolade – und um die Frage, ob dieses künstlich oder chemisch ist. Dahinter aber steckt viel mehr.

Für Ritter Sport hat sich die Auseinandersetzung mit der mächtigen Verbraucherschutzorganisation erst einmal gelohnt: Das Landgericht München verbot Stiftung Warentest am Montag unter Androhung einer Strafe von 250  000 Euro die kritische Bewertung der Vollmilch-Nuss-Schokolade. Das Gericht äußerte Zweifel daran, dass der Test fair abgelaufen sei. Die Note fünf im Zeugnis wurde wegradiert.

Ein solcher Erfolg gegen die Stiftung Warentest ist aber die große Ausnahme. Seit 50 Jahren zittern die Hersteller von Kindersitzen, Sonnencremes oder Fahrradhelmen vor ihr wie die Autofahrer vor dem Tüv. Anders als beim Tüv ist das Nachbessern von Fehlern bei einem vernichtenden Urteil der Stiftung Warentest aber schwierig. Der Imageschaden bei einer schlechten Bewertung ist sofort da und bleibt lange bestehen, auch wenn das Produkt überarbeitet wird.

Stiftung Warentest zahlte noch nie Schadensersatz

Auf einen Gerichtsstreit mit der Stiftung Warentest lassen sich aber die wenigsten Firmen ein: Geht der Prozess verloren, wird die Firma erst recht durch den Kakao gezogen. Durchschnittlich ziehen nach Angaben von Stiftung Warentest nur vier bis fünf Firmen pro Jahr vor Gericht – bei 2000 getesteten Produkten ist das ziemlich wenig. „Wir mussten noch nie Schadensersatz zahlen“, betont eine Sprecherin.

Ob das so bleibt? Mit ihrem Schoko-Test einen Monat vor Weihnachten hatte Stiftung Warentest am Firmensitz von Ritter Sport in Waldenbuch für ein kleines Erdbeben gesorgt. In der Voll-Nuss-Schokolade hatten die Prüfer das Vanille-aroma Piperonal gefunden und dem Hersteller vorgeworfen, die Verbraucher in die Irre zu führen. Denn Ritter Sport wirbt seit Jahren damit, ausschließlich natürliche Aromen zu verwenden und kennzeichnet auch seine Tafeln so.

Piperonal aber werde künstlich hergestellt, urteilte Stiftung Warentest. Firmenchef Alfred Ritter wies dies mit Empörung zurück und zog vor Gericht.

Piperonal komme unter anderem in Pflanzen wie Dill vor und sei natürlich, beharrte Ritter Sport.

Angriff auf Große der Branche sei kein Zufall

Für die Süßwarenbranche war das negative Test-Urteil bereits der zweite Nackenschlag. Erst ein Jahr zuvor hatte ein Test von Adventskalendern, in denen die Prüfer Rückstände von Mineralöl bemängelten, für empfindliche Umsatzeinbußen gesorgt. Dieser Veröffentlichungszeitpunkt in der Hochkonjunktur sei sicher kein Zufall, kritisiert Hans Strohmeier, Vorstandsvorsitzender des Süßwaren-Handelsverbands Sweets Global Network. Auch dass es einen der ganz Großen traf, überrascht ihn nicht. „Gerade mit den Angriffen gegen Markenhersteller versucht sich die Stiftung Warentest zu profilieren.“

Stiftung Warentest weist diesen Vorwurf zurück. Es gehe nicht darum, mit den Skandalen den Verkauf der Testzeitschriften zu fördern, sagt die Sprecherin. Bei Ritter Sport herrscht seit dem Urteil Erleichterung. Ausgestanden ist der Streit aber noch lange nicht: Stiftung Warentest will Berufung einlegen.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Das DDR Witzbuch

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in München

zur Homepage