BAYER KANN HOFFEN

US-Behörde verbietet Glyphosat-Krebswarnung

Die amerikanische Umweltbehörde EPA ist sicher: Es gibt keine Krebsgefahr durch Glyphosat. Die Behörde hat es Firmen jetzt sogar verboten, entsprechende Warnhinweise auf Mitteln mit Glyphosat anzubringen.
Jürgen Mladek Jürgen Mladek
Hoffnung für Bayer: Glyphosat soll doch nicht krebserregend sein.
Hoffnung für Bayer: Glyphosat soll doch nicht krebserregend sein. Patrick Pleul
Uerdingen.

Unerwarteter Rückenwind für den Bayer-Konzern, der sich in den USA mit Milliarden-Forderungen von Krebspatienten konfrontiert sieht, die ihre Erkrankung auf den Einsatz von Glyphosat zurückführen. Die dortige Umweltbehörde EPA bekräftigte jetzt, dass das Pflanzenschutzmittel definitiv nicht für Krebserkrankungen verantwortlich ist. Deshalb erließ die Behörde aktuell sogar ein Verbot für Warnhinweise vor möglichen Krebsgefahren auf glyphosathaltigen Produkten.

„Verantwortungslos, unkorrekte Etikettierungen zu verlangen”

Gefordert hatte diese Warnhinweise der Bundesstaat Kalifornien, die EPA als übergeordnete Bundesbehörde kassierte jetzt diese Vorgabe. „Es ist verantwortungslos, unkorrekte Etikettierungen zu verlangen, wenn die EPA weiß, dass keine Krebsgefahr vorliegt”, sagte EPA-Chef Andrew Wheeler. Die Öffentlichkeit würde so in die Irre geführt. Sie habe ein Recht darauf, sich auf die Richtigkeit von Warnhinweisen verlassen zu können. Die Behörde will damit einer Beliebigkeit von Warnhinweisen entgegentreten, damit diese bei tatsächlichen Risiken auch ernst genommen werden.

EPA-Chef Wheeler bekräftigte in seinem Warnhinweis-Verbot die Überzeugung der Behörde, dass man nach wissenschaftlichen Kriterien und in Übereinstimmung mit anderen führenden Instituten sicher sei, dass es die behauptete Krebsgefahr nicht gebe. Eine entsprechende Einordnung durch die UN-Unterbehörde von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend” sei durch akkurate neue Studien und relevante Daten widerlegt.

Langzeitstudie schließt erhöhte Krebsgefahr aus

Dazu zählt die EPA auch eine Langzeit-Studie unter Beteiligung des Nationalen Krebs-Instituts der USA. Dabei werden seit 25 Jahren die Gesundheitsdaten von rund 50 000 Landwirten in den USA ausgewertet. Geachtet wurde dabei auch auf mögliche Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Anwendung von Glyphosat. Ergebnis: Keine erhöhten Krebsraten. Da sie noch nicht erschienen war, floss die Auswertung dieser weltweit größten Studie allerdings nicht in die Bewertung der Internationale Agentur für Krebsforschung (IRAC) ein, die mit ihrer Einschätzung Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen”, wiederum die Grundlage für die Warnhinweise auf Unkrautvernichtungsmitteln geschaffen hatte.

Wegen der anhaltenden Diskussionen um mögliche Gefahren durch Glyphosat hatte zuletzt auch das kanadische Gesundheitsministerium veranlasst, noch einmal alle Studien zum Thema Glyphosat kritisch auswerten zu lassen. 20 Wissenschaftler, die in keinerlei Beziehung zur Industrie stehen, wurden beauftragt, „jeden Stein umzudrehen”, um mögliche Risiken aufzudecken. Fazit: Kein Krebsrisiko für den Menschen.

Entfällt jetzt die Grundlage für Milliarden-Klagen?

Für den Bayer-Konzern bedeutet die EPA-Entscheidung kräftigen Rückenwind in den juristischen Auseinandersetzungen in den USA. In den höheren Instanzen, wenn Berufsrichter sich in ihren Urteilen auf entsprechende Experten-Gutachten stützen werden, dürfte diese eindeutige Positionierung der EPA den Ausschlag geben. Denn der Hauptvorwurf gegen Bayer lautet ja, dass der Konzern (beziehungsweise der von Bayer übernommene Glyphosat-Erfinder Monsanto) nicht vor einem möglichen Krebsrisiko gewarnt habe. Dass nun genau diese Warnhinweise von der EPA ausdrücklich verboten werden, entzieht den Klagen womöglich noch mehr die Grundlage als die Behörden-Feststellung, dass es gar keine Krebsgefahr gibt.

Die EPA gilt als unabhängige und unnachsichtige Behörde. Sie war es auch, die den Diesel-Skandal um Volkswagen aufgedeckt und beharrlich verfolgt hatte. Aus Deutschland gab es deshalb schon Unterstellungen, man hätte sich nur auf die Firma eingeschossen, weil sie US-Unternehmen Konkurrenz mache. Auch die Glyphosat-Klageflut, die erst nach der Übernahme des US-Konzerns Monsanto durch die deutsche Bayer AG in Gang kam, wurde von einigen Seiten damit in Verbindung gebracht, dass man sich damit an missliebiger deutscher Konkurrenz schadlos halten könne. Dass die EPA sich jetzt so klar an die Seite von Bayer stellt, dürfte solche Vorbehalte verpuffen lassen.

 

 

 

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