OSTSEE-PIPELINE

USA schießen gegen Nord Stream 2 – kein Kompromiss mit Berlin

Die USA wollen die Ostsee-Pipeline unbedingt stoppen und lehnen Kompromisse mit der Bundesregierung offenbar ab. Es geht auch um die Frage: Braucht Europa die Gaspipeline überhaupt?
dpa
Nachdem europäische Partnerfirmen von den USA mit Sanktionen bedroht wurden, hat Russland die „Fortuna” in di
Nachdem europäische Partnerfirmen von den USA mit Sanktionen bedroht wurden, hat Russland die „Fortuna” in die Ostsee geschickt, um die Arbeiten an Nord Stream 2 weiterzuführen. Jens Büttner
Lubmin ·

Die Bundesregierung hat gehofft, mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden einen etwas kompromissbereiteren Politiker gefunden zu haben, der im Streit um Nord Stream 2 gesprächsbereit ist. Daraus wird aber wohl nichts, wie ein Bericht des „Tagesspiegel” jetzt zeigt. Die US-Regierung sieht demnach keine Möglichkeit für Kompromisse oder verbundene Geschäfte, die den Widerstand der USA gegen das Projekt brechen würden. Washington sei „entschlossen, alle zur Verfügung stehenden Hebel einzusetzen, um die Fertigstellung von Nord Stream 2 zu verhindern“, heißt es in dem Bericht.

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Weiter heißt es in US-Medienberichten, dass deutsche Politiker in den Vereinigten Staaten sondieren würden, ob Zugeständnisse in Handelsfragen oder deutsche Investitionen in erneuerbare Energie in der EU und der Ukraine den Druck der USA lösen könnten. Doch auch in diesen Punkten werde die US-Regierung nicht von ihrer strengen Sanktionspolitik gegen Unternehmen abweichen, die am Bau der Ostsee-Erdgaspipeline Nord Stream 2 beteiligt sind. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte mit Biden über die US-Sanktionen sprechen.

Braucht Europa Nord Stream 2 überhaupt?

Das russisch-deutsche Projekt ist seit geraumer Zeit ein transatlantischer Zankapfel – oder eine Brücke in die grüne Zukunft. Das hängt von der Sichtweise ab, denn umstritten ist die energiewirtschaftliche Notwendigkeit der zu 95 Prozent fertiggestellten Ostsee-Gaspipeline durchaus.

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Zu einem deutlichen Urteil kommt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Wir sagen eindeutig nein”. Man brauche keine zusätzliche Infrastruktur für Erdgas. Die widerspreche vertraglich zugesicherten Klimaschutzzielen. Offenbar sei etwa die Bundesregierung nicht optimistisch genug, was deren Umsetzung angeht. Schon 2018 hieß es in einem DIW-Bericht, wegen rascher Fortschritte bei erneuerbaren Energien und Speichertechnologien etwa werde „fossiles Erdgas in der Stromwirtschaft keine Bedeutung mehr als Brückentechnologie haben”.

MV-Regierung steht klar hinter Pipelineprojekt

Anders beurteilt das die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, wo das russische Erdgas anlanden soll. Annahmen, nach denen erneuerbare Energien und Speichertechnologien Gas sehr schnell überflüssig machten, seien „sehr optimistisch”. Flexible Gaskraftwerke könnten für Energiesicherheit sorgen, wenn mit Wind und Sonne nicht ausreichend Strom erzeugt werden könne. Zudem entstünden durch Atom- und Kohleausstieg Versorgungslücken.

„Es gibt quasi zwei Gattungen von Szenarien, Referenz- und Zielszenarien”, erklärte Jens Hobohm, Leiter des Bereichs Energiewirtschaft beim Beratungsunternehmen Prognos. Erstere orientierten sich weitgehend an bisheriger Politik. Zielszenarien legten das Erreichen etwa der Klimaschutzziele zugrunde und berücksichtigten entsprechende Maßnahmen. Je nach gewähltem Szenarientyp beurteile man den Erdgasbedarf anders.

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Unter seiner Leitung veröffentlichte Prognos 2017 eine Studie im Auftrag der Nord Stream 2 AG. Um möglichst objektiv zu sein, habe man eine kurz zuvor erschienene Prognose der EU zugrunde gelegt. Man habe kein Ziel- sondern ein Referenzszenario verwendet, um auch dann Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wenn bestimmte Ziele nicht erreicht werden.

Die unbekannte Zielgröße: der Gasbedarf

„Inzwischen denkt man viel intensiver über Zielszenarien nach”, sagte Hobohm. Klimaschutzziele seien verschärft und mehr Maßnahmen zu deren Erreichung ergriffen worden. Hätte man das so vor dem Projekt schon gewusst, wäre man vermutlich zu dem Schluss gekommen, man brauche die Pipeline nicht. Man habe sich damals allerdings auf unterschiedliche Ausgänge einstellen müssen.

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Hobohm stimmt der Kritik des DIW zu, dass in der Vergangenheit die Prognosen der EU zum Gasbedarf häufig zu hoch gewesen seien. Die verwendete Prognose habe den Bedarf hingegen kurzfristig sogar unterschätzt. Von 2015 bis 2019 sei dieser gestiegen. Für die kommenden fünf Jahre rechnet Hobohm entsprechend des Szenarios mit einem weitgehend stagnierenden Gasbedarf in Europa. Danach werde er vermutlich heruntergehen – „weil dann eben die Klimaschutzpolitik auch greift”. Andererseits gehe die europäische Eigenförderung von Gas erheblich schneller zurück als in der Studie von 2017 angenommen.

So haben die Niederlande 2019 angekündigt, die Förderung in Groningen, einem der größten Erdgasfelder der Welt, Mitte 2022 zu beenden. Ursprünglich war dies für 2030 geplant.

Nord Stream 2 könnte Gaspreise drücken

Laut Simon Schulte vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität zu Köln (EWI) könnte Nord Stream 2 für niedrigere Gaspreise sorgen: „Nord Stream 2 schafft zusätzliche Importinfrastruktur und hat somit einen preisdämpfenden Effekt auf dem europäischen Gasmarkt.” Das EWI hat zusammen mit dem Beratungsunternehmen Frontier Economics im vergangenen Jahr eine Studie im Auftrag von Nord Stream 2 veröffentlicht.

Laut DIW gibt es künftig keine Deckungslücke oder eine Gefährdung der Versorgungssicherheit. Es gebe ausreichend Infrastruktur, sagte Kemfert. Zudem gebe es viele Flüssiggasterminals, die nicht ausgelastet seien. Verflüssigtes Erdgas (LNG) kann per Schiff aus weiter entfernten Ländern nach Europa transportiert werden – etwa aus den USA. Die Amerikaner begründen ihre Ablehnung des Projekts mit zu großer Abhängigkeit ihrer europäischen Partner von russischem Gas. Kritiker werfen den USA vor, nur ihr Flüssiggas in Europa besser verkaufen zu wollen.

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Hobohm sagte mit Blick auf die Versorgungssicherheit: Man könne zwar sagen, man schaffe es offensichtlich derzeit, das russische Gas auch ohne Nord Stream 2 nach Europa zu transportieren, und der Rest komme dann eben als LNG. „Aber ich würde sagen, wir würden die europäische Versorgungssicherheit erhöhen, wenn wir die Pipeline hätten.”

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Kommentare (8)

Was ist der nächste Schritt der USA, werden wir bei einem Weiterbau der Pipeline flächendeckend bombardiert oder was soll es uns sagen. Die Amis müssen eine große Angst vor zu niedrigen Gaspreisen in Europa haben, weil sie ihr Gas sonst nicht loswerden. Aber das Flüssiggas, was mit Tanker über den Teich gefahren wird, ist natürlich zu 100% ökologisch und CO2 neutral und das böse Russengas ist hingegen pures Gift für die Umwelt. Merkel ist doch eine sehr gute Freundin der Demokraten und deren Politik in den USA, aber der Schuss ist wohl nach hinten losgegangen.

Der Gründer und Vorsitzende des führenden privaten US-amerikanischen Think Tank STRATFOR (Abkürzung für Stategic Forecasting Inc.) George Friedman bestätigt am 4. Februar 2015, dass die USA seit mehr als 100 Jahren die deutsch-russische Zusammenarbeit mit allen Mitteln verhindern wollen.
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Dazu ist ihnen jedes Mittel recht, inclusive vorsätzlicher Lügen bis zum Krieg. Dieses Video (13 Minuten) unbedingt ansehen.
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STRATFOR: US-Hauptziel seit einem Jahrhundert war Bündnis Russland+Deutschland zu verhindern ==> www.youtube.com/watch?v=gcj8xN2UDKc

...braucht keine Feinde...

Kümmert euch um euer Land da habt genug zu tun.

"Weiter heißt es in US-Medienberichten, dass deutsche Politiker in den Vereinigten Staaten sondieren würden..." Auf gut Deutsch: Deutsche Politiker, die die Interessen von uns allen hier lebenden vertreten sollen, von unseren Steuergeldern leben, pilgern also wieder einmal in die U.S.A. um dort unterwürfigst zu betteln und zu kriechen! Ich finde dieses Verhalten widerwärtig und will wissen wer diese Politiker sind, welcher(n) Partei(en) sie angehören! Der NK könnte das doch herausfinden?

" Zurückschießen " zur Selbstverteidigung ist legitim! Es wird höchste Zeit das wir diese " Freundschaft " rational analysieren und ideologiefrei bewerten. Zentrale Fragestellung dabei: Erhöht die Anwesenheit der US Army in Deutschland eher unseren Schutz oder unsere Bedrohung? Und weiter: Wäre nicht ein Oligopol EU mit Russland - China - USA erstrebenswerter als nur " Beipack " in einem Duopol USA ( China + Russland ) zu sein?

wollen für teuer Geld ihr Schiefergas bei uns loswerden.
Sie sind es gewohnt, dass die Bundesregierungen aller Zeiten bisher immer gekrochen kamen, wenn der "Bündnisparter und Freund" von jenseits des Atlantik den Zeigefinger gehoben hat.
Auf solche "Freundschaft" sollten wir endlich verzichten.
Noch widerlicher ist, dass dieses Projekt mit unser aller Steuern schon fast fertiggestellt ist. Der nutzlose Bandwurm läge dann nach dem Willen unserer linksgrünen Weltenretter sinnlos in der Ostsee.
Milliarden diesmal nicht in den Sand gesetzt, sondern im Meer versenkt.
Dümmer geht's nimmer.
Und die Kosten für die Tankschifffahrt über den großen Teich kämen auf das dreckige Gas aus Amiland noch obendrauf...
Wir haben's ja.
Die EU sollte sich endlich mit Russland - und eben dann auch mit Putin - an einen Tisch setzen,ihre Vorurteile unter denselben fallen lassen und in diesem Teil der Welt zeigen, dass es auch anders geht.
Das ewige Gefasel vom "Nichteinhalten der Menschenrechte" durch Putin kann auch keiner mehr hören.
Zar Putin macht nur, was alle Regierenden überall machen:
Er behandelt "Andersdenkende" nicht als Freunde und also eben nicht besonders gut.
Meint hier einer, bei uns liefe das anders?
Putin fürchtet um seine Macht, Merkel fürchtet um die ihre und beide setzen gern alle nur möglichen Mittel ein, um ihre politischen Gegner auszuschalten. Also was?
Der Mensch bleibt seinem Wesen treu und das wird auch in hundert Jahren noch so sein.
Wenn es ihn dann noch gibt...

doch eindeutig wie die USA der Welt Ihrem Willen aufzwingen will und wer der Störenfried im zusammenleben der Völker ist. Und einige Politiker haben immer noch nicht begriffen das diese so beschworene Freundschaft einseitig ist und nur solange besteht wie sie den Interessen der Kriegstreiber dient. Die sollen endlich damit aufhören den Weltpolizisten zu spielen und wie schon in anderen Kommentaren erwähnt sich um ihren eigenen Staat kümmern da gibt es genug zu tun.