INFEKTIONSSCHUTZ

Verband der Kinderärzte wirbt für Corona-Impfung

Kindermediziner warnen vor einem neuen Lockdown an Schulen. Impfungen könnten helfen, das zu verhindern. Einer brisanten Frage gehen zwei Spitzenverbände aber aus dem Weg.
Corona-Impfungen für Kinder werden in Deutschland hitzig diskutiert. Die Spitzenverbände der Kinderärzte vermei
Corona-Impfungen für Kinder werden in Deutschland hitzig diskutiert. Die Spitzenverbände der Kinderärzte vermeiden eine Positionierung. Julian Stratenschulte
Köln ·

Fast zwei Drittel der Deutschen haben inzwischen eine Corona-Impfung erhalten. Doch für Kinder gibt es weiterhin keinen zugelassenen Impfstoff. Jugendliche können geimpft werden, die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt das allerdings nicht. Eine Entscheidung, die der Chef des Gremiums noch vor wenigen Tagen vehement verteidigte. Doch mit dem nahen Ferienende in den ersten Bundesländern wächst auch die Sorge, die strengen Corona-Maßnahmen könnten in den Unterricht zurückkehren. Bis hin zu Schulschließungen.

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Keine Empfehlung, Kinder zu impfen

In einer gemeinsamen Erklärung haben der Bundesverband der Kinder- und Jugendmediziner (BVKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin für mehr Impfungen geworben. Die beiden Verbände vermieden es allerdings explizit, ihre Impf-Aufforderung direkt auf die Kinder zu beziehen. Stattdessen nehmen sie die Erwachsenen in die Pflicht. „Während die Corona-Impfung mittlerweile nahezu jedem Erwachsenen offen steht, sind Millionen von Kindern in Deutschland auf unser Verantwortungsbewusstsein angewiesen, das Impfangebot auch wahrzunehmen”, heißt es in der Stellungnahme. Ähnlich hatte auch Stiko-Chef Professor Thomas Mertens argumentiert. Wenn es gelänge eine Impfquote von 75 Prozent oder mehr unter den Erwachsenen zu reichen, vermindere das auch unter den Kindern das Ansteckungsrisiko.

Der Chefarzt der Neubrandenburger Kinderklinik, Dr. Sven Armbrust, hatte zuletzt vor Corona-Impfungen bei Kindern gewarnt. „Ich lehne eine Impfung für Kinder ab. Die aktuelle Datenlage ist in diesem Punkt nicht belastbar – wir wissen einfach noch zu wenig über Impfauswirkungen bei Kindern und Jugendlichen”, sagte er im Gespräch mit dem Nordkurier.

Impfungen seien für Erwachsene sicher

„Die Kinder haben eine viel zu lange Zeit der Zurücksetzung hinter sich. Vieles von dem, was für uns Erwachsene zu einem erfüllten Kinderleben dazugehört, blieb ihnen vorenthalten. Kinder und Jugendliche mussten in den letzten Monaten Rücksicht auf uns nehmen und auf so vieles verzichten. Sollten wir als Gesellschaft den Kindern nicht endlich etwas zurückgeben und sie entlasten?”, schrieb Professor Jörg Drötsch, Chef der DGKJ, in einer Stellungnahme vor wenigen Tagen. Die Impfung sei für die große Mehrheit der Gesellschaft inzwischen „sicher, schnell und leicht erreichbar”.

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Lockdown für Kinder gefährlicher als Corona

Schulen seien nie ein Treiber der Pandemie gewesen, betonen die Vorstände der beiden Spitzenverbände. Kinder und Jugendliche würden nur sehr selten an Covid19 erkranken. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Folgen der Lockdown-Maßnahmen für diese Altersgruppe schwerwiegender sind als die Krankheit selbst”, so BVKJ-Chef Dr. Thomas Fischbach. Psychische Beeinträchtigungen, Bewegungsmangel und Übergewicht träten immer häufiger auf.

Auch Bildungsdefizite seien immer öfter feststellbar. Es sei wichtig, dass der Präsenzunterricht wieder stattfinden könne. „Eine wesentliche Maßnahme, unseren Kindern dies zu ermöglichen, ist die Impfung der Erwachsenen gegen das Corona-Virus”, so Fischbach. Das gelte insbesondere für alle, die im beruflichen Alltag mit Kindern zusammenkommen, aber auch für alle anderen Erwachsenen. Jede Impfung trage dazu bei, auch andere zu schützen. Das Risiko, sich und letztlich auch andere zu infizieren, werde durch die zugelassenen Impfstoffe deutlich reduziert.

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