DROSTEN-VORGÄNGER FORDERT

Vergesst die Inzidenz, nur echte Covid-Fälle zählen

Die Inzidenz sagt nichts über die tatsächliche Bedrohung durch das Coronavirus aus, heißt es in einem Appell an den Bundestag. Der Wert sei ungeeignet, über die Freiheit der Bürger zu entscheiden.
Prof. Detlev Krüger leitete das Virologische Institut der Berliner Charité fast 30 Jahre, bis 2017 sein Nachfolger
Prof. Detlev Krüger leitete das Virologische Institut der Berliner Charité fast 30 Jahre, bis 2017 sein Nachfolger Christian Drosten die Stelle übernahm.
Berlin ·

Die geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes, am Dienstag bereits vom Bundeskabinett abgenickt, soll den Inzidenzwert in Deutschland zum pauschalen Gradmesser der Corona-Gefahr machen. Liegt der Wert über 100, sollen Landkreise zukünftig Ausgangssperren und andere harte Maßnahmen verhängen MÜSSEN. Alleingänge ausgeschlossen.

Inzidenzwert in der Kritik

Haken an der Sache: Der Wert, der Alltag und Bewegungsradius von 83 Millionen Bürgern bestimmen soll, ist als Gradmesser der Gefahrenlage umstritten. Seit Monaten wird über über seine Aussagekraft diskutiert – und das nicht nur von Maßnahmen-Gegnern. In einem offenen Brief an den Deutschen Bundestag wenden sich jetzt – kurz vor der endgültigen Verankerung der Inzidenz-Notbremse im Infektionsschutzgesetz – zwei renommierte Wissenschaftler direkt an die Fraktionschefs von Union, SPD, FDP, Grünen und Linken.

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Ihr dringendes Anliegen: Der Inzidenzwert ist irreführend! Epidemiologe Klaus Stöhr (ehemals WHO-Experte) und Virologe Prof. Detlev Krüger (70) – Vorgänger von Prof. Christian Drosten an der Charité – fordern konkret, dass die Politik Corona-Maßnahmen in Zukunft nur noch an tatsächlichen Erkrankungen ausrichtet – und nicht mehr an der Anzahl ermittelter Infektionen.

Infektionen mit geringer Viruslast, das ist bekannt und unbestritten, führen regelmäßig nicht zu einer Erkrankung und bringen auch keine Ansteckungsgefahr mit sich. Bedeutet: Je mehr symptomlose Bürger gestestet werden (z.B. Schulen, Shopping, Friseur), desto mehr solcher falsch-positiven Tests fließen in den Inzidenzwert ein. Hinzu kommt eine relativ hohe Fehlerquote bei Schnelltests.

Mehr dazu: PCR-Test-Hersteller: Die Hälfte aller Corona-Positiven ist nicht ansteckend

Inzidenz sagt nichts über tatsächliche Ansteckungsgefahr aus

Die Experten appellieren an die Bundestagsfraktionen, dass ausschließlich „die Häufigkeit der Erkrankungen und ihrer jeweiligen Schwere“ über Corona-Maßnahmen entscheiden solle. Der Inzidenzwert unterliege „zunehmend schwankenden Erfassungswahrscheinlichkeiten, die völlig unabhängig vom eigentlichen Infektionsgeschehen sind.“

Weiteres Argument der Wissenschaftler: „Die im Gesetzesvorhaben vorgesehene 7-Tages-Inzidenz differenziert nicht, in welchen Altersgruppen, Lebensräumen und Bevölkerungsgruppen Infektionen auftreten. Eine gleich hohe Inzidenz kann dramatisch unterschiedliche Bedeutung haben.”

„Massive Einschränkungen der Freiheitsrechte” wegen weniger Fälle

Selbst, wenn es weniger Patienten in Krankenhäusern als bei einer Grippewelle gebe, könne es passieren, dass „massive Einschränkungen der Freiheitsrechte mit gravierenden Auswirkungen auf Wirtschaft, Kultur und die körperliche und seelische Gesundheit erfolgen müssten”.

Die Änderung am Infektionsschutzgesetz muss noch Bundestag und Bundesrat passieren. Bereits im Vorfeld des Kabinettsbeschlusses hatte es beträchtliche Bedenken gegen das geplante Notbremse-Gesetz gegeben.

Richter Jens Gnisa: „Fassungslos”

Der frühere Vorsitzende des Deutschen Richterbunds, Jens Gnisa, empörte sich über die Pläne der Bundesregierung: „Man sieht mich selten fassungslos. Aber nun ist es so weit. Der Bund schießt deutlich über alle Verhältnismäßigkeitsgrenzen hinaus." Der Direktor des Amtsgerichts Bielefeld schrieb auf Facebook, bei dem geplanten Gesetz handele es sich um einen „nicht mehr einzufangenden Dauerlockdown.”

Juristen-Netzwerk: „Durchregieren bis ins Wohnzimmer”

Das „Netzwerk Kritische Richter und Staatsanwälte“ veröffentlichte eine Stellungnahme, in der es heißt: „Der im Zentrum des Gesetzentwurfes stehende § 28b Infektionsschutzgesetz (IfSG) würde die alleinige Kompetenz für die sogenannte Corona-Notbremse – mithin die einschneidendsten Maßnahmen für rund 83 Mio. Menschen seit dem Zweiten Weltkrieg – in die Hand der Bundesregierung legen. Dieser würde ein Durchregieren bis in die Wohnzimmer der Menschen ermöglicht werden, in Abhängigkeit zudem von einem Messwert, der zunehmend in der Kritik von Juristen und Medizinern steht.“

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Wagenknecht: „Blankoscheck für die Corona-Versager”

Gegenüber dem Nordkurier fand nach dem Kabinettsbeschluss auch Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht klare Worte zu den Plänen der Bundesregierung: „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass sich die Corona-Versager der Großen Koalition nur einen quasi unbefristeten Blankoscheck ausstellen lassen wollen, um an den Parlamenten vorbei landesweit per Verordnung regieren zu können. Nach einem Jahr Herumstümpern will die Bundesregierung damit Handlungsmacht demonstrieren, um von ihren eigenen schwerwiegenden Versäumnissen bei der Impfstoffbeschaffung und der viel zu späten Teststrategie abzulenken.“ Einen Inzidenzwert von 100 pauschal zum Maßstab für derart weitreichende Grundrechtseingriffe zu machen, sei „in keiner Weise gerechtfertigt“, so Wagenknecht.

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Kommentare (37)

Institutsleiter und Richter haben Kinder und Enkelkinder. Immer mehr begreifen, was wir hier zum zweiten Mal groß werden lassen!
Danke für diesen Beitrag

die ganzen Coronagläubigen um die Ecke und erzählen,dass ist alles nur Verschwörungstheorie!

Ihr Jammerlappen dürft gerne weiter jammern

Ich hoffe mal das sein Kartenhaus bald einstürzen.

Fehlt.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Erkenntnis. Eine späte Erkenntnis nachdem man über ein Jahr alles dicht gemacht hat. Dafür würdet ihr bis vor kurzem noch als Aluhüte und Schwurbler betitelt. Selbst beim Focus (Wahrheitsmanufaktur) kam diese Aussage heute. Gestern beim NDR sagte Drosten die Schnelltests sind zu Fehlerhaft. Und genau daran bemisst man die Inzidenz. Welche Köpfe müssten jetzt rollen und welche Ausreden kommen nun wieder.

Letztes Jahr habe ich schon geschrieben, dass die Bundesregierung aus dieser Nummer nicht mehr raus kommt. Vollmundig Impfung versprochen und nun Pustekuchen. Mit Impfung keiner mehr infiziert, nun mit Impfung infiziert. Weil viele Versprechen der Bundesregierung nicht eingehalten werden, muss das Volk weiter leiden. Ich beneide die 16 Ministerpräsidenten in dieser aussichtslosen Lage nicht, welche eine völlig überforderte Bundesregierung seit einem Jahr verursacht. Man kann immer auf Bürger mit dem Finger zeigen. Macht man, wenn diese straffällig oder Terroristen sind. Aber gesunde Bürger gegen infizierte Bürger gegeneinander ausspielen, wie es sich u.a. einige NK-Leser herbeiträumen mit "einfach zu Hause bleiben" (medizinisch seit einem Jahr in vielen europäischen Ländern erfolglos praktiziert und obsolet, da Konsens, dass zu Hause die meisten Infektionen geschehen) hat mit Lösung nichts zu tun. Da fallen mir diese unsäglichen Bundesregierungs-Videos vom November 2020 ein, wo ein junger Mann auf der Couch fläzt und Pizza isst und 50 Jahre später als Eukalyptusbonbon-Opa von der Couch auf den Sessel gewechselt ist und seniles Zeug redet.

verbreiten, dass die Inzidenz an Schnelltests bemessen wird.
Das ist Unfug.

Ach so, dann ist der Jens Spahn also ein Aluhut und Schwurbler der im Herbst 2020 sagte "Wir müssen aufpassen das wir nicht zu viel testen und dadurch zu viel falsch positive haben und dadurch die Inzidenz künstlich nach oben getrieben wird". Aber vielleicht kam das ja auch bis zur Müritz noch nicht durch.

dass durch fehleranfällige Schnelltests die Inzidenz hochgetrieben wird. Das bleibt Unfug.
Wenn Sie sich 50 positive Schnelltests aus Körperöffnungen holen, macht das mit der Inzidenz nichts.
Die Inzidenz wird an Hand der PCR-Tests berechnet.

Als Altenpfleger werde ich drei mal die Woche getestet. (Schnelltest) Ist dieser Schnelltest positiv muß ich zwei Wochen in Quarantäne. Es wird nicht noch mal mit einem PCR Test nach getestet. Mein Wert wäre jetzt auch ohne PCR Test positiv. Und jetzt wollen sie mir erzählen das dieses eventuell falsch positive Ergebnis nicht in die Inzidenz zählt. OK, vielleicht reit auch meine Schulbildung nach über 40 Jahre Berufserfahrung nicht mehr aus.

dann soll ein PCR-Test gemacht werden. ZITAT Bundesgesundheitsministerium: Wer einen Selbsttest macht, der positiv ausfällt, sollte diesen aber genauso wie bei einem positiven Antigen-Schnelltest durch einen PCR-Test bestätigen lassen und sich vorsichtshalber solange zu Hause in Isolierung begeben, bis das Ergebnis vorliegt. Die AHA+L-Regeln sind weiterhin zu beachten. Positive Ergebnisse von Antigen-Schnelltests, die von geschultem Personal durchgeführt werden, sind dagegen meldepflichtig. ZITATENDE
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus/nationale-teststrategie/faq-schnelltests.html#c20759

... ist ein positiver Schnelltest kein Grund in 14-tägige Quarantäne zu gehen. Man macht nach einem positiven Schnelltest einen PCR-Test und verbleibt bis zum negativen Ergebnis in Quarantäne. Kein Gesundheitsamt - welches Quarantäne verordnen darf - erfährt von Ihrem positiven Schnelltest, weil den in Ihrem Fall nur Ihr Arbeitgeber kennt. Schnelltest-Ergebnisse an das Gesundheitsamt zu senden, landen dort unbesehen in der Mülltonne. Für mich sind Schnelltests Angst-Beschäftigung fürs Volk.

... Ruf der Wissenschaftler wird ungehört bleiben. Alles andere wäre ein Schuldeingeständnis der Politik und das können die nicht.

Aus der Nummer kommen die nicht mehr raus. Deshalb wird es weiter durchgezogen.

im Gegensatz zu Ländern, die beim Impfen schon weit sind (Israel, GB, USA) werden wir in Deutschland nicht wieder vorsichtig in die "Normalität" zurückkehren?
Oder ist dies nur Ihr Wunsch, um krude Theorien bestätigt zu sehen?

Wir kehren nicht zur Normalität zurück jedenfalls nicht mehr wie es war. In einem Jahr schreiben wir wieder.

Sind das jetzt auch Querdenker, Covidioten oder Leugner?

Warum erst jetzt?

im Gegensatz zu vielen hier... Tatsächlich sollte man mit dem Fortlauf der Impfungen den Focus auf aktuelle Erkrankungen legen. Bis jetzt verlief die Zahl von Infektionen, Erkrankungen und Todesfällen verzögert identisch. Da war die Inzidenz tatsächlich der wichtigste und realistischste Bezugspunkt.
Aktuell steigt die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle, es würde nicht viel an notwendigen Maßnahmen ändern.

besoffene Pommbär, der Kommentarfuzzi, Turboschlüpfer,pille5, der mysteriöse und wie sie alle heißen mögen hier mit ihrem Schmand aufschlagen. Dann geht's rund.

DJ - ich lach mich schlapp 😂

Vermutlich mit Bluetooth Lautsprechern für Stuhltanz im Buswartehäuschen.

🥳

Ich weiß die Pandemie macht sie irre egal das sind Kolateralschäden. Nicht ärgern. Das Leben geht auch ohne sie weiter.

sind "Kolateralschäden"?
Ich frage für einen Kollegen...

Jetzt sind sie als Narkoseschwester auch noch Lehrer ok Grammatikklaus. Pete.

Schamanns Dummschafe springen wieder über das Stöckchen, dass diese [Entfernt. Verzichten Sie auf Beleidigungen. Und wo wird Covid-19-Erkrankung von der Kollegin geleugnet? Die Red.] hinhält.
Allen voran der Rabenvater, dieser Knalla0088 und C18.

In Wirklichkeit schrubbeln Sie sich doch einen auf Frau Schamann.
Sie sind sehr fixiert auf die Dame.
Haben Sie eventuell eine schwierige Kindheit gehabt?
Wissen Ihre Eltern was sie da für einen Hetzer großgezogen haben?
Sie sollten sich schämen Sie armseelige Wurst!

dreht ja richtig durch.

Unterste Schublade Ihr Kommentar. Obszön

wieder runter,guck nachher schön Tagesschau und geh schlafen. Ach du schläfst ja schon über ein Jahr...

Frau Schamann, dass auch über andere Ein-und Ansichten, statt des ewig gleichgeschalteten Mainstreams, berichtet wird.
Respekt NK!!!

gefällt den Zeugen Coronas aber gar nicht.

Sind Sie an der inhaltlichen Auseinandersetzung interessiert oder nur auf die Kommentare fixiert?

In der BZ wurde bereits vor 1 Woche darüber berichtet und auch das mainstreamblatt Fokus hat darüber berichtet. Oder ist es nicht Mainstream? Wer legt das eigentlich nach welchen Kriterien fest?

Zum Inhalt: Es ist sinnvoll, wenn der Fokus sich auf die tatsächlich Erkrankten bezieht. Infektionsketten sollten dennoch erkannt und unterbrochen werden, um schwere Verläufe zu vermeiden.

Opfer und Angehörige werden vergessen oder durch Kommentare wie den von Onyx in den Dreck gezogen.

...und schon wieder das Thema verfehlt.

dich haben vor Corona die fast 1 Mio Menschen,die in Deutschland durch unterschiedlichste Gründe verstorben sind,auch nie interresiert,du Heuchler! Du kannst dir deine Doppelmoral sonstwo hinstecken.