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Vermisste des Taifuns über das Internet gesucht

Hilferuf per Nachricht auf einem Hausdach: Es wird dringend Essen und Wasser benötigt.
Hilferuf per Nachricht auf einem Hausdach: Es wird dringend Essen und Wasser benötigt.
Dennis M. Sabangan

Der Taifun Haiyan hat auf den Philippinen Tausende Menschenleben gefordert und viele Menschen traumatisiert. Kommunikationsverbindungen in die Krisenregion sind oft unterbrochen. Verwandte versuchen nun, ihre Liebsten über das Internet zu erreichen.

Dank Facebook kann Maritez Omirez wieder ruhig schlafen. Die Philippinerin überprüft ständig ihre Nachrichten im Internet, denn es geht um Leben oder Tod. Ihre Familie lebt in der Provinz Leyte, einer Region, die besonders schlimm von Taifun Haiyan heimgesucht wurde.

Nur wenige Stunden, nachdem der verheerende Wirbelsturm am vergangenen Freitag über die Region gezogen war, suchte Omirez auf Facebook nach Lebenszeichen von ihren Verwandten. Die Telefonverbindungen waren unterbrochen, und auch sonst gab es kaum Informationen aus dem Katastrophengebiet. Vier Tage lang hörte sie nichts von ihrer Familie. Also beschloss Omirez, Bilder von ihrer Schwester, Tante und den Nichten und Neffen auf einer Facebook-Seite für Vermisste zu veröffentlichen. „Innerhalb eines Tages bekam ich die gute Nachricht, dass sie alle in Sicherheit waren. Aber das Haus wurde zerstört“, erzählt sie. „Wir waren so erleichtert.“ Ihr Mann sei nun auf dem Weg, um die Verwandten aus der Krisenregion zu holen.

Google will mit "Person Finder" helfen

Tausende Philippiner nutzen das Internet, um an Informationen über Überlebende und Opfer zu gelangen. Sie nutzen offizielle Kanäle wie das Rote Kreuz oder die philippinische Behörde für Katastrophenschutz sowie private Initiativen. Mehrere Facebook-Seiten für die Suche nach Vermissten wurden ins Leben gerufen. Auch Google wurde aktiv. Mit Hilfe des „Person Finder“ können Informationen über Vermisste oder Gerettete ausgetauscht werden.

Im Katastrophengebiet konnten die Menschen noch Nachrichten auf Internet-Portale schicken, als die normale Telefonverbindung schon längst zusammengebrochen war. Mittlerweile funktionieren die Mobilfunknetze wieder, eine Telekom-Firma richtete WiFi-Hotspots ein, und es gibt Computer-Stationen, die genutzt werden können.

Wenigstens ein kleines Leuchten will Tang Tyong Ji auf die Gesichter der verstörten Kinder zaubern, die die gewaltige Naturkatastrophe knapp überlebt haben. Tang kam am Donnerstag mit elf Freiwilligen von der Organisation „Korea hilft Hungernden“ aus Seoul. Er bläst einen roten Luftballon auf und reicht ihn Jessa Martinez.

Schon ein Lächeln fällt schwer

Die Zwölfjährige steht bei sengender Hitze mit ihrer Mutter in einer langen Schlange vor dem, was von der Stadtverwaltung in Tacloban übrig geblieben ist. Hier ist einer der wenigen Stromknotenpunkte, hier können Mobiltelefone aufgeladen werden. Martinez zögert erst, dann nimmt sie den Ballon. Doch das Mädchen lächelt nicht. Sie starrt auf einen kahlen Baum auf der anderen Straßenseite, zerfetzt von Taifun Haiyan. „Ich vermisse meine Schulkameraden“, sagt sie leise.

Bei dem fünfjährigen Rovan Opial klappte der Trick mit dem Ballon besser. Er wirft den rosa Ballon in die Luft und springt verspielt hinterher. Er wartet mit seiner Mutter und einer Tante neben einem Lastwagen, der Hilfsgüter gebracht hat. Sie hoffen, dass der Lkw sie mitnimmt, raus aus dem Katastrophengebiet, weit weg. Sie kommen von einer anderen Insel. Die Mutter hat alles verloren. Wie es weitergeht? „Ich weiß es nicht“, sagt sie.