BERTELSMANN-STUDIE

Viele Ostdeutsche wollen keinen Muslim als Nachbarn

Mit Globalisierung und Zuwanderung ist auch die religiöse Vielfalt in Deutschland gewachsen. Was macht das mit Einstellungen gegenüber Demokratie und Toleranz?
dpa
Laut der Erhebung wollen 30 Prozent der Menschen im Osten keinen Muslim als Nachbarn.
Laut der Erhebung wollen 30 Prozent der Menschen im Osten keinen Muslim als Nachbarn. Bernd Wüstneck
Gütersloh.

Ob Judentum, Christentum oder Islam – bei den Angehörigen der verschiedenen Religionen stoßen demokratische Werte und Prinzipien einer Studie zufolge auf breite Zustimmung. Die große Mehrheit von 89 Prozent der Bevölkerung – über alle Religionen hinweg – hält die Demokratie in Deutschland für eine gute Regierungsform. Das hat eine am Donnerstag von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie auf Basis des repräsentativen „Religionsmonitors“ ergeben. Bei religiöser Toleranz sieht die Untersuchung aber Defizite. Vor allem der Islam habe es schwer und werde von vielen negativ wahrgenommen.

Mit Zuwanderung und Globalisierung ist die religiöse Vielfalt in Deutschland gestiegen. Weder diese Pluralität noch der Grad der Religiosität beeinflussen der Analyse zufolge die Einstellungen zur Demokratie. „Angehörige egal welcher Religion können gute Demokraten sein“, betonte Studienautor und Religionssoziologe Gert Pickel.

Ostdeutsche: Keine Muslime als Nachbarn

Auf Dauer schädlich für die Demokratie seien hingegen dogmatische, rigide Glaubensvorstellungen und Intoleranz gegenüber anderen Religionen. Hier sieht die Untersuchung Anlass zur Sorge, denn: Die Hälfte der Befragten empfindet den Islam als Bedrohung. In Ostdeutschland, wo wenig Muslime leben, fallen die Vorbehalte stärker aus als im Westen. So wollen laut Erhebung 30 Prozent im Osten und 16 Prozent im Westen keine Muslime als Nachbarn.

Solche abgrenzenden, ablehnenden Haltungen könnten die demokratische politische Kultur gefährden, warnte Pickel. Bundesweit wird die Zahl der Muslime auf rund fünf Millionen geschätzt, mit 1,5 Millionen leben unter allen Bundesländern die meisten in Nordrhein-Westfalen.

Islamskepsis ist keine Islamfeindlichkeit

Die recht weit verbreitete Islamskepsis sei aber nicht unbedingt mit Islamfeindlichkeit gleichzusetzen, betonte Stiftungsexpertin Yasemin El-Menouar in Gütersloh. Diese sei allerdings definitiv vorhanden bei 13 Prozent der Bevölkerung, die die Zuwanderung von Muslimen stoppen wollten.

Der Studie zufolge erweist sich aber die demokratische Kultur grundsätzlich als ein stabiles, von der breiten Mehrheit getragenes Fundament: Unter Christen sprechen sich 93 Prozent, unter Muslimen 91 Prozent, unter Konfessionslosen 83 Prozent für die Demokratie aus.

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Kommentare (1)

Mein Professor hat immer gesagt:"Glaube keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast." Ich habe jahrelang in Kreuzberg, Wedding und Neukölln gelebt. Und wenn es dort vielleicht 30% sind, die mit unseren Werten und unserer Vorstellung von Demokratie etwas anfangen können, ist das wahrscheinlich schon zu hoch geschätzt. Mal eine andere Studie:
Über 90% lehnen die Tötung anderer Menschen im Namen Gottes als nicht legitimierbar ab, ebenso halten über 90% eine Person, die „junge Muslime auffordert oder dazu anleitet, Selbstmordattentate zu begehen“, für einen „gottlosen Kriminellen“ (177). Andererseits stimmten rund 44% der Aussage „eher“ oder „völlig zu“, dass „Muslime, die im bewaffneten Kampf für den Glauben sterben ... ins Paradies“ kommen, also von Gott für ihre Taten belohnt werden (176). Knapp unter 40% halten „die Anwendung physischer Gewalt als Reaktion auf die Bedrohung des Islams durch den Westen für legitim“ (191). Für Deutschland befürworten knapp 10% die Strafen der Scharia (141) – was in absoluten Zahlen einem Anteil von über 300000 Menschen entspricht. Bei den Jugendlichen ist es rund ein Viertel, das die eigene Bereitschaft zu körperlicher Gewalt gegen Ungläubige im Dienst der islamischen Gemeinschaft bejaht (319).