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Viele rutschen unter die Armutsgrenze

Den bundesweit rund 2,3 Millionen Kindern von Alleinerziehenden droht deutlich häufiger Armut als ihren Altersgenossen in Paarfamilien.
Den bundesweit rund 2,3 Millionen Kindern von Alleinerziehenden droht deutlich häufiger Armut als ihren Altersgenossen in Paarfamilien.
Marcel Kusch

Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung nimmt die Situation der Mütter und Väter in Ein-Eltern-Familien unter die Lupe. Florentine Dame und Andrea Dittmar geben einen Überblick zum Thema.

Welche Daten zur Situation von Alleinerziehenden enthält die Studie?

Die Zahl der Alleinerziehenden steigt seit Jahren: Inzwischen ist jede fünfte Familie eine Ein-Eltern-Familie. 2,3  Millionen Kinder wachsen damit bei Alleinerziehenden auf, überwiegend bei der Mutter (89 Prozent). Von diesen Müttern sind 61  Prozent erwerbstätig. Weil sie sich neben dem Beruf meist ohne den Partner um Haushalt und Kinder kümmern müssen, arbeiten sie oft in Teilzeit (58  Prozent).

Sind Alleinerziehende schlechter dran als Paarfamilien?

Ja, und zwar deutlich. Sie sind etwa fünfmal häufiger von Sozialleistungen abhängig. Laut Studie erhielten im vergangenen Jahr 37,6  Prozent der Alleinerziehenden Hartz-IV-Leistungen, der Anteil der Paarhaushalte mit Kindern lag bei 7,3  Prozent.

Wie stehen Ein-Eltern-Familien in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg da?

In beiden Bundesländern gibt es mehr alleinerziehende Frauen und Männer als in den anderen. In MV sind es 27  Prozent, in Brandenburg 27,1  Prozent. Zum Vergleich: In Bayern sind es 17,3  Prozent Alleinerziehende.

Alleinerziehende sind auch in MV und Brandenburg besonders oft von Hartz IV betroffen. 44  Prozent der Ein-Eltern-Familien sind in MV Empfänger von Sozialhilfe, in Brandenburg beziehen 38  Prozent aller alleinerziehenden Eltern Hartz  IV.

Welche Gründe sehen die Experten für das wachsende Risiko?

Als wichtige Ursache nennt die Bertelsmann-Stiftung ausbleibende Zahlungen des getrennt lebenden Elternteils: Drei von vier Kindern erhalten nicht, was ihnen zustehe. Die Hälfte bekommt gar nichts vom Unterhaltspflichtigen, obwohl es ihnen zusteht. Zu kurze Kita-Öffnungszeiten und wenig Flexibilität bei Arbeitgebern machen es Alleinerziehenden zusätzlich schwer auf dem Arbeitsmarkt.