Professor Christian Drosten ist raus – Deutschlands wohl bekanntester Corona-Experte verlässt den Expertenrat der Bundesregierung.
Professor Christian Drosten ist raus – Deutschlands wohl bekanntester Corona-Experte verlässt den Expertenrat der Bundesregierung. Kay Nietfeld, © Corona_Borealis – stock.adobe.com
Rückzug

Virologe Christian Drosten verlässt Corona-Gremium

Über Twitter verkündete Gesundheitsminister Lauterbach, dass der wohl prominenteste Corona-Wissenschaftler nicht mehr Teil einer Corona-Kommission sein wird. Christian Drosten gibt sich enttäuscht von dem Gremium.
Berlin

Der Virologe und Experte für Corona-Viren Professor Christian Drosten von der Berliner Charité verlässt offenbar auf eigenen Wunsch eine Experten-Kommission der Bundesregierung zur Corona-Pandemie. Das teilte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Donnerstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit, nannte allerdings keine Hintergründe des überraschenden Abgangs.

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Minister bedauert Drostens Rückzug

Lauterbach schrieb, der Corona-Experte habe ihm die Entscheidung am Donnerstag mitgeteilt und äußerte sein Bedauern. „Das ist ein schwerer Verlust, weil niemand könnte es besser”, so Lauterbach. Drosten hatte sich erst vor wenigen Wochen auch aus dem Podcast-Projekt des NDR zurückgezogen, das ihn in den vergangenen zwei Jahren zu einem der populärsten Corona-Wissenschaftler und -Erklärer in Deutschland gemacht hatte.

Verhaftung von Drosten gefordert

Seit Beginn der Pandemie wurde er allerdings von jenen, die sich für eine freiere Ausbreitung des Virus engagierten, regelmäßig zum Feindbild stilisiert. Regelmäßig wurde auf den sogenannten Corona-Demonstrationen seine Verhaftung gefordert.

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Drosten stand mit seinen Einschätzungen zur Pandemie-Lage regelmäßig für einen sehr vorsichtigen Kurs im Umgang mit dem Virus und der Erkrankung Covid19. Er und sein Team an der Berliner Charite hatten zudem sehr früh einen PCR-Test für das Virus entwickelt. Auch dafür wurde er immer wieder öffentlich angefeindet.

Drosten übt Kritik an Gremium und Politik

Eine Charité-Sprecherin bestätigte auf Anfrage, dass Drosten dem Ausschuss seinen Rückzug mitgeteilt hat. Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass Ausstattung und Zusammensetzung nicht ausreichten, um eine wissenschaftlich hochwertige Evaluierung gewährleisten zu können. Darüber hinaus seien in den vergangenen Wochen wiederholt und in umfangreicher Form Inhalte der Beratungen zum Gegenstand einer irreführenden und falschen Berichterstattung geworden. "Dies steht aus Sicht von Prof. Drosten einer konstruktiven, zielgerichteten Zusammenarbeit im Gremium entgegen." Schließlich seien die Mitglieder an strikte Vertraulichkeit gebunden.

Update – 18.35 Uhr – Verwirrung um Drosten-Rücktritt

Lauterbachs Tweet hatte an verschiedenen Stellen für Verwirrung gesorgt, welches Gremium genau gemeint sei. Am frühen Abend hieß es von der Charite, dass Drosten weiterhin Teil des sogenannten "Experten-Rates" sein wird, der die Bundesregierung bei der Pandemiebekämpfung berät. Das Gremium ist beim Kanzleramt angesiedelt und legte bereits mehrere Empfehlungen für die Pandemie-Bekämpfung vor. Zuletzt äußerte sich das Gremium mehrfach mit Stellungnahmen vor Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise. Der Rückzug beziehe sich, so eine Sprecherin der Charite, auf einen anderen Sachverständigenausschuss, der sich gezielt mit den Auswirkungen der bisherigen Corona-Gesetzgebung im Infektionsschutzgesetz befasse.

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