Meinung

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VW versaut sich den Ruf – und die Kasse klingelt

Herbert Diess, neuer Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, will, dass der Konzern anständiger wird.
Herbert Diess, neuer Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, will, dass der Konzern anständiger wird.
Bernd Von Jutrczenka

Jetzt aber: Nach all den Skandalen um Abgas-Schummeleien will VW anständiger Handeln. Schöne Worte, aber trotzdem nur Schönrederei, damit das Geschäft läuft. Ein Kommentar.

„Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn!”, heißt es in Goethes „Faust”. Ob VW-Chef Diess bei der Vorbereitung seiner Rede auf der Hauptversammlung den Literatur-Klassiker gelesen hat? Denn der neue mächtige Konzernlenker erklärte am Donnerstag die Schönrederei von Abgasskandal, Manipulationsvorwürfen und Affenversuchen für beendet – und forderte stattdessen entschlosseneres und entsprechendes Handeln. Das Wort vom Kulturwandel machte bei Diess und seinen Mitstreitern beim größten Autobauer der Welt die Runde, wurde zum x-ten Mal beschworen.

Ob Diess den „Faust” komplett gelesen hat? Schließlich steht dort auch geschrieben: „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube”. Zuviel Glaubwürdigkeit und Image haben die Macher in Wolfsburg in den vergangenen drei Jahren verspielt. Mit einem Mix aus Arroganz, Ignoranz und Zynismus wurde versucht, die illegale Dieselei zu deckeln. Die Verantwortlichen taten zwischenzeitlich so, als würden ausgerechnet sie über dem Gesetz stehen. Das ernüchternde Fazit nach dem katastrophalen Krisenmanagement der VW-Oberen: Dem Verkauf hat es nicht geschadet – das Geld sprudelt in den VW-Kassen. Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, kaufen Kunden VW ganz ungeniert. So ist sie – unsere Gesellschaft!

Neuer Konzernchef Diess: Volkswagen muss anständiger werden

VW will seinen viel beschworenen Kulturwandel nach einem holprigen Start entschlossener umsetzen. Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg sei nur mit einer gesunden Unternehmenskultur möglich, sagte der neue Konzernchef Herbert Diess am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin. "Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden."

Der Vorstand habe mit "Together4Integrity" ein Programm zum Kulturwandel auf den Weg gebracht. Das interne Hinweisgeber-System soll demnach ausgebaut, Fehlverhalten kompromisslos geahndet werden.

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgasskandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Thompson soll nach dem Abgasbetrug und Schuldeingeständnis des Konzerns in den USA sicherstellen, dass sich solches Verhalten nicht wiederholt.

Der schon von Ex-Konzernchef Matthias Müller ausgerufene Kulturwandel für mehr Kritikfähigkeit und ethisches Verhalten ließ bislang viele Fragen offen. Mitte April verlautete aus dem Aufsichtsrat, die entsprechenden Ziele müssten mutig und offen angegangen werden.