Eine Verpackung mit Linsen, ein Duschbad mit dem Parteilogo der SED und eine Soljanka mit DDR-Emblem und Thälmann-Pionier
Eine Verpackung mit Linsen, ein Duschbad mit dem Parteilogo der SED und eine Soljanka mit DDR-Emblem und Thälmann-Pionier: Lange nach dem Mauerfall sind Ostprodukte nach wie vor beliebt – auch in den großen Supermärkten. Hendrik Schmidt
Einzelhandel

Was ist so schlimm an Soljanka-Konserven mit DDR-Dekor?

Gerade im Osten kaufen die Leute gerne noch Soljanka, Jagdwurst und andere Lebensmittel, die durch ihr Dekor an die DDR erinnern. Eine Stiftung kritisiert diese Praxis.
dpa
Berlin

Mit DDR-Nostalgieprodukten im Handel wird aus Sicht der Bundesstiftung Aufarbeitung die SED-Diktatur verharmlost. Stiftungsdirektorin Anna Kaminsky kritisierte am Dienstag die Supermarktkette Rewe. Ostdeutsche Supermärkte des Handelsriesen böten „Konserven im DDR-Dekor samt Hammer und Zirkel“ an.

Mehr zum Thema: Auto-Fans feiern Kult aus der DDR und viel PS

Erhältlich sind solche Produkte von Soljanka bis Jagdwurst auch in spezialisierten Online-Shops, bei Verkaufsmessen und auf großen Online-Marktplätzen. Kaminsky betonte, es müsse zum erinnerungskulturellen Konsens des vereinten Deutschlands gehören, das Unrecht der kommunistischen Diktatur nicht zu verharmlosen und der Opfer des SED-Regimes würdevoll zu gedenken.

Kundenwunsch vs. Diktatursymbole

Rewe verwies in einer Stellungnahme auf die Hersteller der Konserven und erklärte, die Läden führten die Produkte auf Wunsch der Kundschaft. In den ostdeutschen Bundesländern sei die Nachfrage nach Produkten und Rezepturen aus der Vorwendezeit nach wie vor ausgeprägt.

Lesen Sie auch: Alter Krempel aus der DDR versteigert

Die Bundesstiftung Aufarbeitung arbeitet die Geschichte der SED-Diktatur auf und hat den Auftrag, den Prozess der Deutschen Einheit zu begleiten. Kaminsky erinnerte daran, dass das DDR-Staatswappen mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz das Symbol der SED-Diktatur sei.

Heimweh - der Newsletter für Weggezogene

Der wöchentliche Überblick für alle, die den Nordosten im Herzen tragen. Im kostenfreien Newsletter erzählen wir jeden Montag die Geschichten von Weggezogenen, Hiergebliebenen und Zurückgekehrten und zeigen, wie die Region sich weiterentwickelt.

Jetzt schnell und kostenfrei anmelden!

zur Homepage

Kommentare (1)

Vielleicht hilft der Tipp an die Konsumenten zu überlegen, ob es die Grundzutaten und deren Geschmack aus vor 1989 noch gibt, z.B. die DDR-Jagdwurst, den DDR-Ketchup oder die DDR-Paprika. Nach vergangenen 30 Jahren ist der Geschmack sehr leicht zu foppen, wenn man DDR auf das Etikett sieht. Das Spee ist z.B. keineswegs das Pulver von vor 1989. Der Rotkäppchen-Sekt-Geschmack wird geblieben sein, weil schon vor 1989 dessen Geschmack im Export mundete. Aber die DDR-Jagdwurst in der Soljanka? Soljanka war zu DDR-Zeiten ein Resteverwertungsessen in einem Topf zusammen gerührt, insbesondere bei der Schulspeisung.