Kommentar zu Hans-Georg Maaßen
Was treibt den Verfassungsschutz-Chef?

Was hat Hans-Georg Maaßen mit seinen Mutmaßungen über das Video aus Chemnitz bezweckt?
Was hat Hans-Georg Maaßen mit seinen Mutmaßungen über das Video aus Chemnitz bezweckt?
Kay Nietfeld (Maaßen), Screenshot aus dem Video

Warum glaubt Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen, das Video aus Chemntiz solle vom Mord an Daniel H. ablenken? Das fragt sich unser Kommentator. Er glaubt: Maaßen will selbst von etwas ablenken.

Eines muss man dem Präsidenten des Verfassungsschutzes lassen: Für ein Amt, das die meiste Zeit eher im Geheimen agiert, sorgt Hans-Georg Maaßen in schöner Regelmäßigkeit dafür, dass die Behörde ihren Platz in der Öffentlichkeit bekommt. Treffen mit AfD-Politikern, Anzeigen gegen Investigativ-Journalisten, die ihrer Arbeit nachgehen – und jetzt die Aussage, dass ein Video einer Jagdszene in Chemnitz womöglich gefälscht sei, um die Bevölkerung bewusst vom „Mord“ an dem 35-jährigen Daniel H. abzulenken.

Wie bitte? Der Chef jener Behörde, die Gefahren von der Verfassung und also auch der Menschen in unserem Land abhalten soll, gießt Jenen Öl ins Feuer, die ohnehin glauben, Politik und Journalismus seien eine unheilige Allianz eingegangen, um die Bevölkerung zu belügen und ruhig zu stellen. Natürlich kann Hans-Georg Maaßen solcherlei Dinge behaupten. Doch ob ihrer Brisanz sollte er sie auch belegen können.

Womöglich will Maaßen von sich selbst ablenken

Man fragt sich, wer ein Interesse daran haben könnte, vom Mord an Daniel H. abzulenken. Man könnte, nein man muss aber vor allem fragen, was für ein Interesse Maaßen mit seiner Aussage verfolgt. Womöglich will er einfach nur davon ablenken, dass er sich mehrfach mit AfD-Politikern getroffen hat.

Maaßen sorgt nicht zum ersten Mal für Kopfschütteln. Noch als Referatsleiter im Bundesinnenministerium sollte er eine Einschätzung darüber abgeben, ob die Bundesregierung Murat Kurnaz nach Deutschland zurückholen solle oder ob seine Einreise abzulehnen sei. Maaßen beschied Kurnaz damals, dass er länger als sechs Monate aus Deutschland ausgereist sei und sich in dieser Zeit nicht bei den zuständigen Behörden meldete. Sein Aufenthaltsrecht sei damit verfallen. Murat Kurnaz saß zu diesem Zeitpunkt ohne Anklage im us-amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo.

Kommentare (1)

Der Verfassungsschutz als Vermutungs- und Vielleichtbehörde. Kein Staat wünscht sich eine Behörde, die öffentlich nebulöses von sich gibt.