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Krawalle

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Was wir über Chemnitz wissen – und was nicht

dpatopbilder - 26.08.2018: Sachsen, Chemnitz: Polizisten laufen nach dem Abbruch des Stadtfestes Chemnitz über eine Straße. Am Sonntagnachmittag hatten sich rund 800 Menschen in der Chemnitzer Innenstadt versammelt und setzten sich plötzlich in Bewegung. Hintergrund der Demonstration war ein tödlicher Streit in der Nacht zum Sonntag nach dem Chemnitzer Stadtfest. Foto: Andreas Seidel/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Polizisten laufen nach dem Abbruch des Stadtfestes Chemnitz über eine Straße.
Andreas Seidel

Nach den spontanen Aufmärschen in der Chemnitzer Innenstadt am Sonntag ist auch am Tag danach noch vieles unklar. Einige Dinge stehen aber schon fest. Eine Bestandsaufnahme.

Was war der Auslöser?

Das Chemnitzer Stadtfest nahm in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag einen schrecklichen Verlauf: Bei einem Streit am Rande des Fests wurde ein 35-Jähriger mit einem Messer so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus starb. Ein 33-Jähriger und ein 38-Jähriger wurden ebenfalls verletzt und liegen noch im Krankenhaus.

Wer war an dem Streit beteiligt?

Die Polizei berichtete zunächst, dass es sich um einen Streit von maximal zehn Personen unterschiedlicher Nationalitäten gehandelt habe. Die drei Verletzten seien Deutsche, über die übrigen Nationalitäten machte die Polizei zunächst keine Angaben. Die Beamten hatten zwei 22 und 23 Jahre alte Männer vorläufig festgenommen, die sich vom Tatort entfernt hätten. Bei beiden sei jedoch weiterhin unklar, ob sie überhaupt etwas mit der Tat zu tun hätten. Allerdings teilte die Staatsanwaltschaft am Montagmittag mit, es seien Haftbefehle gegen die beiden Männer erlassen worden. Der 23-Jährige ist syrischer Staatsangehöriger, der 22-jährige Iraker.

Stimmt es, dass der Getötete eine Frau vor sexueller Belästigung schützen wollte und dies der Auslöser des tödlichen Streits war?

Dieses Gerücht hat die Polizei weitgehend zurückgewiesen: Es gebe derzeit jedenfalls keinerlei Erkenntnisse, die darauf hindeuten, hieß es bereits am Sonntagnachmittag. Gleichwohl macht die Behauptung auch am Montag noch in den sozialen Internet-Netzwerken die Runde. Die Polizei trat derartigen Gerüchten auch am Montag entgegen.

Was weiß man über den Getöteten?

Verschiedene Medien haben Informationen über den Mann veröffentlicht, darunter auch seinen vollen Namen. Demnach soll es sich um einen Familienvater mit deutsch-kubanischer Herkunft handeln. Die linksalternative Anti-Rechts-Initiative "Storch Heinar" veröffentlichte folgendes Statement auf ihrer Seite:

Stimmt es, dass der Mann mit 25 Messerstichen getötet wurde?

Auf einschlägigen rechten Internetseiten heißt es, der Mann sei mit 25 Stichen „abgeschlachtet” worden. Die Staatsanwaltschaft dementiert das: „Ich kann das nicht bestätigen. Wir können zur genauen Zahl der Stiche aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen, aber es waren lange nicht so viele”, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Gab es einen zweiten Toten?

Auch dieses Gerücht verbreitete sich seit Sonntagabend bei Facebook und Twitter – die Polizei dementierte es am Montagmittag auf Twitter.

Wie war die Reaktion?

Bereits am Sonntagmorgen gab es Internet mindestens zwei Aufrufe zu Spontandemonstrationen: Von der AfD sowie von Ultra-Fußballfans namens „Kaotic Chemnitz”, einer mutmaßlich rechtsextremen Gruppierung, in der auch ehemalige Mitglieder der mittlerweile verbotenen rechtsextremen Hooligan-Gruppe NS-Boys mitwirken sollen. Die AfD-Kundgebung um 15 Uhr versammelte rund 100 Teilnehmer und löste sich laut Polizei ohne Vorkommnisse um 16 Uhr selbständig auf.

Was passierte beim zweiten Aufmarsch?

Die zweite Kundgebung hingegen war von Beginn an alles andere als gesittet: Ab 16.30 Uhr versammelten sich übereinstimmenden Berichten zufolge etwa 800 Menschen am Karl-Marx-Monument. In dem plakativen Facebook-Aufruf von Kaotic Chemnitz hieß es unter anderem „Unsere Stadt – Unsere Regeln“, und „Lasst uns zusammen zeigen wer in der Stadt das sagen hat ! Ehre Treue Leidenschaft für Verein und HEIMATSTADT“. Der mittlerweile gelöschte Aufruf wurde mehrere hundert Male geteilt. In der Menge waren Beobachtern zufolge nicht nur gewaltbereite Hooligans, sondern auch Mitglieder der neonazistischen Kleinstpartei „Dritter Weg” oder der fremdenfeindlichen Bürgerinitiative „Wellenlänge Heidenau”. Doch auch Besucher des um 16 Uhr aufgelösten Stadtfestes sollen sich dem Pulk angeschlossen haben.

Warum wurde das Stadtfest abgebrochen?

Als sich die Lage in der Chemnitzer Innenstadt mehr und mehr zuspitzte, entschieden sich die Behörden, das Stadtfest vorzeitig um 16 Uhr statt um 20 Uhr zu beenden. Zunächst hieß es mit Hinblick auf den Verstorbenen, dafür seien „Pietätsgründe” ausschlaggebend. Später räumte die Stadt ein, in Wirklichkeit seien Sicherheitsbedenken der Grund gewesen. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass es Probleme auf dem Stadtfest gibt. Auch im vorigen Jahr gab es in der Lokalpresse Berichte über Schlägereien und Probleme auf dem Fest.

Inwiefern eskalierte das Ganze?

Nachdem sich die Menge zu der zweiten Kundgebung versammelt hatte, versuchten Beamte der örtlichen Polizei zunächst noch mit den Personen zu reden, die sie für die Drahtzieher der Kundgebung hielten. Diese hätten jedoch keine Kooperationsbereitschaft gezeigt. Der Pulk marschierte los und durchbrach dabei der Schilderung der Polizei zufolge mehrere Polizeiketten. Die Beamten waren – auch nach eigener Darstellung – absolut überfordert, weil sie nur mit wenigen Kräften vor Ort waren. Verstärkung musste erst aus Dresden und Leipzig hinzugerufen werden. Auf Videos sind vereinzelte Wurfgeschosse in Richtung der Polizei zu sehen, nach Darstellung der Beamten habe es sich dabei um Flaschen gehandelt. Aus der Menge schallten Parolen wie „Ausländer raus”, „Wir sind das Volk” und „Das ist unsere Stadt” – auch das zeigen Videos.

Gab es fremdenfeindliche Übergriffe?

Ja, gab es. Sowohl auf dem Johannisplatz als auch auf dem Marktplatz ließen die Rechtsextremen ihren Worten Taten folgen: Mehrere Personen mit mutmaßlichem Migrationshintergrund wurden angegriffen, gejagt, geschubst und mit Flaschen beworfen. Etliche Videos in den sozialen Medien zeugen von diesen rassistischen Taten. Ein Video zeigt zum Beispiel, wie Männer mit sächsischem Dialekt zwei mutmaßliche Migranten treten und auf eine befahrene mehrspurige Straße jagen.

Als später die Polizei-Verstärkung aus Dresden und Leipzig eintraf, beruhigte sich die Lage. Gegen 17:45 Uhr fanden sich nur noch etwa 150 Personen am Karl-Marx-Monument wieder ein, die den Platz dann nach und nach verließen.

Was passiert jetzt?

Die Polizei hat nach eigenen Angaben bisher nur vier Anzeigen erstellt, zwei wegen Körperverletzung, eine aufgrund von Bedrohung, und eine wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. In den einschlägigen rechten Medien wird der gewalttätigen Zug als Sieg und als Meinung aller Deutschen gefeiert. Die AfD organisiert für Montagabend um 19 Uhr mehrere Mahnwachen in ostdeutschen Städten, auch in Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem wurde für Montagnachmittag eine weitere Demonstration angekündigt, zu der unter anderem vom Verein „Heimat und Tradition Chemnitz Erzgebirge“ aufgerufen wird. Aus der rechtsextremen Szene hieß es von einigen Seiten, man wolle morgen auch „mitmischen“. Auch für eine Gegendemonstration wird mobilisiert. Die sächsische Linke-Vorsitzende Antje Feiks: „Ein rechter Mob schafft es, das Gedenken zu instrumentalisieren und für sich zu vereinnahmen.”

Kommentare (10)

an die rechtschaffenden Bürger in Chemnitz. Wenn der Staat seine Bürger nicht mehr schützen kann, dann schützen sie sich selbst. Es ist so tragisch, dass ein junger Volksgenosse durch die Hand von Leuten sterben musste, die gar nicht in unser Land gehören. Und nicht ein Wort des Bedauerns durch die deutsche Kanzlerin!

dass Sie kein Nazi sind, sondern nur ein kleiner unschuldiger auslandsdeutscher AfD-Wähler.

inzwischen auch Schweizer! Hier weht ein anderer Wind!

"...gar nicht in unser Land..." Welches ist denn Ihr Land? Warum diese Besorgnis um Deutschland, wenn Sie sich in ein anderes, besseres Land gerettet haben?

ist mein Land. Die Schweiz ist meine Wahlheimat.

Seit wann ist nach Ihrer Rassentheorie ein Deutsch-Kubaner ein Volksgenosse? Gehören deutsche Staatsbürger in die Schweiz? Wurden alle Deutschen aus der Schweiz gewiesen, wenn ein Mord oder Totschlag eines Deutschen in der Schweiz an einen Schweizer begangen wurde? Wenn Schweizer sich zusammenrotten und x-beliebige Passanten drangsalieren, jagen und schlagen - wie finden Sie diesen kleinen Dankesausdruck rechtschaffener Schweizer? Wie oft hören Sie vom Schweizer Bundesrat Worte des Bedauerns, wenn Tötungsdelikte in der Schweiz bekannt werden?

Starke Zusammenfassung des von Elli hier verbreiteten Unsinns, Danke dafür.

ist ein Deutscher! Um deutscher Staatsbürger zu werden genügt selbst ein deutscher Großvater oder eine deutsche Großmutter. Ohne diese alte Regelung im Staatsbürgerrecht dürfte kaum ein Russlanddeutscher hier sein. Man muss dies allerdings durch amtliche Dokumente nachweisen können, was nur wenige auch konnten.

Elionore, du/sie hast/haben Recht ! Syrer, Afghanen, Kenianer, Marokkaner, Tunesier, arabische Großfamilien usw. gehören nicht nach DEUTSCHland. Wann kommt das endlich bei den Politikern an ? Das Volk auf der Straße weiß das schon.

Systemversagen, die Parteispitzen incl. Kanzler sind zu feige, zu verlogen, zu arrogant, zu abgehoben zu deren eigenen Fehlern und angerichtetem Schaden zu stehen, Makulatur wird als Erfolg verkauft - Lösungen sind nicht in Sicht - die Presse kuscht und die bewaffneten Organe sind aus Angst vor einem Putsch enteiert