Durch die Gasumlage kommen auf Verbraucher erhebliche Mehrkosten zu. Doch wer muss sie eigentlich zahlen?
Durch die Gasumlage kommen auf Verbraucher erhebliche Mehrkosten zu. Doch wer muss sie eigentlich zahlen? Hauke-Christian Dittrich
Verbraucher

Wer bleibt von der Gasumlage verschont?

Erdgas, Fernwärme, LNG, LPG: Gas ist nicht gleich Gas und nicht jeder ist von der Gasumlage betroffen. Der Nordkurier verrät, wer sich auf höhere Preise einstellen muss.
Berlin

Um Gasimporteure in der Energiekrise zu stützen, müssen Kunden in Deutschland ab Oktober deutlich mehr für ihr Gas bezahlen. Die Höhe der staatlichen Gasumlage wird bei 2,419 Cent pro Kilowattstunde liegen. Das teilte die Firma Trading Hub Europe, ein Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber in Deutschland, am Montag mit. Mit der Umlage werden erhöhte Beschaffungskosten von Importeuren an die Kunden weitergegeben. Doch jetzt ist die Frage: Auf welche Arten von Gas bezieht sich diese Umlage? Sind alle Kunden gleichermaßen von dem Aufpreis betroffen?

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Grundsätzlich gilt, dass alle Erdgasverbraucher in Deutschland die Gasumlage tragen müssen. Es spielt also keine Rolle, ob das Gas zum Heizen, Kochen oder nur für Warmwasser benötigt wird. Wer überhaupt kein Gas als Energiequelle nutzt, ist von der Gasumlage nicht betroffen.

Was ist mit Fernwärme und LPG?

Gute Nachrichten gibt es für Verbraucher, die mit Fernwärme heizen. Diese seien von der Umlage bislang „nicht erfasst”, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium in der vergangenen Woche. Im vergangenen Jahr heizten laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen rund 14 Prozent der Haushalte mit Fernwärme, die zu über 46 Prozent aus Gas entsteht. Allerdings kann hier noch keine abschließende Entwarnung gegeben werden, da dies laut Ministerium noch geprüft werde.

Nicht von der Gasumlage betroffen ist Flüssiggas, sogenanntes „Liquefied Petroleum Gas” (LPG). Darauf wies der Deutsche Verband Flüssiggas am Dienstag hin. „Flüssiggas ist nicht zu verwechseln mit Erdgas beziehungsweise verflüssigtem Erdgas”, sagte ein Sprecher. Der Unterschied zwischen Flüssiggas (LPG) und verflüssigtem Erdgas (LNG) liege in der Art der Verflüssigung und damit der Nutzung. So bestehe Flüssiggas aus Propan und Butan. Diese Gase ließen sich bei Raumtemperatur und geringem Druck verflüssigen. Das entstehende Gas lasse sich lange in Tanks lagern. Wegen seiner Leitungsunabhängigkeit sei es besonders im ländlichen Raum beliebt.

Müssen LNG-Kunden die Gasumlage zahlen?

Bei Erdgas wiederum sei der Hauptbestandteil Methan, das sich unter Druck bei Raumtemperatur nicht verflüssigen lasse. Um es zu verflüssigen, werde es stark heruntergekühlt. Verflüssigtes Erdgas, sogenanntes „Liquefied Natural Gas” (LNG), könne nicht beliebig lange in dezentralen Tanks gelagert werden. Um LNG für die Wärmeversorgung nutzen zu können, müsse es nach dem Transport per Schiff in LNG-Terminals wieder in einen gasförmigen Zustand umgewandelt werden. Kurzum: Nach Aussagen der Deutschen Verbands Flüssiggas sieht es derzeit so aus, als würde die Gasumlage bei LNG greifen, bei LPG aber nicht. Eine offizielle Bestätigung dieser Einschätzung steht allerdings noch aus.

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Auf alle anderen Erdgaskunden wird die Umlage zukommen – mit einem enormen Kostenschub: Bei einem Haushalt mit Einfamilienhaus und einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden betragen die Mehrkosten rund 484 Euro im Jahr. Dazu kommt noch die Mehrwertsteuer. Die Bundesregierung will allerdings verhindern, dass diese fällig wird. Zwar bekräftigte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel, dass eine Streichung der Steuer anders als von der Bundesregierung erhofft nicht möglich ist. Die Kommission arbeitet nach eigenen Angaben aber zusammen mit Berlin an einer Lösung bezüglich der Mehrwertsteuer. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte auf EU-Ebene um eine Ausnahme gebeten. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte dazu: "Es gibt an sich keine Möglichkeit, diese Art von Umlage auszunehmen." Zugleich betonte er: "Wir sind in Kontakt mit der deutschen Regierung, um Lösungen zu finden, die den Verbrauchern nutzen und den gleichen Effekt für sie hätten." Welche Optionen es gibt und wann die Brüsseler Behörde sich dazu äußern will, war zunächst unklar.

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