Am Ort der festgestellten Lecks liegen die Leitungen in etwa 70 Metern Tiefe.
Am Ort der festgestellten Lecks liegen die Leitungen in etwa 70 Metern Tiefe. handout
Pipeline-Sabotage

Wer profitiert von den Lecks bei Nord Stream?

Dass die Löcher in den Nord-Stream-Leitungen ein Sabotage-Ergebnis sind, steht offenbar außer Frage. Doch wie sieht die Motiv-Lage für einen solchen Akt aus?
Berlin

Egal ob Russland, EU oder USA – für alle steht bereits fest: Die Löcher in den Nord-Stream-Leitungen sind das Ergebnis von Sabotage. Unklar ist allerdings nach wie vor, wer dahinter steckt. Konkrete Beweise gibt es dazu bislang nicht. Allerdings könnten Antworten auf die Frage nach möglichen Motiven Licht ins Dunkel bringen. Wer profitiert also von den kaputten Erdgasleitungen, zumal Nord Stream 2 nie in Betrieb genommen wurde und per Nord Stream 1 bereits seit geraumer Zeit kein Erdgas mehr in Lubmin ankommt?

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Medienberichten zufolge soll der US-Geheimdienst CIA die Bundesregierung bereits im Sommer vor einem russischen Anschlag auf die Pipelines gewarnt haben. Eine offizielle Bestätigung gibt es aus Regierungskreisen laut des Nachrichtenmagazins Spiegel aber nicht. Am Dienstag hieß es aber bereits aus Sicherheitskreisen, nur ein staatlicher Akteur verfüge über die Möglichkeiten für eine solche Tat.

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Am Ort der festgestellten Lecks liegen die Leitungen in etwa 70 Metern Tiefe. Sie bestehen aus massivem Metall und sind mit einer dicken Betonschicht ummantelt. Seit der Inbetriebnahme von Nord Stream 1 Ende 2011 ist es nie zu einer derartigen Beschädigung gekommen. Einem schwedischen Seismologen zufolge sind an den betroffenen Stellen Erschütterungen festgestellt worden, zu denen es nur durch Explosionen gekommen sein kann.

So mehren sich die Stimmen, die Russland verantwortlich machen. Wohl auch, weil es unmittelbar vor der Inbetriebnahme der neuen Erdgasleitung „Baltic Pipe” von Norwegen nach Polen zu den mutmaßlichen Sabotageakten gekommen war.

Kreml weist Anschuldigungen zurück

Der CDU-Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter etwa sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, aus sicherheitspolitischer Perspektive diene ein solcher Sabotageakt der Abschreckung und Bedrohung. „Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Russland auf diese Weise versucht, einerseits Verunsicherung in der europäischen Bevölkerung zu schüren und anderseits auf staatlicher Ebene ein weiteres Mal auf die Bedrohungsmöglichkeit durch den Angriff auf kritische Infrastruktur hinweist.”

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Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, sagte dem Netzwerk, es sei nicht auszuschließen, dass solche enthemmten Anschläge „von Russland gelenkt werden, um unsere Märkte zu erschüttern.” In der Tat ist an den Börsen beim kurzfristigen Erdgashandel seit Dienstag ein Preisanstieg zu beobachten. Im längerfristigen Vergleich fallen diese allerdings nicht aus dem Rahmen der üblichen Schwankungen.

Aus dem Kreml werden die Anschuldigungen scharf zurückgewiesen. „Es ist ziemlich vorhersehbar und vorhersehbar dumm und absurd, solche Annahmen zu treffen”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Demnach sind die Schäden auch für Russland problematisch. Das entweichende Gas „kostet viel Geld, und jetzt entweicht es in die Luft”, so Peskow weiter.

US-Marine auf der Ostsee unterwegs

In der Berichterstattung sogenannter alternativer Medien wird die USA als Verursacher ausgemacht. Dafür wird angeführt, dass Schiffe der US-Marine in den vergangenen Wochen auf der Ostsee unterwegs waren und einige davon sich auch nahe der nun gefundenen Lecks aufhielten. Tatsächlich hatten seit Anfang August mehrere US-Schiffe ein Manöver auf der Ostsee abgehalten.

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Eines davon ist die „USS Kearsarge”. Nach aktuellsten Angaben von Onlineportalen, die Ortungssignale von internationalem Schiffsverkehr wiedergeben, hatte sich das Schiff am Sonntag vor der nördlichen Atlantik-Küste Frankreichs befunden. In der Nacht zu Montag wurde dann ein Druckabfall in einer der beiden Leitungen von Nord Stream 2 festgestellt.

Zudem kursiert ein Video von Anfang Februar, in dem US-Präsident Joe Biden erklärt, die USA würden im Falle einer russischen Invasion der Ukraine, Nord Stream 2 zu einem Ende bringen. Auf die Frage einer Reporterin, wie genau das geschehen solle, antwortet Biden mit einem Lächeln: „Ich verspreche Ihnen, wir werden fähig sein, das zu tun.”

 

 

Es gibt aber auch Stimmen, die auf Seiten der Ukraine ein Motiv für einen Anschlag sehen: Bleiben beide Nord-Stream-Pipelines nun dauerhaft außer Betrieb, kann Russland nur auf dem Landweg – über die Ukraine – Gas nach Europa liefern, was mit Blick auf Transitgebühren im Sinne Kiews sein dürfte. Fraglich ist allerdings, ob das Land dafür über die nötigen militärischen Mittel und Möglichkeiten verfügt.

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Kommentare (1)

Als Profiteur ist auch die deutsche Bundesregierung zu sehen. Sie braucht sich im künftigen Agrarstaat Deutschland dann wenigstens keiner öffentlichen Diskussion zu stellen.