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Westliche Welt schließt Botschaften

Hinweise auf Terroranschläge haben die USA zum Schließen ihrer Botschaften im Nahen Osten bewogen.
Hinweise auf Terroranschläge haben die USA zum Schließen ihrer Botschaften im Nahen Osten bewogen.
Jim Hollander

Angst vor Anschlägen im Nahen Osten: Hat der viel gescholtene US-Geheimdienst Al-Kaida-Pläne aufgedeckt?

Wegen akuter Terrorgefahr sind zahlreiche westliche Botschaften und Konsulate in islamischen Ländern am Sonntag geschlossen geblieben. Die USA machten 21 Einrichtungen von Mauretanien in Afrika bis ins asiatische Bangladesch dicht. Deutschland, Großbritannien, Frankreich schlossen ihre Botschaften im Jemen vorübergehend. Dort sahen Sicherheitskreise offensichtlich eine besonders bedrohliche Lage. Die deutsche Vertretung in der Hauptstadt Sanaa wird auch am Montag nicht öffnen, wie ein Sprecher das Auswärtigen Amtes sagte.

Angeblich Terroristen-Pläne abgehört

US-Nachrichtendienste haben nach eigenen Angaben geheime Kommunikationen zwischen führenden Mitgliedern des Terrornetzwerkes Al-Kaida abgefangen. Darin sei es um Terroranschläge auf amerikanische Einrichtungen gegangen. Das sei auch der Grund für die weltweite Reisewarnung vom Freitag, berichteten US-Medien.

Die internationale Polizeibehörde Interpol gab am Samstag eine weltweite Sicherheitswarnung heraus. Sie forderte ihre 190 Mitgliedsländer nach mehreren von Al-Kaida unterstützten Gefängnisausbrüchen etwa im Irak, in Libyen und Pakistan zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Ablenkung von NSA-Kritik?

Das Auffangen elektronischer Kommunikation ist eine Hauptaufgabe des US-Geheimdienstes NSA, dessen massive Spähprogramme US-Whistleblower Edward Snowden enthüllt hatte. Der „New York Times“ zufolge deuteten Analysten und Kongressmitarbeiter an, eine Terrorbedrohung zum jetzigen Zeitpunkt sei ein guter Weg, von der Kritik an den NSA-Programmen abzulenken. Noch besser sei es, wenn zugleich deutlich gemacht werden könne, dass die NSA-Aktivitäten ein mögliches Terrorkomplott aufgedeckt hätten.

Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama trafen sich am Samstag, um die Lage zu erörtern, darunter mehrere Minister. Einzelne US-Militäreinheiten im Nahen Osten wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, wie der Sender CNN am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise meldete. Verteidigungsminister Chuck Hagel habe mit seinen Experten erörtert, welche Einheiten im Falle eines Terrorangriffs auf US-Einrichtungen eingesetzt werden könnten. Die US-Marine habe Amphibienboote im Roten Meer näher an den Jemen heran beordert.

Schlimmste Bedrohung seit langem

Die Sicherheitsvorkehrungen rund um die US-Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wurden laut CNN deutlich erhöht. „Die Bedrohung scheint schlimmer zu sein, als sie es lange Zeit war“, sagte ein Mitarbeiter der US-Sicherheitsbehörden im Jemen dem Sender.

Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge wies Obama die Sicherheitsbehörden bereits vor einigen Tagen an, alles zum Schutz von US-Bürgern zu tun „im Lichte einer potenziellen Bedrohung, die auf der arabischen Halbinsel stattfindet oder von ihr ausgeht“.

Der französische Präsident François Hollande sagte, man habe Informationen darüber, dass die Drohungen sehr ernst zu nehmen seien. Das britische Außenministerium riet seinen Landsleuten in einer aktuellen Reisewarnung zur Ausreise aus dem Jemen.

Laut „New York Times“, die sich auf US-Regierungsbeamte berief, diskutierten Terroristen Attacken gegen Einrichtungen im Nahen Osten und Nordafrika. Daher hätten Experten des Geheimdienstes CIA, das Außenministerium und das Weiße Haus sofort begriffen, worum es gehe.