Bei der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands Mitte Juli wurden ganze Landstriche zerstört.
Bei der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands Mitte Juli wurden ganze Landstriche zerstört. Marius Becker
Flutkatastrophe

Wetterexperte erteilt Klimawandel als Flut-Ursache eine Absage

Während die politische Aufarbeitung der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands beginnt, steht für einen Meteorologen bereits fest, wodurch es zu hunderten Todesopfern gekommen ist, und wodurch nicht.
Berlin

Der Bundestag hat ein milliardenschweres Hilfspaket für die Opfer der Hochwasserkatastrophe beschlossen. In ihrer letzten Parlamentsitzung sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag für den Wiederaufbau im Westen Deutschlands brauche es „einen langen Atem”. Dass manche Politiker die Katastrophe als Folge des Klimawandels darstellen, sorgt bei einem Wetterexperten offenbar eher für Schnappatmung. „Die Flutkatastrophe ist kein Ergebnis des Klimawandels, sondern eines behördlichen Totalversagens mit fahrlässiger Tötung”, teilte der Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Online-Portal Wetter.net am Mittwoch mit.

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Sein Vorwurf stellt jedoch nicht nur die Ursachen des extremen Wetterereignisses infrage. Aus seiner Sicht wären wohl weniger Todesopfer zu beklagen, wenn die damaligen Vorhersagen entsprechende Maßnahmen ausgelöst hätten. Aber „die behördliche Warnkette hat auf allen Ebenen eklatant versagt”, urteilt der Wetterexperte. Offiziellen Angaben zufolge sind mehr als 180 Tote nach der Flut um den 14. Juli 2021 zu beklagen, mehrere Menschen gelten noch immer als vermisst.

In diversen Wetterberichten sei bereits vier bis fünf Tage zuvor von „extremen Niederschlägen” die Rede gewesen. Spätestens 36 bis 48 Stunden bevor die Wassermassen über den Norden von Rheinland-Pfalz und den Süden von Nordrhein-Westfalen hereinbrachen, gingen Prognosen „von 150 bis 200 Milimeter Regen aus, und zwar flächendeckend” so Jung weiter.

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In Nordrhein-Westfalen wird der Landtag in einem Untersuchungsausschuss nun mögliches Behördenversagen aufarbeiten. Die Oppositionsfraktionen SPD und Grüne verfügen zusammen über ausreichend Stimmen, um das Gremium bereits am Donnerstag einzuberufen. Die Opposition will vor allem wissen, wer wann wen gewarnt hat – und wann sich die Landesregierung eingeschaltet hat.

Meteorologe Jung stößt zudem übel auf, wie manche Politiker im Zusammenhang mit der Flut der Begriff Klimawandel verwenden, ohne dabei konkrete Personalien zu benennen. Den extremen Starkregen „mit dem Klimawandel bzw. der Klimaerwärmung in Verbindung zu bringen, ist fachlich völliger Unsinn”, so der Wetterexperte. Er erklärt: Der meteorologische Begriff Wetter geht darauf ein, „was aktuell draußen passiert.” Klima hingegen bezeichne Wetterbeobachtungen über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren.

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Unabsehbar viele Jahre werden die Überlebenden der Katastrophe noch mit deren Folgen zu kämpfen haben, nachdem ganze Landstriche zerstört wurden. Mit dem im Bundestag beschlossenen Hilfsfonds sollen künftig rund 30 Milliarden Euro für den Wiederaufbau ausgezahlt werden. Am Freitag soll der Bundesrat die Neuregelungen in einer Sondersitzung billigen.

 

 

 

 

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