BORIS PALMER

Wie deutsch ist die "Deutsche Bahn"?

Auf ihrer Startseite wirbt die Deutsche Bahn mit Fotos von sechs Personen – fünf von ihnen haben eine dunkle Hautfarbe. Dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, einem Grünen, ist das nicht deutsch genug.
dpa
Boris Palmer stört sich an dieser Bildauswahl.
Boris Palmer stört sich an dieser Bildauswahl.
Tübingen.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat mit Kritik an der Auswahl von Werbeträgern der Bahn für Empörung gesorgt. Die Bahn zeigt auf ihrer Internetseite Bilder von Reisenden mit unterschiedlichen Hautfarben, unter anderem den dunkelhäutigen Sterne-Koch Nelson Müller und die türkisch-stämmige Moderatorin Nazan Eckes. Fünf der sechs abgebildeten Personen haben eine eher dunkle Hautfarbe, einzig der Rennfahrer Nico Rosberg ragt heraus.

„Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die „Deutsche Bahn“ die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat“, schrieb Palmer am Dienstag auf Facebook. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“ Die Bahn und die Grünen-Spitze reagierten befremdet.

Grünen-Spitze lobt die Bahn und tadelt Palmer

„Herr Palmer hat offenbar zum wiederholten Male Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft“, sagte ein Grünen-Sprecher. „Solch eine Haltung lehnen wir ab.“ Müller, Eckes und der früheren Formel-1-Fahrers Nico Rosberg, die auch auf Plakaten und in Werbespots der Bahn zu sehen sind, stünden „für besondere Talente, die viele Menschen begeistern“.

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, lobte die Kampagne demonstrativ: „Die Bahn ist für alle da, und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich“, sagte er der dpa. „Es zeigt die gesellschaftliche Realität.“

Palmers Parteifreunde sind schwer genervt

Viele Grüne zeigten sich genervt von dem Oberbürgermeister der schwäbischen Universitätsstadt, der unter anderem mit Aussagen zur Asylpolitik seine Partei immer wieder reizt. Der Tübinger Landtagsabgeordnete der Grünen in Baden-Württemberg, Daniel Lede Abal, wies Palmers Äußerung als „einfach völlig daneben“ zurück: „Wenn er als Oberbürgermeister mit so einer Stadtgesellschaft nicht zurechtkommt, sollte er sich jetzt überlegen, ob er Oberbürgermeister bleiben kann.“

 

 

Der nordrhein-westfälische Grüne Ali Bas forderte auf Twitter: „Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr Palmer!“

Die Bahn reagierte verschnupft: „Herr Palmer hat offenbar zum wiederholten Male Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft“, sagte ein Sprecher der Bahn. „Solch eine Haltung lehnen wir ab.“ Nico Rosberg, Nazan Eckes oder Nelson Müller stünden „für besondere Talente, die viele Menschen begeistern“. Sie passten zur aktuellen Werbekampagne und seien „positive und repräsentative Identifikationsfiguren“. Weiter hieß es von der Bahn: „Die DB freut sich, mit ihnen zusammenzuarbeiten“, sagte der Sprecher. „Genauso gehören Kolleginnen und Kollegen aus über 100 Nationen zur DB-Familie.“

 

 

Das erklärt Palmer zu seinem umstrittenen Tweet

Auf Anfrage erläuterte Boris Palmer am Dienstag seinen Standpunkt. „Menschen, die so aussehen, als hätten sie keinen Migrationshintergrund, sind bei den Bildern in der Minderheit“, sagte er. „Ich würde eine Auswahl an Bildern, die unsere Gesellschaft abbildet, für logischer halten.“ Wer eine andere Auswahl treffe, könne dafür gute Gründe haben. „Aber die erkenne ich bisher nicht.“ Er frage sich, welche Strategie hinter der Bilderauswahl der Bahn stecke.

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Kommentare (1)

darf die Wahrheit schreiben. Das ist nicht verboten. Auch wenn das mach einen auf die Palme bringt. Die Bahn hat es gut gemeint. Doch all zu gut ist liederlich!