DOPINGOPFER-HILFEVEREIN

Wie ehrenamtlich arbeitete DOH-Chefin Ines Geipel wirklich?

Als ehrenamtliche Kämpferin für die Rechte der Dopingopfer sieht sich Ines Geipel vom Dopingopfer-Hilfevereins (DOH). Einziger Lohn: Das Bundesverdienstkreuz. Stimmt das?
Thomas Krause Thomas Krause
Ines Geipel ist seit 2013 Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins.
Ines Geipel ist seit 2013 Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins. Arno Burgi
In Top 16 der Sitzung vom Juli 2016 geht es um die Honorierung von Ines Geipel. Foto: Nordkurier
In Top 16 der Sitzung vom Juli 2016 geht es um die Honorierung von Ines Geipel. Foto: Nordkurier Krause, Thomas
Berlin.

Alles für die Opfer! So präsentierte sich Ines Geipel stets in der Öffentlichkeit. Risse bekommt dieses Bild durch ein Protokoll, in dem es um den Umgang der DOH mit einer Großspende von Adidas geht. Im Jahr 2016 hatte der Konzern eine Summe von 20 000 Euro bereitgestellt, um den DOH zu unterstützen. Im „Badehaus Goor“ in Lauterbach auf der Insel Rügen wurde dann im DOH-Vorstand beraten, was mit dem Geld geschehen sollte, nachzulesen im Sitzungsprotokoll (liegt dem Nordkurier vor) unter dem Tagesordnungspunkt 16.

Was dort steht, klingt ganz und gar nicht mehr nach Ehrenamt und Selbstlosigkeit. Wörtlich heißt es in dem Protokoll: „Der Vorstand einigte sich darauf, dass Ines Geipel für ihr Engagement und für ihre harte Arbeit in den vergangenen drei Jahren ein Honorar über 20.000 Euro erhalten wird. Erst einmal erhält Ines Geipel 5000 Euro, der Rest wird in weiteren Abschlägen gezahlt.“ 20.000 Euro für Ines Geipel – das entspräche exakt der Summe der Adidas-Spende.

Im Sitzungsprotokoll kann man weiter nachlesen, wie die Abweichung vom Ehrenamtsprinzip begründet wurde: Bei allem Engagement gehe es bei der Arbeit für den DOH immer auch um Lebenszeit, heißt es dort. Und: „Alle Mittel, die in den letzten drei Jahren für den Verein erarbeitet wurden, kamen letztlich über Ines Geipel.“

Mitglieder wussten nichts von 20.000 Euro für Geipel

Für einen Verein, dessen Statuten beinhalten, rein ehrenamtlich und selbstlos tätig zu sein und der Begünstigungen seiner Mitglieder durch unverhältnismäßige Vergütungen per Satzung untersagt, schon ungewöhnlich.

An den DOH-Mitgliedern ist der ganze Vorgang offensichtlich vorbeigegangen. Henner Misersky, 1999 Gründungsmitglied des DOH und viele Jahre auch im Vorstand tätig, sagt, dass er von dieser Adidas-Spende nie gehört habe. Dass Ines Geipel Geld erhalten sollte, sei ihm erst kürzlich angetragen worden. „Ich war perplex, als ich das erfahren habe. Ich habe in meiner Zeit nie einen Cent abgerechnet für die Arbeit im Verein. Was da passiert ist, geht gar nicht, wenn es stimmt“, sagt er. Misersky, ehemaliger Leistungssportler und Skilanglauftrainer, hatte den DOH nach Streitigkeiten mit Geipel in diesem Frühjahr verlassen. Der heute 78-Jährige wurde einst nach seiner Verweigerung des staatlich verordneten Dopings im DDR-Leistungssport als Trainer entlassen. 2012 wurde er in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Adidas-Sprecher Roman Möhlinger geht trotz des Protokolls bis heute davon aus, dass die Spende ordnungsgemäß verwendet wurde: „Der Spendenbetrag kam der Information und Betreuung von Geschädigten sowie der Präventionsarbeit in Schulen und Sportvereinen zugute. Über den detaillierten Einsatz des Spendengeldes und den Projekterfolg wurden wir schließlich im Rahmen eines Projektberichts informiert“, so Möhlinger. An wen im Rahmen dieser Projekte welche Summen flossen, geht aus dieser Aussage indes nicht hervor.

DOH-Chefin Ines Geipel weist die Vorwürfe jedenfalls zurück. „Nein, die Spende ist nicht für meine Honorierung verwendet worden. Die Spende ist, wie mit dem Spender vereinbart, insbesondere für die Präventionsarbeit des Vereins verwendet worden, darüber hinaus für die weitere Arbeit des Vereins“, sagt sie. Aber auch hier keine Details darüber, welche Summen nun genau wo gelandet sind.

Geipel will aus dem DOH eine Art Behörde machen

Eine Honorierung ihrer Arbeit, das räumt Ines Geipel indes sogar ein, sollte es vom DOH wirklich geben. „Der DOH-Vorstand hatte 2016 eine Honorierung meiner Arbeit beschlossen. Die wurde nicht umgesetzt, weil wir keine Mittel zur Verfügung hatten. Im Übrigen werden alle Mittelverwendungen gegengeprüft, der jährlichen Mitgliederversammlung als Jahresabschlussbericht vorgelegt und auch dort abgenommen“, erklärt sie.

Überhaupt gebe es generell keine Honorierungen. „Lediglich das Bundesinnenministerium finanziert seit 2015 das Projekt ‚Sport in Not‘. Innerhalb dieses Projektes gibt es Mitarbeiter auf Minijob-Basis, die im Kontext der Beratungsstelle arbeiten. Diese Mittel müssen jährlich als Fehlbedarfsfinanzierung beim Bundesministerium für Inneres abgerechnet werden“, so Geipel. Seit diesem Jahr fließen laut einem Bericht des Tagesspiegels dafür vom Innenministerium 50 000 Euro.

Überhaupt sind, wenn es nach Ines Geipel geht, die Zeiten des Ehrenamtes vorbei. „Unsere Aufgaben sind inzwischen so komplex, dass wir das ehrenamtlich nicht mehr stemmen können“, sagte sie dem Tagesspiegel. Zum Schutz der Athleten müsse die Arbeit des Vereins institutionell (und damit natürlich auch finanziell) abgesichert sein. Ihr schwebt dabei eine Angliederung an eine Aufarbeitungsbehörde, eine Klinik oder die Gründung einer Stiftung vor.

zur Homepage