DEBATTE IM NETZ

Witzig oder geschmacklos? Regierung polarisiert mit Corona-Video

Mit einer Video-Kampagne startet die Bundesregierung einen etwas anderen Aufruf zur Corona-Krise. Die Reaktionen sind geteilt. Während einige den Humor feiern, fühlen sich andere gar diskriminiert.
Regierungssprecher Steffen Seibert teilte die Videos am Wochenende in den sozialen Netzwerken und erntete gemischte Reaktionen
Regierungssprecher Steffen Seibert teilte die Videos am Wochenende in den sozialen Netzwerken und erntete gemischte Reaktionen. Kay Nietfeld
Neubrandenburg ·

Der Protagonist des Corona-Videos im Netz ist frei erfunden. Im Rückblick berichtet Anton Lehmann von seinem Einsatz in der Corona-Krise 2020 – als ergrauter Herr im Sessel. Von einer Art Opfer, das er in dieser Zeit für die Gesellschaft erbracht habe – in dem er daheim auf dem Sofa blieb. Die Couch sei „die Front” gewesen, die Geduld „unsere Waffe”. Das Video – am Sonnabend veröffentlicht – dürfte bereits mehrere Hunderttausend Menschen erreicht haben.

Die Kampagne mit dem Motto "#besonderehelden" brachte der Bundesregierung am Wochenende Lob und heftige Kritik ein. Das Video soll mit Humor eine Botschaft vermitteln: Wer Kontakte reduziert, der helfe im Kampf gegen das Corona-Virus.

Lesen Sie auch: Wie tödlich ist das Coronavirus wirklich?

Das Video in voller Länge

Positive Reaktionen im Ausland

Pandemie mit Humor nehmen – das haben im Ausland nur wenige „den Deutschen” zugetraut. Etwa auf Twitter gab es viel Lob für die etwas andere Kampagne, mit der die Berliner Politik wohl auf einen viralen Hit hofft. Inzwischen gibt es auch eine Version mit englischen Untertiteln, die sich flugs im Netz verbreitete. Ein Journalist der Londoner „Financial Times”, Henry Mance, kommentierte auf Twitter: „Ich kann damit umgehen, dass die deutsche Antwort auf die Pandemie besser ist als unsere, aber ich glaube, ich kann nicht damit umgehen, dass sie lustiger ist.”

Sind die Helden nicht eher andere?

Doch in Deutschland sind die Reaktionen auf das Video deutlich gemischter. So meldeten sich etwa Pflegekräfte die über das Video und seine Botschaft vom „auf der Couch bleiben” nur wenig lachen konnten. „Werde auch du zum Helden und bleib zu Hause”, so die offizielle Botschaft am Schluss des Videos – zu dem es inzwischen gar einen zweiten Teil gibt. Wem das nicht vergönnt ist, weil er eben nicht daheim bleiben kann oder gar in systemkritischen Berufen arbeitet, der kann dieser Aufforderung nur wenig abgewinnen. Andere Nutzer in sozialen Netzwerken bemängelten, dass Themen wie Einsamkeit, häusliche Gewalt oder Existenzängste in den Spots keine Rolle spielen.

Lesen Sie auch: Schülerin klagt an - "Sie riskieren unsere Gesundheit"

Der Autor Sascha Lobo trat wiederum der Kritik entgegen: „Deutsches Twitter selten knalldackeliger (und deutscher), als wenn diese brillanten Corona-Spots auf Krampf scheiße gefunden werden”, schrieb er auf Twitter. „Manche Leute erreicht man so und nur so, also lasst eure innere Abiturientenkonferenz EINMAL für 10 Minuten NICHT raushängen.”

Keine konkreten Angaben zu den Kosten

Vom Bundespresseamt hieß es, man freue sich "über viele positive Rückmeldungen und die Aufmerksamkeit, die so auf diese wichtige Botschaft gelenkt werden kann”. Zu kritischen Stimmen äußerte der Sprecher sich zunächst nicht. Zu den Kosten sagte er: „Die Videos fügen sich in unsere bisherigen Maßnahmen ein. Genauere Angaben können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht machen.”

 

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (9)

mehr Rechts geht nicht.

für die Wochenschau

kommt humorvoll auf den Punkt.

Wie geschichtsvergessen muss man sein, um solchen Schrott humorvoll zu finden. Ich finde das widerlich.

"Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg […] Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. […] Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land."

Na sowas! 71 Jahre Demokratie waren um, als 2020 plötzlich dem Volk das "Schicksal in die eigenen Hände gelegt" wurde. Ist das noch Humor oder vollendete Verblödung der Bundesregierung? Oder lediglich ein Test, wie dumm das deutsche Volk bereits geworden ist und nichts merkt?

Karsten hat den Durchblick!

hat von nichts gewusst und wollte sowieso nur das allerbeste für die Menschen.
Nach diesem Video würde ich mich schämen kein "Covidiot" zu sein.

an Zynismus nicht zu überbieten.
Womöglich befinden wir uns tatsächlich im Krieg.
Es gibt ja mehrere Mittel, um Kriege zu führen.
Wer sich die Bundespressekonferenzen antut, wird wissen, daß einem dort die pure Arroganz entgegenschlägt, vor allem von Seibert.