STATISTIK

Zahl der Ausländer in Gefängnissen auf Rekordhoch

In den Gefängnissen in Hamburg und Berlin kommt jeder zweite Häftling aus dem Ausland, in NRW jeder Dritte. Wie sieht es in MV und Brandenburg aus?
Uwe Reißenweber Uwe Reißenweber
Die Zahl ausländischer Strafgefangener ist in den vergangenen Jahren im Nordosten leicht gestiegen.
Die Zahl ausländischer Strafgefangener ist in den vergangenen Jahren im Nordosten leicht gestiegen. Jens Wolf
Schwerin.

Die Zahl ausländischer Strafgefangener ist in den vergangenen Jahren im Nordosten leicht gestiegen. Saßen im Jahr 2014 in Brandenburg noch 308 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft im Gefängnis waren es im vergangenen Jahr 325, teilte das Justizministerium in Potsdam auf Nachfrage des Nordkuriers mit. Insgesamt sitzen in Brandenburg jedes Jahr zwischen 1250 und 1500 Menschen ein.

In MV saßen im vergangenen Jahr 157 Ausländer aus 66 Nationen hinter Gittern – bei insgesamt 882 Straftätern. Im Jahr 2014 waren es noch 108 Nichtdeutsche unter 983 Strafgefangenen. Der Anteil stieg somit von 9,2 auf 14,9 Prozent, so das Schweriner Ministerium. Die mit Abstand größte Anzahl stellten polnische Bürger (35), gefolgt von Syrern (23) und Russen (7).

Insgesamt soll laut Medienberichten der Ausländeranteil in deutschen Gefängnissen einen neuen Rekordwert erreicht haben. In Berlin und Hamburg komme bereits mehr als jeder zweite Häftling aus dem Ausland. In NRW sei der Anteil seit 2015 von 33 auf mehr als 36 Prozent gestiegen. Diese Zahlen sagen allerdings nichts darüber aus, ob Polizei, Staatsanwaltschaften und Richter bei Ausländern nicht vielleicht auch härter vorgehen, als bei Deutschen.

Ausländeranteil in Sachsen rapide gestiegen

Eine bundesweite Gesamtzahl lasse sich wegen unterschiedlicher Bezugsgrößen und Stichtage in den einzelnen Ländern nicht addieren. In Sachsen sei der Ausländeranteil rapide gestiegen. So registrierten die dortigen Justizvollzugsanstalten zum Stichtag März 2016 noch 482 Ausländer, zwei Jahre später 601 und derzeit 981. Die stärksten Gruppen stellten dabei Häftlinge aus Polen, Tunesien, Libyen, Tschechien und Georgien.

In den westlichen Bundesländern stieg laut Medien der Ausländeranteil seit 2016 beispielsweise in Hamburg von 55 auf 61, in Berlin von 43 auf 51, in Niedersachsen von 29 auf 33 Prozent. Hessen verzeichnete vor drei Jahren bereits einen Anteil von 44,1 Prozent, der geringfügig auf 44,6 Prozent anstieg. Bayern registrierte seit 2012 sogar eine Zunahme von 31 auf 45 Prozent.

Ein besonderes Augenmerk haben die Strafvollzugsbehörden auf Gefangene mit islamistischem Hintergrund. „Die Zahl der Gefangenen, die wegen ihrer islamistischen Gesinnung auffällig geworden sind, ist in den vergangenen beiden Jahren stark angestiegen“, berichtet beispielsweise der Stuttgarter Justizminister Guido Wolf. „Wir tun alles, um Anzeichen für eine islamistische Radikalisierung frühzeitig zu erkennen und dieser entschieden entgegenzutreten“, versichert der CDU-Minister.

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