CORONA-PANDEMIE

Zweifel an Immunität nach Corona-Infektion wachsen

In der Großen Koalition ist ein Streit um den „Immunitätspass” ausgebrochen, jetzt ist der Ethikrat gefragt. Doch sind Menschen wirklich immun, nachdem sie eine Corona-Infektion überstanden haben?
Wie lange sind Patienten, die bereits einmal eine Covid-Erkrankung durchmachten, gegen das Coronavirus immun?
Wie lange sind Patienten, die bereits einmal eine Covid-Erkrankung durchmachten, gegen das Coronavirus immun? Marcel Kusch
Neubrandenburg.

Was hat es mit dem Immunitätspass auf sich?

Befürworter eines Corona-Immunitätspasses wollen, dass jeder, der eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht hat, einen Ausweis erhält. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) drängt schon seit Monaten auf die Einführung eines solchen Passes. Man werde sich verstärkt mit der Frage beschäftigen müssen, „welche Einschränkungen wann für wen zulässig sind”, sagte Spahn bereits im Mai. Dies sei insbesondere für Personen wichtig, die in Länder reisen, die die Einführung eines solchen Ausweises planen. Die Lösung könne nicht sein, so Spahn, dass Bürger nicht mehr in diese Länder reisen könnten.

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Kritiker befürchten, dass dadurch eine Zweiklassengesellschaft entstehen könnte, in der Bürger je nach Gesundheitszustand verschiedene Freiheitsrechte haben. Die SPD lehnt deshalb einen solchen Nachweis ab. Dies sei „völlig undenkbar”, solange eine Immunität wissenschaftlich nicht gesichert sei und auch nicht anders als durch gezielte Ansteckung erlangt werden könne, sagte zuletzt Parteichefin Saskia Esken. Die stellvertretende Bundestagsfraktionschefin Bärbel Bas sagte, dass eine Immunität „nach wie vor nicht nachweisbar” sei und „daher auch nicht dokumentiert werden” dürfe. „Alles andere wäre leichtsinnig.”

Wie ist der Stand der Dinge?

Jens Spahn zog die Pläne nach den Protesten des Koalitionspartners vorerst zurück und bat den Deutschen Ethikrat um eine Stellungnahme. Dieser will am Donnerstag erstmals darüber beraten. Der Ethikrat ist ein Zusammenschluss unabhängiger Sachverständiger, die die Folgen von wissenschaftlichen Entwicklungen für das Leben der Menschen in Deutschland absehen und bewerten sollen. Er besteht aus 21 Mitgliedern, die in erster Linie an Universitäten und Forschungszentren, aber auch in der Kirche oder bei Interessensverbänden tätig sind.

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Was ist das Problem mit der Immunität?

Bis zuletzt ging die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung davon aus, dass „Personen nach durchgemachter Infektion spezifische Antikörper entwickeln, die das Virus in Labortests neutralisieren können”. Das Robert-Koch-Institut rechnete damit, dass auf der Basis der Erfahrung mit vergangenen Coronaviren-Infektionen wie Sars und Mers damit zu rechnen sei, „dass die Immunität bis zu drei Jahre anhalten könnte”. Die Weltgesundheitsorganisation sieht ein nur geringes Risiko für Genese, sich ein zweites Mal mit dem Coronavirus zu infizieren. Diese Sicht der Dinge wird nun aber durch Studien aus Deutschland und China in Zweifel gezogen.

Was besagen diese Studien?

Forscher der Universität Lübeck haben herausgefunden, dass bei einigen Patienten keine Corona-Antikörper nachweisbar waren, obwohl sie nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren (Studie hier als PDF-Datei). Chinesische Wissenschaftler entdeckten zudem, dass Patienten mit einem leichten Krankheitsverlauf nur eine geringe Menge Corona-Antikörper im Blut hatten.

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Darüber hinaus sinke die Konzentration der Antikörper bereits nach kurzer Zeit. Insofern könnte eine entsprechend schwächere Immunantwort auf eine Neuinfektion zu erwarten sein. Bei einigen Probanden waren nach drei Monaten keine Antikörper mehr nachzuweisen. Ähnliche Beobachtungen hat auch der Chefvirologe der Berliner Charite, Christian Dorsten, gemacht.

Bedeutet das, dass Patienten schon nach kurzer Zeit nicht mehr immun gegen das Coronavirus sind?

Hier ist die Antwort nicht eindeutig. Denn auch Menschen ohne nachweisbare Antikörper im Blut können zumindest in der Theorie immun sein. Es gibt nämlich Immunzellen im Körper von Genesenen, die das Virus selbst bekämpfen oder wieder neue Antikörper bilden, sollte das Virus erneut eindringen.

Darüber hinaus gibt es noch keine verlässlichen Erkenntnisse darüber, wie hoch die Konzentration von Antikörpern sein muss, um vor einer erneuten Ansteckung zu schützen. Sollten sich die Studienergebnisse allerdings bestätigen, wäre das ein herber Rückschlag für die Befürworter des Konzepts der Herdenimmunität.

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Kommentare (1)

So etwas wie einen Immunitätspass gab es schon mal. Da mussten sich bestimmte Menschen Sterne an der Kleidung anbringen. Will Herr Spahn das? Wie kann man als Minister auf solche Gedanken kommen, ich finde das abscheulich, der Mann gehört etfernt! Der kann als Gesundheitsminister auch kein Diplom im Gesundheitswesen vorweisen!