StartseitePolitik„Arbeitnehmer zweiter Klasse“ – So groß ist die Lohnlücke in Deutschland

West-Ost-Konflikt

„Arbeitnehmer zweiter Klasse“ – So groß ist die Lohnlücke in Deutschland

Schwerin/Berlin / Lesedauer: 2 min

Jetzt soll Kanzler Olaf Scholz es richten: Die Linke im Bundestag fordert einen Ostgipfel - in den neuen Ländern soll laut Opposition endlich so viel gezahlt werden wie im Westen.
Veröffentlicht:04.12.2023, 16:33

Artikel teilen:

Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung klafft wischen Ost- und Westdeutschland weiter eine große Lohnlücke. Ende 2022 verdienten sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte in den neuen Bundesländern im Durchschnitt 3157 Euro brutto pro Monat und damit 600 Euro weniger als westdeutsche Arbeitnehmer (3752 Euro).

Anfrage der Linken im Bundestag

Diese aktuellen Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Demnach beträgt die Differenz bei den Einkommen zwischen Ost und West im Durchschnitt ein knappes Fünftel. Die Bundesregierung beruft sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Daten, die Dietmar Bartsch aus Mecklenburg-Vorpommern bereits seit Jahren nicht ruhen lassen und Empörung bei ihm auslösen. Der Vorsitzende der sich auflösenden Linksfraktion im Bundestag bezeichnete die Lohnunterschiede als „himmelschreiende Ungerechtigkeit“. Ostdeutsche Beschäftigte seien in vielen Bereichen immer noch „Arbeitnehmer zweiter Klasse“, sagte Bartsch und forderte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf, das Thema Lohnangleichung zur Chefsache zu machen. „Ein Ostgipfel im Kanzleramt ist notwendig“, so der Tenor aus dem Mund des langjährigen Oppositionspolitikers aus dem Osten.

In manchen Branchen ist Lücke noch größer 

In einzelnen Branchen ist die Lohnlücke sogar noch wesentlicher höher als das durchschnittliche Fünftel. In der Bekleidungsbranche beispielsweise verdienen Ost-Beschäftigte im Schnitt 2282 Euro brutto pro Monat, während der durchschnittliche Monatslohn im Westen 3769 Euro beträgt. Bei der Herstellung von Autos und Autoteilen kommen Arbeitnehmer im Osten durchschnittlich auf ein Monatsentgelt von 3757 Euro - dies liegt damit 42,1 Prozent unter dem der Beschäftigten im Westen (5337 Euro). 

Der durchschnittliche Bruttojahresverdienst bei Vollzeitbeschäftigten im Westen lag 2022 demnach bei 58.085 Euro, im Osten bei 45.070 Euro. Ursächlich für die teils erheblichen Unterschiede dürften aus Sicht der Bundesagentur unter anderem die Faktoren Betriebsgröße und Branchenstruktur sowie die Tarifbindung sein. Der Anteil der Beschäftigten in Betrieben mit 250 und mehr Mitarbeitern an allen Beschäftigten habe in Ostdeutschland mit 30,5 Prozent unter dem Anteil im Westen (37,3) gelegen. Hinzu komme die deutlich niedrigere Tarifbindung im Osten. Auch Sonderzahlungen, die im Westen im Schnitt fast doppelt so hoch ausfallen und zuletzt schneller stiegen als im Osten, seien ein Grund für die Lohndifferenz.

MV ist immer noch Schlusslicht

Auf Länderebene reichte laut Statistik der Bundesagentur die Spanne in Westdeutschland von 4127 Euro in Hamburg bis 3385 Euro in Schleswig-Holstein und in Ostdeutschland von 3806 Euro in Berlin bis 2935 Euro in Mecklenburg-Vorpommern. Noch deutlicher zeigten sich Unterschiede in Kreisen und kreisfreien Städten: Das höchste durchschnittliche Entgelt wurde im bayerischen Ingolstadt (5282 Euro) erzielt, das niedrigste im sächsischen Kreis Görlitz (2650).