StartseitePolitikARD–Chef will für Erhöhung des Rundfunkbeitrags kämpfen

Öffentlich–rechtliche Medien

ARD–Chef will für Erhöhung des Rundfunkbeitrags kämpfen

Berlin / Lesedauer: 3 min

Klare Worte vom ARD–Vorsitzenden Kai Gniffke bei einer Fragerunde in Berlin. So begründete er seine Forderung nach mehr Geld. Und Gniffke gab zudem ein Versprechen.
Veröffentlicht:07.06.2023, 12:48

Von:
Artikel teilen:

Der ARD–Vorsitzende Kai Gniffke hat sich für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ausgesprochen. „Wir werden für eine Beitragserhöhung kämpfen“, sagte der 62–Jährige am Dienstag auf der Digitalmesse Republica in Berlin bei einer offenen Fragerunde mit dem Publikum. Ob es dazu komme, lasse man dahingestellt.

Aktuelle Beitragsperiode läuft bis Ende 2024

Eine Höhe nannte Gniffke auf Nachfrage nicht. Aktuell liegt der Rundfunkbeitrag bei 18,36 Euro monatlich für Haushalte und Firmen. Die aktuelle Beitragsperiode läuft noch bis Ende 2024.

Die öffentlich–rechtlichen Häuser von ARD, ZDF und Deutschlandradio hatten unlängst ihre Finanzplanung für die Jahre nach 2024 einer Finanzkommission geschickt, die die Planungen prüft und anpasst.

„Wir werden für eine Beitragserhöhung kämpfen‟, sagte der 62–Jährige auf der Digitalmesse Republica in Berlin bei einer offenen Fragerunde mit dem Publikum.
„Wir werden für eine Beitragserhöhung kämpfen‟, sagte der 62–Jährige auf der Digitalmesse Republica in Berlin bei einer offenen Fragerunde mit dem Publikum. (Foto: Carsten Koall/dpa)

Diese Kommission empfiehlt dann voraussichtlich im nächsten Jahr eine Höhe des Rundfunkbeitrags, die Bundesländer haben in der Sache das letzte Wort. Mehrere Ministerpräsidenten machten in den vergangenen Wochen klar, dass sie eine Beitragserhöhung nicht mittragen würden.

Kündigungen keine Alternative

ARD–Chef Gniffke, der auch Intendant des Südwestrundfunks ist, sagte, es brauche Ressourcen, um der Aufgabe der ARD als öffentlich–rechtlicher Rundfunk nachzukommen. Es wäre „unverantwortlich, wenn ich sage: „Wir schmeißen einfach mal 1000 Leute raus““. Und: „Sondern Programm bedeutet immer Menschen, die das machen.“ Mit Blick auf die Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führte Gniffke unter anderem die Preisentwicklung an.

Zugleich betonte der ARD–Chef auch: „Ich weiß, wie die Gesellschaft über uns denkt und redet. Deshalb habe ich gesagt: „Ja, wir werden kleiner, wir werden effizienter, wir teilen uns mehr Arbeit.““ Es gelte, Effizienzreserven zu heben. Die ARD–Häuser eruieren derzeit eine deutlich stärkere Zusammenarbeit bei den TV– und Radioprogrammen, um Doppelstrukturen abzubauen.

Schwierige Ansprache von jüngeren Zuschauern

Die Zukunft der ARD sieht der 62–Jährige klar digital; beim digitalen Umbau hapere es jedoch. „Alle Anstalten sind digitalisierungswillig; aber wir uns tun uns schwer mit der Umsetzung“, sagte Gniffke und warnte vor einer Überforderung der Mitarbeitenden. Der SWR habe gerade mehrere Traditionsformate im Fernsehen auslaufen lassen. Das führe zu massiven Konflikten. „Wir müssen gucken, wie viele dieser Konflikte wir aushalten. Wenn wir jetzt wilde Sau spielen, verlieren wir unsere eigenen Leute“, warnte der Intendant.

Dabei machten die Herausforderungen auch vor rein digitalen Angeboten wie Funk keinen Halt, erklärte Gniffke weiter. Es brauche „eine neue Perspektive für Funk“. Denn die Erfolgsformate des Angebots von ARD und ZDF für junge Menschen seien mit der Zielgruppe älter geworden und ins TV–Hauptprogramm gewechselt. Für sie müsse nun neuer und jüngerer Ersatz gefunden werden.

Sorgen bereitet Gniffke, dass der Erfolg von Funk aktuell vor allem von Drittplattformen wie YouTube abhänge: „Wehe uns, wenn die plötzlich ihre Spielregeln ändern. Wenn TikTok chinakritische Berichte verbietet oder Facebook Geld für das Weiterverbreiten unserer Inhalte will, müssen wir da raus sein“, forderte der ARD–Vorsitzende.

Stärkere Verantwortung der ARD mahnte Gniffke auch beim Thema Medienkompetenz an. Jedes Schulkind sollte mindestens einmal im Schuljahr eine Medienkompetenzschulung durch ein öffentlich–rechtliches Medienhaus bekommen.