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Bildungsstudie 2023

Deutschland steht vor neuem Pisa-Debakel

Berlin/Schwerin / Lesedauer: 2 min

Am Dienstag wird zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie die neue Pisa-Studie vorgelegt. Diese hatte vor 23 Jahren für einen Schock gesorgt. Auch jetzt sieht es nicht besser aus.
Veröffentlicht:05.12.2023, 08:49

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Irgendwie fürchten alle Bildungspolitiker und all jene, die im deutschen Bildungswesen aktiv und engagiert sind diesen Tag: Immer dann, wenn die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre internationale Vergleichsstudie Pisa zur Leistungsfähigkeit der Schulen vorstellt, gingen in den vergangenen Jahren in Deutschland die Köpfe runter - und es folgten salbungsvolle Worte, dass ab jetzt alles besser werden würde. Doch Pustekuchen - auch 23 Jahre nach dem ersten Pisa-Schock wird damit gerechnet, dass Deutschland am Dienstag erneut schlechte Noten attestiert bekommt.

Fast alle Länder schlechter geworden

Nach Informationen des Nordkurier lautet der grundlegende Tenor der Studie, die offiziell in der Bundespressekonferenz in Berlin um 11 Uhr vorgestellt wird, dass  Deutschland im Fach Mathematik nur noch Durchschnitt ist - das heißt, nicht mehr über dem OECD-Durchschnitt liegt. Ähnlich soll es auch beim Lesen sein. Bei Informatik, Naturwissenschaften, Technik dagegen rangiert Deutschland weiterhin über dem OECD-Durchschnitt. Kleines Trostpflaster für das deutsche Bildungswesen: Offenbar sind fast alle Länder in ihrer Leistungsfähigkeit schlechter geworden.

CDU-Bundesvize und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien hat mit Blick auf die anstehenden Pisa-Ergebnisse schon vorsorglich reagiert und zu mehr Investitionen in Bildung aufgerufen. „Wir brauchen ein neues Selbstverständnis“, sagte die Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. „Deutschland muss den Weg vom Sozialstaat zum sozialen Bildungsstaat einschlagen. Wir müssen - über alle Altersstufen hinweg - Bildung in den Haushalten von Bund und Ländern priorisieren.“

Das gelte bei der frühkindlichen Bildung, Schulbildung, Aus-, Fort und Weiterbildung aber genauso auch bei der Grundlagen- und Spitzenforschung. Deutschland habe sich über Jahrzehnte in ideologischen Debatten über das Schulsystem verheddert, sei spät in der Digitalisierung gewesen und schaffe es nicht, genügend qualifiziertes Personal an seine Schulen zu bekommen, so die CDU-Politikerin.

Erst Verbesserung – dann erneuter Sinkflug

Die erste Vergleichsstudie vor 23 Jahren war erschütternd. Die deutschen 15-Jährigen schnitten damals extrem schlecht ab, zudem stand ein beschämend enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen im Pisa-Zeugnis. Die Folge war eine heftige Bildungsdebatte. Anschließend ging es in den Pisa-Studien für Deutschland zwar stetig bergauf mit den Ergebnissen, aber seit 2016 sinken die Werte wieder.