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Flüssigerdgas

Forscher mahnt – lieber Kohle statt LNG verbrennen

Ithaca / Lesedauer: 3 min

Deutschland bezieht den größten Teil der LNG-Importe aus den USA. Doch die Förderung und der Transport haben offenbar verheerende Folgen für das Klima.
Veröffentlicht:03.10.2023, 08:58

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Gegner des geplanten LNG-Terminals auf Rügen dürfte diese Aussage bestärken: Ein US-Forscher stellt Flüssigerdgas ein verheerendes Klimazeugnis aus und meint, Deutschland und Europa wären besser beraten, weiter auf Kohleverbrennung für Energiegewinnung zu setzen.

78 Prozent deutscher LNG-Importe kommen aus USA

Robert Howarth, Professor an der Cornell Universität im US-Bundestaat New York, forscht zu Treibhausgas-Emissionen bei der Förderung von Erdgas aus Schiefergestein, was allgemein als Fracking Gas bekannt ist.

In mehreren Medienberichten äußert er sich kritisch zu den Umweltauswirkungen dabei sowie durch die anschließenden Schiffstransporte des Gases in verflüssigter Form.

Im Interview für ein Unternehmen im Bereich Offshore-Windenergie weist er darauf hin, dass man sich durch die aktuellen Investitionen in LNG-Infrastruktur langfristig an einen fossilen Brennstoff binde, da das aufgebrachte Geld etwa für Terminals und Pipelines aus Sicht der Betreiber mindestens wieder refinanziert werden muss.

Dagegen sei die Infrastruktur für Energiegewinnung aus Kohle bereits vorhanden. „Warum also nicht für diese paar Jahre das Undenkbare tun und statt LNG mehr Kohle verbrennen? Und sich dann so schnell wie möglich von der Kohle entwöhnen.“

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine setzt die Bundesregierung zur Sicherung der Energieversorgung auf LNG-Importe. Dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zufolge kamen rund 78 Prozent aller deutschen LNG-Importe im August aus den USA, was dort mehreren Medienberichten zufolge zu einem regelrechten Fracking-Boom geführt hat.

Fracking bringt radioaktives Material an die Oberfläche

Mit Blick auf die Treibhausgas-Bilanz sagt Professor Howarth, die Kohlendioxid-Emissionen von Erdgas sei zwar wesentlich geringer als die von Kohle oder anderen Erdölprodukten. Es bestehe aber hauptsächlich aus Methan. Eine Förderung und Nutzung sei unmöglich, ohne dass Methan teilweise unverbrannt in die Atmosphäre gelange. „Wir wissen, dass Methan in der Zeit, in der es sich in der Atmosphäre befindet, als Treibhausgas mehr als 100-mal stärker wirkt als Kohlendioxid“, so der Forscher.

Beitrag zur Kritik an LNG-Plänen: Methan-Experte Robert Howarth kritisiert LNG-Pläne (orsted.de)

Zudem sei eine große Energiemenge für die extreme Kühlung des Gases notwendig, um es in eine flüssige Form zu bringen. Diese Energie stamme wiederum aus der Verbrennung von Erdgas. Um das Gas bei Schiffstransporten flüssig zu halten, sei außerdem eine Verdunstungskühlung notwendig, bei der Methan entweiche. „Bei einer typischen transatlantischen Reise mit LNG aus den Vereinigten Staaten verdampfen etwa sieben Prozent des Kraftstoffs aus den Tanks.“

Das ist aber offenbar nicht der einzige umweltschädliche Aspekt des in Deutschland ankommenden LNG. NDR-Recherchen zufolge trägt Fracking in den USA radioaktive Mineralien an die Erdoberfläche, wenn das Gas mithilfe von Wasser, Chemikalien und Sand aus tiefliegenden Gesteinsschichten gespült wird. Eine Dokumentation zu dem Thema geht auf diesen und weitere Probleme mit LNG ein. Sie wird den Angaben zufolge am 16 Oktober, 22 Uhr gesendet.